Montag, 31. Januar 2011

Frauenquote, Genderquatsch: Es schüttelt mich.

Es ist nur noch ätzend. Allüberall wird die Frauenquote diskutiert. Früh im Autoradio positionieren sich die Politniks (CDU-Ministerinnen wollen Quote, FDP-Lindner findet sie irgendwie Wischi-Waschi-momentan nicht nötig, bla bla - und die Kräfte der Volksfront wollen natürlich sowieso die allseligmachende Gleichheit), und gerade eben im Radio wieder eine Managerin, die unbedingt eine Quote will. Auch in Zettels kleinem Zimmer tobt schon eine sehr lesenswerte mehrseitige Diskussion darüber (mit übrigens sehr guten Kommentaren und Links).

Meine Fresse, trotzdem,  haben denn alle den Verstand verloren? Nicht, dass nicht sehr gute Argumente gegen Quotierungen geäußert werden würden, aber allein schon die Bereitschaft über soetwas zu diskutieren zeugt doch schon von angetretenen Rückzugsgefechten!
Hat denn kein politwichtiger Mensch mehr den Arsch in der Hose zu sagen, wo die Grenze zu ideologieverseuchten Gedankenspielereien überschritten ist? Kann keiner einfach mal auf ein paar tausend Jahre menschlicher Vorwärtsentwicklung (Evolution) hinweisen und knallhart sagen, dass diese Art der gesellschaftlichen Revolution bisher keiner brauchte und auch heute keiner braucht? Wieso traut sich keiner zu sagen: Quote ist Müll! Genderfrickelei braucht kein Mensch! Sowas ist Wichtigkeitsterapie für unausgelastete Charaktere, deren sonstiger Output unter der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle bleiben würde.

Dieser ganze Driss, mit all seinen Facetten von angeblicher Lohndiskriminierung, über fehlende "genderkonforme Erziehung" und angenommener Benachteiligung von Frauen wegen ihrer Gebärfähigkeit (was anderes ist es nicht, denn selbst wenn diese Fähigkeit ungenutzt bleibt, oder genug nachgewiesene Betreuungsmöglichkeiten vorhanden sind, kommen die GenderFemiEmanzen letztlich immer darauf zurück) ist eine elende Jammerei der selbsternannten Vertreter(innen) des angeblich doch so starken Geschlechts. Eine würdelose Jammerei meiner Meinung nach.


Um es von vornherein klarzustellen. Ich hatte jahrelang eine Chefin und habe ihren Führungsstil immer sehr gemocht. Auch wenn ich Hochachtung ihr gegenüber empfinde: Diese Art von Emphatie werde ich nie erreichen und versuche es daher auch garnicht erst. Es wäre zwecklos.
Jetzt habe ich auch Frauen "unter mir" und muss/darf zwangsläufig ab und zu mal Macht delegieren. Für mich ist das kein Problem, da ich die fachlichen Fähigkeiten sehe und nicht im Traum darauf käme jemanden wegen seines Geschlechts dabei zu diskriminieren.

Ein Problem mit weiblicher Führung hat im Allgemeinen auch niemand, aber wenn es doch eine Kompetenzanzweifelung gibt ... dann kommt sie erwartungsgemäß von bekannten "Macho-Männern" und (oder sogar nur) von allen nun untergeordneten Frauen, die nicht gerade ein temporäres Freundinnenverhältnis mit der jeweiligen "Chefin auf Zeit" haben.

Daher stellt sich mir als erstes die Frage, ob Frauen überhaupt Bock drauf haben eine Chefin zu bekommen, oder ob sich die schwesterliche Solidarität nur darauf beschränkt, es mit Genugtuung zu sehen, wenn Frauen irgendwo zum Alpha gekürt werden können (solange es nicht über einem selbst ist).


Die zweite Frage ist die, ob Frauen überhaupt damit klarkommen, wenn ihr Beliebtheitsfaktor alleine durch ihre Position ständig zweifelhaft ist. Machen wir uns nichts vor, Frauen leiden eher darunter (oder machen sich Gedanken) wenn sie ständig angezweifelt werden, dauernder Kritik unterworfen sind, oder persönlich erwartete Symphatiepunkte einfach nicht vergeben werden, obwohl man doch alles gut gemacht hat, bzw  machen wollte (und ansonsten auch Getriebene(r) des Systems ist).
Meine Erfahrung ist, dass Frauen damit nur sehr schwer klarkommen und den "Fehler" am ehesten bei sich selbst finden wollen. Und das kann zermürbend sein in einem System von selbst unperfekten Menschen, die trotzdem ihren Fokus immer auf den Chef/die Chefin richten.
Männliche Selbstüberschätzung, gepaart mit Gleichgültigkeit ist da der psychischen Gesundheit zuträglicher.
Ich denke, dass frau da doch lieber sicherheitshalber in der "lauwarmen Badewanne" bleibt, wie von Geissler bei Zettel verlinkt

Daraus ergibt sich die dritte Frage: Ab welcher Führungsebene werden Frauen denn nun angenommenerweise vom "Old Boys Network" ausgebremst? Und als Zwischenfrage: Warum sollten die das tun, "da Frauen ja (angeblich) bei gleicher Qualifikation weniger Gehalt bekommen"?
Nebenbei: Hat eigentlich schon jemand das Preisgeld der Gesellschaft für Männerrechte (?, müsste ich jetzt googeln) bekommen, welches dafür ausgesetzt wurde einen Arbeitsplatz zu finden auf dem eine Frau (bei gleicher Qualifikation und Dienstzeit) weniger Gehalt bekommt als ihr männliches Pendant? Als ich das letzte Mal guckte, gab es immer noch keine(n) Preisträger(in), obwohl es doch so einfach sein sollte.

Naja, es wäre jedenfalls schon interessant zu sehen, wo in einer bestimmten Firma die abstrakte "gläserne Decke" verläuft, und warum das so ist. Heißt: Ab wann weicht die "Angenommenenquote" signifikant von der "Bewerberquote" ab. Wenn es da eklatante Normabweichungen gäbe, dann sollte man schon mal nachhaken, aber das primitive Gucken nur nach den Heads ist lächerlich.

Die vierte, und wahrscheinlich wichtigste Frage ist die, ob in der ganzen bekloppten Genderdebatte mit all ihren Auswüchsen das Wesentliche, also die naturgemäße, gewachsene, mithin evolutionäre Bedeutung des Individuums nicht schon wieder komplett im Brei einer irgendwie politisch gearteten, aufoktroyierten Bestimmung breitgetreten wird.

Denn das ist meine Wahrnehmung. Das Individuum ist fehlbar, es diskriminiert, es fällt falsche Entscheidungen, und nur sie, die Politniks und ihr Medientross (getragen und flankiert von akademisch legitimierten Besser- und Anderswissern) haben überhaupt eine Ahnung was gut für uns ist - wir Tölpel!

Wenn ich nun soetwas lesen muss (noch dazu von einer geachteten Kommentatorin), dann stockt bei mir kurz die Peristaltik und ich sehe mich mit einem selbstgebastelten "WARUM?"-Schild vor dem Monitor sitzen:

"Man müsste also Jungs besser, d.h. gezielter fördern. Das können Erzieher nicht in Eigenregie leisten, solange es dazu seitens der Bildungspolitik keine Vorgaben gibt. Wie aber will man das bewerkstelligen, solange das Thema Gender konsequent lächerlich gemacht oder gar als Phänomen negiert wird?

Wann wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass es beim Thema Gender nicht um Streicheleinheiten fürs weibliche Ego geht, sondern dass es z. B. auch für die frühkindliche und spätere Erziehung von Jungen relevant ist und somit für das Selbstbild von Männern. Eine nicht ausreichend gegenderte Erziehung mündet für beide Geschlechter in auffälligem Verhalten, welches den weiteren Lebensweg empfindlich beeinflussen kann.

Aber warum etwas ändern? Ich höre schon die Stimmen: „Zu unserer Zeit gab es auch kein Gender und es ist trotzdem was aus uns geworden.“"

WARUM müssen staatliche Erzieher und Bildungspolitik die Eltern und den gesunden Menschenverstand eigentlich ersetzen? Wer gibt euch das Recht dazu hier einzugreifen? WARUM ist das Verhalten von ungegenderten Jungs eine empfindliche Störung für ihren weiteren Lebensweg? Hat irgendwer eigentlich mal die "betroffenen" Jungs und Mädels gefragt, ob sie überhaupt "gegendert" und "bequotet" werden wollen?

Warum zum Geier meinen "Besserfrauen" und ihre männlichen Politwiesel, dass ihre Gedankenspielchen, welche sich bisher weder im historischen, noch im gesellschaftlichen, noch im wirtschaftlichen Kontext irgendwo als relevant erwiesen haben (sonst wären sie common sense), auch nur irgendein Quentchen Verbesserung für die avisierten Zwangsteilnehmer bedeuten könnte?

Habt ihr sie noch alle? Und, darauf aufsetzend: Sind die Politniks noch ganz dicht, wenn sie Beklopptes in Gesetze meinen gießen zu müssen? Habt ihr alle keinen Respekt mehr vor der Evolution des menschlichen Tuns, oder seid ihr nur zu feige zu sagen, dass der Kaiser nackt ist?

Kommentare:

  1. Werter Calimero,

    da hätte Christine Lüders noch was für Sie:

    Auch die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Christine Lüders, machte sich für eine gesetzliche Frauenquote in Unternehmen stark: „Wir brauchen die Quote, damit endlich einmal eine Frau auf dem Posten von Josef Ackermann Platz nehmen kann“, sagte Lüders dem „Hamburger Abendblatt“. Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg.


    Frauenquoten-Streit nervt Unternehmerinnen

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  2. Liebe Lyllith,

    da die Antidiskriminierungsbeauftragte Lüders damit ja in die gleiche Kerbe haut wie der Verband der deutschen Unternehmerinnen, trifft es sich ja gut, dass dieser Verein sowohl 150 "sofort bereitstehende Frauen" in seiner Datenbank gesammelt hat, als auch der Deutschen Bank partnerschaftlich verbunden ist.

    Da wird sich doch sicher sofort was drehen lassen um Joe Ackermann zurück über die Berge zu schicken, oder?

    Nochmal: Es spricht für mich absolut nichts dagegen, dass eine Frau den Chefsessel der DeuBa (oder jedes anderen Unternehmens) übernimmt. Aber wenn ruchbar wird, dass diese Besetzung aus Quotengründen erfolgen soll, werden die Aktionäre da sicher, und mit Recht was dagegen haben.

    Wenn diese Frau Lüders gleichzeitig auch noch sowas fordert:

    Ich zitiere: ... „flexible Arbeitszeiten, Heimarbeitsplätze für Topmanager und Arbeitgeber, die darauf achten, dass ihre Führungskräfte nach acht Stunden nach Hause gehen“

    Dann ist wirklich fraglich, ob die Quotenverfechterinnen überhaupt eine Ahnung davon haben, was es bedeutet eine Top-Position zu bekleiden.

    Beste Grüße, Calimero

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  3. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn Frau Lüders aufgefallen wäre, dass dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank bereits 6 Frauen (bei 18 Mandaten) angehören und dass die Vorstandsvorsitzende der HRE eine Frau ist.

    Vielleicht ist es ihr ja aufgefallen, sie sah nur keinen Grund es zu erwähnen. Das ist allerdings diskriminierend.

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  4. Hallo Calimero,
    nochmal herzlichen Glückwunsch zum sehr gelungen Blog.

    Zum Thema Frauenquote dieses:
    http://www.studieren-im-netz.org/vor-dem-studium/orientieren/beliebte-studiengaenge

    "
    Männer: Elektrotechnik
    Wieder landet mit 38.765 Elektrotechnik-Studenten im WS 08/09 ein technisch orientierter Studiengang in den Top 10 der Männer. Bei den weiblichen Studierenden kann der Studiengang mit Platz 67 höchstens in die Top 100 aufgenommen werden.
    "

    Da hilft keine Frauenquote. Frauen interessieren sich weder für Elektrotechnik noch Maschinenbau.

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