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Donnerstag, 9. Juni 2011

Von verleidetem Stolz und Trotzreaktionen

Es ist schon ein paar Jahre her. Ich war noch überzeugter SPD-Wähler und glaubte an die soziale Gerechtigkeit, ich war jung und idealistisch, und dachte noch dass der Sozialismus an sich eine gute Idee wäre.
Von der Idee der Freiheit des Individuums und der Skepsis gegenüber zentralistischen Weltbeglückern und politisch korrekten Gesinnungswächtern war ich noch nicht infiziert. Nein, ich hatte darüber sogar noch nie nachgedacht.

Damals hörte ich spät nachts eine Talk-Sendung im Jugendradio in der es darum ging, ob man stolz darauf sein könne ein Deutscher zu sein. Natürlich waren das die weitaus meisten Anrufer nicht, und wenn dann mal doch einer so einen leichten Anflug von Stolz verteidigen wollte, dann wurde er vom Moderator in Staatsanwaltsmanier dazu aufs Peinlichste befragt und von anderen Hörern dafür gerüffelt.

Das Standard-Gegenargument dazu war (in Variationen), dass man nicht auf etwas stolz sein kann wozu man nichts getan hat. Also, dass man für sein Geburtsland und die Nationalität seiner Eltern ja nichts kann, dass es halt Zufall wäre ob man Deutscher sei und überhaupt ist Stolz nur "erlaubt" wenn er auf selbst Erreichtes baut.
Soweit ich mich erinnere kam die Scham über die deutschen Verbrechen des "tausendjährigen Reiches" dabei nur am Rande vor, so als Zweitargument weshalb gerade Deutsche keinen Grund zum Stolz hätten. Diese "Erbsünde" hatte der deutsche Junghörer mit Sicherheit auch (und vor allem) im Hinterkopf, aber man distanzierte sich davon sicherheitshalber schon auf die Weise, dass man sich zu einer Art Volksneutrum erklärte.

Ich fand beides falsch. Natürlich kann man stolz auf etwas sein, was einer "der meinen", oder mein Volk (mit seinen Sekundärtugenden und seinen Macken und Marotten) erreicht hat. Ganz ehrlich - auf was sollte so ein junger Mensch den sonst schon großartig stolz sein? Auf das letzte Zeugnis? Den dritten Platz beim Schulsportfest? Die vom elterlichen Taschengeld bezahlte Schallplattensammlung?

Nö, ich war (und bin) schon stolz darauf, dass unsere Verbrennungsmotoren die Namen Otto, Diesel und Wankel führen, dass Werner von Siemens unsere Stromversorgung und Kommunikationstechnik begründete, Carl Benz das erste Auto baute und deutsche Raketentechniker die Raumfahrt beiderseits des Eisernen Vorhangs prägten.
Viele weitere berühmte Forscher und Erfinder, Dichterfürsten, Mediziner, Philosophen und Musiker tragen deutsche Namen - und ja, da bin ich stolz drauf.

Natürlich blende ich auch nicht die dunklen Seiten aus - auf die Verbrecherfiguren des Dritten Reiches und ihre handelnden Mitläufer würde ich ebenso gern verzichten, wie auf die roten Unterdrücker, die mich selbst in meinen ersten Lebensjahren meinten einsperren zu dürfen.

Aber - nunja - es ist halt ein Gesamtpaket welches man da durch Geburt mit auf den Weg bekommt. Ablehnen kann man es nicht, also heißt es damit zu leben. Im Guten wie im Schlechten.

Wie komme ich jetzt gerade auf dieses Thema?

Zwei Texte, die ich soeben gelesen habe zeigen mir wieder einmal, dass man sehr wohl (und vor allem) Stolz empfinden kann angesichts einer Vergangenheit, die Landsleute von mir erlebt und gestaltet haben, und dass gerade unsere Gegenwart, in der Deutsche meinen alles gut zu machen, mich fremdschämen lässt, mir allen Stolz verleidet und mich sogar zu Trotzreaktionen verleitet.

Der erste Text stammt aus dem schon an anderer Stelle erwähnten Buch Erwin Rosens: "In der Fremdenlegion". Rosen beschreibt dort das Leben und Handeln der Legion anfangs des 20.Jahrhunderts. Es geht um militärische Höchstleistungen, aber auch um den Aufbau der nordafrikanischen Infrastruktur durch die zum größten Teil deutschstämmigen Söldner. Hart kämpfen, hart arbeiten, äußerste Entbehrungen und härteste körperliche Belastungen. Aber durch sie wird auch die ganze Region geprägt und sozusagen zivilisiert. Unter vielen dementsprechenden Geschichten fand ich gestern auch die eines "hängengebliebenen" württembergischen Legionärs, der ein gottverlassenes algerisches Wüstenkaff mit Hilfe seiner nachgereisten Familie in eine Weinbaugegend verwandelte.
Er heiratete ein spanisches Mädel, arbeitete, gedieh und wurde ein wohlhabender Farmer.
Dann kam in diesem alten Legionär ein echt deutscher Zug zum Ausbruch. Er setzte sich hin und schrieb an die Verwandschaft in Württemberg.                                                                
Vielleicht hat er ein bißchen gelogen, ein bißchen übertrieben, wie das Kolonisten gerne tun. Aber da unten in Württemberg waren gerade schlechte Zeiten, und einige junge Leute aus der Verwandschaft, die an der üblichen deutschen Dosis Wandertrieb laborierten, schnürten ihre Bündel und verpflanzten ihre Bauernenergie und ihre ererbten harten Taler nach Algerien. Sie machten es ganz genau so wie ihr Legionärsverwandter. Selbstverständlich nahmen sie sich spanische Frauen. So entstand nach und nach an der Peripherie des alten, trägen, verschlafenen Sidi Lhassen eine deutsche Ansiedlung.
Jener Fremdenlegionär, dieses Mitglieds des Auswurfs der Menschheit, wie die Franzosen die Legionäre zu titulieren beliebten, die ihnen Algerien erkämpft haben und ihnen heute noch Schritt für Schritt das wertvolle Land an der Saharagrenze erschließen, - jener Fremdenlegionär war der Gründer einer deutschen Bauerngemeinde auf algerischem Boden geworden.
Na, lieber Leser? Haben sie das auch mit etwas Wohlgefallen gelesen? Vielleicht mit ein wenig Stolz auf diese Landsleute? Da hat einer einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige gemacht und mit "deutschen Sekundärtugenden" etwas aus dem Boden gestampft, was vorher noch nicht da war.

Und nun der Zweite Text, ein Artikel von Zettel, stellvertretend für viele ähnliche, die des heutigen Deutschen gutmenschliches, "im-Einklang-mit-der-Natur-leben-wollen" illustrieren. Auszug:
Dieses  "Bio ist gut" ist eines der Meme, die sich in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bildeten, als aus den Trümmern der gescheiterten Studentenbewegung unter anderem die - wie man damals sagte - "Müslis" hervorgingen; seltsame Gestalten, die Körner aßen, den selbstgestrickten Pullover schätzten und wieder eine Landwirtschaft wollten, wie sie vor der industriellen Revolution üblich gewesen war.
Stolz sein auf diese Rückwärtsblicker, diese memmenhaften Weichbrötchen, die Angst vor allem haben? Ich habe das an dieser Stelle schon einmal thematisiert, und daran hat sich auch nichts geändert. Dieses Gejammer auf höchstem Niveau, welches auf eben die Fundamente zielt, die dieses Niveau erst ermöglicht haben, ist einfach nur erbärmlich. Das "sich-in-Spleens-ergehen", die Verherrlichung von Bio-Öko-Natürlich-Multikulti-Nachhaltig-Weich-"Gesund"-und-Tolerant ist in seiner Allumfassung nur noch abstoßend.

Ich kann auf "diese Deutschen" nicht mehr stolz sein. Nicht so, wie ich es hier noch teilweise für möglich gehalten habe. Dabei sind es mit Sicherheit nicht "die Deutschen" die mich schaudern machen. Die meisten davon dürften als Individuum noch durchaus zu rationalem Denken und Handeln fähig sein.
Nein, was mich richtig erschüttert, ist die Lemminghaftigkeit, mit der meine Landsleute sich in einen herbeifabulierten "gesellschaftlichen Konsens" ergeben, wenn z.B. Bischöfe Empfehlungen zur Energieversorgung geben sollen und dies dann als politische Handlungsrichtlinie akzeptiert wird.

Ich verstehe diese Deutschen einfach nicht mehr, wenn sie ihre Töchter zur Marine schicken und dies als tollen Beitrag gegen Geschlechterdiskriminierung ansehen, dann aber in kollektives Geheule verfallen, wenn eine Offiziersanwärterin aus der Takelage fällt. Ich bgreife nicht, wieso dauernd dieselben Gestalten in die Parlamente gewählt werden, die unser aller Leben verteuern und mit Ökorichtlinien einschränken.
Beklopptes wird zu Allgemeingut, Hirngespinste zu "gefühlten Risiken". Was war und ist wird schlecht gemacht, was kommen soll ist undurchdacht. Man hat das Gefühl in einem Irrenhaus zu leben, in welchem die Leitung den Sockenschuss hat.

Aber was mich so richtig ärgert, ist das zunehmende Gefühl, dass mich der ganze Schwachsinn in eine Fundamentalopposition drängt, die ich eigentlich grundsätzlich nicht möchte.

Prinzipiell habe ich nämlich gar nichts gegen Feng-Shui und Biolandbau, gegen Windräder und Solaranlagen, gegen Multikulti, Homöopathie und Manager-Yoga. Wer es mag soll es tun, jeder soll so leben wie es ihm Spaß macht. Wer meint, die Sonne und den Wind einfangen zu müssen um damit glücklich zu werden - bitte schön. Wer es gern hat, das seine Gurken nur mit bei Vollmond umgerührtem Kuhmist (dreimal rechtsherum!) gedüngt werden - gern. Wer die Schulmedizin ablehnt und lieber Rad als Auto fährt - so macht es doch!

Aber lasst mich mit euren Spleens in Ruhe! Und, nur weil ihr - gern steuergeldgepäppelt - die Kommunikationshoheit habt, gibt euch das nicht das Recht, ausgehend von eurem "inner circle" einen allgemeinen Konsens abzuleiten und damit den doofen Rest wahlweise zu erziehen, zu kujonieren, zu indoktrinieren oder zu erschrecken.

Ich mag keine Fundamentalopposition, ich möchte mich eigentlich auch nicht an offensichtlichem Scheitern von irren Unternehmungen ergötzen. So aber schleicht sich klammheimlich Freude ein, wenn das Biogemüse gesundheitschädigend ist, wenn eine Biogasanlage in die Luft fliegt, wenn eine Geothermie-Anlage nebst anliegender Häuser in einem Krater versinkt.
Wenn hier erst mal ein landesweiter Blackout in halb Europa die Räder stillstehen lässt werde ich nicht mehr wissen, ob ich mich nun darüber freuen soll weil ich (und viele andere) nun doch recht behalten haben.

Toll, so weit ist es also schon gekommen.

Nein, ich kann wahrlich nicht stolz darauf sein, heutzutage als Angehöriger dieses bekloppten Volkes geboren worden zu sein. Die Leitung opportunistisch oder irre, die Meinungsmacher verblendet, die Leistungsträger sprachlos, der Großteil des Fußvolks im Wahn oder desinteressiert.

Denk' ich an Deutschland in der Nacht, frage ich mich mittlerweile, wohin ich denn gehen könnte, wenn der ganze Mist hier endgültig zusammenklappt.

Freitag, 4. März 2011

Der Backlash kommt

Ich bin kein Prophet und ich überblicke auch nicht alles. Aber ich habe sozusagen Antennen, und diese vibrieren in letzter Zeit immer stärker. Ich werde den Eindruck nicht los, dass der Pott hier bald überkocht.

Es gibt nicht das riesige Empörungsthema, aber es gibt viele Themen, die den Leuten auf der Seele brennen. Und diese Themen kochen in immer kürzeren Abständen immer weiter hoch. Gerade sprengt die pro-Guttenberg Facebookseite alle Mitgliederrekorde, eben waren noch "die Wutbürger" unterwegs und schon bringt der autofahrende Bürger durch E10-Kaufstreik das Biosprit-Konzept unserer Politiker durcheinander, woraufhin die Wirtschaft die Notbremse ziehen muss.

Unsere Soldaten werden in Afghanistan sinnlos verheizt und in der Heimat auch noch mies behandelt. Man stellt ihnen afghanische "Zwangskameraden" an die Seite, denen sie nicht vertrauen, weil die Typen den ganzen Tag nur kiffen und ansonsten auch keinen verlässlichen Eindruck machen. Irgendwann werden dann auch Kameraden von so einem Irren erschossen, aber es gilt weiter busines as usual. Jetzt wird ihnen auch noch das Weihnachtsgeld gekürzt. Bravo!

Aber klar, man muss ja sparen - schließlich wird unser Steuergeld ja für "alle Welt"-Rettungsschirme benötigt. Wir retten alles, weil es ja "alternativlos" ist und machen uns garkeine Vorstellungen mehr, welch enorme Summen da im Spiel sind. Der Euro muss schließlich gerettet werden, weil ohne den Europa angeblich im Krieg versinken würde.

Mal ehrlich, kennt noch irgenjemand einen, der sagen würde "och ja, dies und das ist ja Mist, aber eigentlich bin ich ganz zufrieden mit unserer Regierung"?

Wie viele Mitbürger finden z.B. dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, wie auch unser neuer Innenminister das tut? Wieviele Bürger haben mittlerweile Angst sich in innenstädtischen No-go-Areas zu bewegen? Wieviele Eltern sind verzweifelt auf der Suche nach einer Schule für ihren Nachwuchs, an der er noch normale Lernbedingungen vorfinden könnte?

Jetzt haben wir es mit dem ersten "geglückten" islamistischen Terroranschlag in Deutschland zu tun, aber Politik und Medien kochen die Sache nur auf ganz kleiner Flamme. Könnte es sein, dass die Angst haben, dass morgen die Dönerläden brennen würden? Dass am Schaufenster des türkischen Gemüsehändlers Graffitis auftauchen könnten "Kauft nicht bei Türken"? Hat unsere meinungsbildende Schicht denn schon Angst vor ihrem Volk?

Irgendwo hat jeder von uns schon einen oder mehrere "Empörungsstachel" zu sitzen (frei nach Canetti), und diese Stachel drücken uns, weil keiner von ihnen je gezogen, oder wenigstens der Schmerz gelindert wird. Es kommen nur immer neue Stachel dazu.

Eine finanziell potente Regierung könnte dagegen blaue Pillen verteilen, oder sonstwie für Ablenkung sorgen, aber es ist schlicht kein Geld mehr da für sowas. Unser Geld wird ja in Irland, Griechenland und Brüssel versenkt. Dafür bekommen wir Glühlampenverbote und eine Europäische Wirtschaftsregierung.

Ich weiß nicht, was der Auslöser sein wird, aber irgendwann bricht sich diese gesammelte negative Energie Bahn. Es können steigende Sprit- oder Lebensmittelpreise sein, oder die Erkenntnis, dass selbst die private Altersvorsorge oder Lebensversicherung nicht mehr sicher ist, weil sie in griechischen Staatsanleihen investiert wurde. Vielleicht ist auch nach dem nächsten U-Bahn-Überfall Schluss, oder einem Bandenkrieg kurdisch-libanesischer "Großfamilien" (die zusätzlich noch in Größenordnungen an der Sozialhilfe partizipieren).

Es kann eine Meuterei der Bundeswehr, der Polizei, oder der Lehrer sein. Irgendwo wird der Backlash beginnen und keiner kann vorhersagen was dann genau passieren wird.

Mich erinnert das alles ein wenig an die letzten Monate der DDR. Alle sind sie unzufrieden, so richtig ernst nimmt die Machthaber und die "aktuelle Kamera" sowieso schon lange keiner mehr. Jetzt, um im Bild mit dem überkochenden Pott zu bleiben, bilden sich erste Dampfbläschen. Diese verbinden sich teilweise schon und bilden Dampfblasen. Das Internet machts möglich.

Noch ist der Deckel aus Politik und Medien drauf, aber er fängt schon an zu vibrieren. Und, so richtig schwer ist der Deckel ja nicht mehr. Wieviele politische Schwergewichte sind Angela Merkel in den letzten zwei Jahren schon von der Fahne gegangen? Und durch welche Leichtgewichte wurden sie ersetzt?

Ja, ich bin zornig. Ich will, dass sich hier einiges ändert, denn so kann es nicht weitergehen. Das Land blutet aus. Finanziell, intellektuell, ökonomisch. Statt dagegen anzugehen, wird Symbolpolitik betrieben und werden dekadente Auswüchse kultiviert (Genderkram, Multikulti-Euphorie, Öko-Bohei).

Ich bin aber auch besorgt. Und das sehr. Je länger der Deckel noch krampfhaft auf den Topf gedrückt wird, desto größer wird der Schaden sein, wenn an irgendeiner Stelle seine strukturelle Integrität versagt. Dann erfolgt alles weitere explosionsartig und unkontrolliert. Dann ist nichts mehr vor der Zerstörung sicher.

Ich hoffe, dass ich mich irre und wir den Karren auch noch friedlich aus dem Dreck ziehen können, aber sicher bin ich da weiß Gott nicht mehr.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Skepsis zum neuen Jahr

Schon irre wie die Zeit vergeht. Silvester ist vorbei, ein neues Jahr hat begonnen und schon wieder sind die üblichen Termine und angesetzten Deadlines erkennbar. Man wird sich wieder von Tag zu Tag und Woche zu Woche hangeln, monatliche Fristen einhalten und den Lauf der Jahreszeiten so ganz nebenbei hinnehmen. Eins-zwo-fix steht man wieder auf Start, ist ein Jahr älter geworden und der ganze Rummel geht von vorne los.

So weit, so absehbar - aber wird es in 2011 wieder so werden? Ich habe da so meine Zweifel.

Was kann schon passieren in so einem Jahr? Ist doch alles mehr oder weniger vorhersehbar, oder? Regierungen werden neu gewählt, die eine oder andere Mediensau wird durchs Dorf getrieben, die Arbeitslosenstatistik wird veröffentlich, die EU gibt neue Richtlinien aus und Foodwatch entdeckt Uran im Trinkwasser. Alles wie gehabt, wenn es gut geht.
Okay, es gibt Ereignisse, die nicht vorhersehbar sind und einiges durcheinanderwirbeln können. Der 11.September war soetwas, oder der Zusammenbruch des Ostblocks. Zumindest in meiner Erinnerung waren das die größten Ereignisse.

Wer noch weiter zurückblicken kann, wird vielleicht noch andere relevante Ereignisse der Geschichte als Zeitenwandel ausmachen. Der Vietnam-Krieg, die 68-er Studentenunruhen, die Kuba-Krise, vielleicht die islamische Revolution in Iran ... aber irgendwie ging doch alles weiter wie gewohnt. Im Westen zumindest.

Worauf ich hinaus will, und was ich befürchte, ist hingegen ein Zeitenbruch, ein Epochenwandel. Der letzte dieser Brüche, so wie ich das sehe, geschah wohl zwischen 1914 und 1945. WKI, Oktoberrevolution, WKII, danach Wiederaufbau und stetig steigender Wohlstand unter der führenden Supermacht, den USA.
Nun sehe ich keinen Krieg heraufziehen, der unsere Welt wie wir sie kennen so radikal verändern würde, aber es ist ein Buch über einen wichtigen Zeitabschnitt des 2. Weltkrieges, welches mich zu einem Teilaspekt dieses Textes inspirierte.

Ich lese gerade Antony Beevors "D-Day, Die Schlacht in der Normandie". Diese Schlacht habe ich, wer weiß wie oft, am Computer selbst geschlagen. Mir sind einzelne Orte namentlich bekannt und auch deren Topografie und Charakteristik kenne ich aus der Ego-Shooter Perspektive. Unbekannt hingegen war mir die Denke und die persönlichen Geschichten der damals beteiligten Menschen, die auf den heutigen Leser seltsam vorzeitlich wirkt ... eben wie aus einer anderen Epoche. Unwirklich erscheint mir auch der Zeitraum der Operation (nur einige Monate) wie überhaupt die Zeitspanne des gesamten Krieges. Ein Epochenwandel innerhalb weniger Jahre! Und, das ist noch nicht so lange her. Mein eigener Großvater starb noch an einer Kriegsverletzung und ein Onkel erzählt oft von Flucht und Vertreibung.

Die Lektüre des zweiten Buches liegt schon ein paar Jahre zurück. Vielleicht nur eine Weltkriegs-Zeitspanne?
"Eine Billion Dollar" von Andreas Eschbach war, glaube ich, gar nicht mal so ein guter Schmöker (wahrscheinlich hat Eschbach da auch, wie fast immer, das Ende versaut), aber die Idee war faszinierend und zeigte schön, wie sich Zins und Zinseszins-Rechnung auswirkt.
Kurz aus dem Gedächtnis erbt ein Habenichts eine Billion Dollar, weil ein Vorfahr von ihm ein wenig Geld zurücklegte und einen Anwalt mit der Geldvermehrung betraute. Dies tat er dann auch, seine Nachfahren ebenso, und nach ein paar Jahrhunderten wurde das angewachsene Vermögen nun seiner Bestimmung zugeführt.
Jetzt waren allerdings allein die auflaufenden Zinsen derart gewaltig, dass das Vermögen kaum mehr verringerbar war. Ein Luxusproblem.

Vor einem ähnlichen Problem steht nun anscheinend die (westliche) Welt wie wir sie kennen - nur mit umgedrehtem Vorzeichen. Während vor wenigen Jahren "eine Million" noch eine riesige Summe war, wird seit einiger Zeit nur noch mit Milliarden hantiert. Kann sich noch jemand an die Empörung wegen Hilmar Koppers "Peanuts" erinnern? Damal ging es, glaube ich, um 50 Millionen D-Mark.
Seit 2010 geht es nun nicht mal mehr um Milliarden, sondern um "mehrere 10 Milliarden" (Irland), oder 750 Milliarden (Euro-Rettungsschirm). Kurz danach wurde schon von eventuell nötiger Verdoppelung (im Klartext: 1,5 Billionen) gesprochen, und vorgestern wurde in der Welt erwähnt, dass der geplante Refinanzierungsbedarf Europas (also das Bezahlen alter Schulden mit neuen Schulden) sich im Jahr 2011 auf 40% mehr als in 2010 belaufen wird. Wieder Klartext: Es geht um 2,4 Billionen Euro!
Ja nun ... wer über Jahre hinweg Schulden auf Schulden türmt wird irgendwann vom Zinseszins-Effekt erschlagen. Da ist dann nichts mehr zurückzuzahlen, da kommt die Insolvenz. Wer soll denn noch was leihen, und wenn ja, zu welchem Zinssatz? Und wenn nichts mehr geht, kommt dann das Inkasso Team Moskau oder irgendwelche Typen, die den Staatschefs die Beine brechen? Wohl eher nicht.

Jetzt springen die Zentralbanken ein, oder der IWF oder sonstwer. Nur, die haben ja im eigentlichen Sinne auch kein Geld sondern sind lediglich Konstrukte ebenjener Staaten die nun gerade bis über beide Ohren verschuldet sind.
Okay, es geht nur um Einsen und Nullen auf Computerbildschirmen, aber diese tauchen dann halt auch irgendwann mal in der Realwirtschaft auf. So eine Hilfs- oder Rettungsmilliarde verschwindet ja nicht einfach, sondern begleicht Forderungen des ursprünglichen Verleihers, der sein Geld natürlich auch wieder investieren möchte. Er kauft zum Beispiel Rohöl billig ein, weil er denkt, dass der Ölpreis steigen wird. Und er wird steigen, wenn nur genug Leute genug Geld haben um eben Rohöl zu kaufen. Bei Nahrungsmitteln dito.

Es kommt zur Inflation.

Und dieses mal wird es nicht die gemächliche Inflation sein, in der das Brötchen halt nach 5 Jahren nicht mehr 15 sondern 20 Cent kostet ... nö, ich befürchte, dass die Sache anfängt zu rennen, nein, zu galoppieren. Hyperinflation also, wie in der Weimarer Republik, oder derzeit in Simbabwe zu besichtigen.
Nun könnte man sagen okay, ist alles schon mal dagewesen, es wird schon irgendwie gehen. Aber der Unterschied zu früheren Inflationen ist der, das immer irgendwo ein Rettungsanker war. Seien es irgendwelche Goldreserven, oder wenigstens der Dollar des Hegemons USA. Irgendwas war so stabil, dass man sich vielleicht nicht schnell wieder hochziehen, aber wenigstens doch festhalten konnte.

Tja, jetzt rutschen aber auch die USA ab. Die Federal Reserve Bank druckt Dollars ohne Ende, die Staatsschuld liegt irgendwo im zweistelligen Billionenbereich (europäische Billionen!) und die US-Bürger gehen reihenweise überschuldet pleite. Wo soll da noch ein Halt sein, ausgerechnet für die Staaten der Europäischen Schuldenunion?