Posts mit dem Label Deutschland zum Schämen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Deutschland zum Schämen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 31. März 2012

Eklat im Sicherheitsrat

Die dringend notwendige Intervention von UNO-Hilfstruppen nach dem weltweiten Zusammenbruch des pleite gegangenen Huppsi-Marktes wurde heute durch ein Veto des südgermanischen Freistaats Bavaria verhindert. Die marktradikale Splitterpartei FDP, auf deren Unterstützung der erzkonservative Machthaber Bavarias, Seehofer, derzeit in seiner Regierung angewiesen ist, habe sich dem Verlauten nach, vehement gegen das sofortige Eingreifen der Vereinten Nationen gesperrt.

Die Regierungen progressiver Länder wie Espedenien, Grünistan und Rotfrontien zeigten sich daraufhin bestürzt und zutiefst erschüttert. Sie hatten zuvor eine gemeinsame Resolution in den Sicherheitsrat eingebracht, die die Vereinten Nationen ermächtigen sollte UN-Hilfstruppen in die durch die Katastrophe verheerten Gebiete zu entsenden.

Fassungslos reagierte auch die Nichtregierungsorganisationen Verdi, ob des bajuwarischen Vetos. Der globale Zusammenbruch der Strukturen des Huppsi-Marktes sei eine Katastrophe biblischen Ausmaßes, ließen führende Vertreter der NGO verlautbaren. In den betroffenen Gebieten herrschten Angst und Chaos, vor allem Frauen und Kinder alleinerziehender Mütter irrten verwirrt und schutzlos durch die verwüsteten Landstriche. Wasser und Nahrungsmittel würden demnächst zur Neige gehen, erste Berichte über Plünderungen wurden schon via Twitter und facebook verbreitet.
Außerdem würde mit jedem nutzlos verstrichenen Tag der Ausbruch von Seuchen wie Cholera und Durchfallerkrankungen wahrscheinlicher, hieß es von Seiten der Menscherechtsorganisation.

Ein sofortiges Eingreifen sei alternativlos, und dass ausgerechnet eine radikale Minderheitenpartei, deren Politik selbst in Bavaria selbst von 95 Prozent der Einwohner abgelehnt würde, die dringend notwendige Katastrophennothilfe zu Fall brächte, sei eine Schande für die Weltgemeinschaft - so Espedeniens Kriseninterventionsbeauftrageter Nils Schmid auf CNN.

-Break-

Ja okay, ganz so dramatisch war es dann doch nicht, was mir heute so alles an hyperventilierender Empörung geboten wurde, aber nah dran auf jeden Fall.

Schlecker ist pleite. Warum? Weil wohl kaum noch jemand dort eingekauft hat, schätze ich mal. Kleine, ranzige Lädchen mit nur teilgefüllten Regalen, am Laufen gehalten von Mitarbeiterinnen, die dort anscheinend in sklavenartigen Verhältnissen gehalten wurden. Mies bezahlt, mies behandelt und mit zuwenig Zeit für Kunden und Waren gleichzeitig. Eigentlich sollten alle erleichtert sein, dass "der Ausbeuter" weg ist vom Markt.

Blöderweise ist so eine Firmenpleite nicht nur damit abgetan, dass da jetzt eine Verkaufsfläche und ein Klingelschild frei werden. Da werden dann halt auch die Mitarbeiter nicht mehr benötigt, hier die früher ausgebeuteten Arbeitssklaven - jetzt "Schlecker-Frauen" genannt.
Was im Normalfall keinen Außenstehenden juckt - allenfalls den Bürgermeister, wenn eine große ortsansässige Firma die Tore schließt - wird hier nun zum Bundespolitikum. Die Magie der großen Zahlen macht die Staatsinterventionisten rappelig im Kopf - da will jeder schnell "was tun".

Ja, 10000 (1000 MA hatten schon von selbst gekündigt) ist eine Hausnummer - sicher - aber es ist halt "nur" 10000 mal ein Einzelschicksal, wie es jeden Tag irgendwo in Deutschland passiert. Es ist ja nicht so, dass da plötzlich der Hauptarbeitgeber einer Stadt die Tore schließt und diese nun zum Slum verkommen müsste.

So, und wer sind nun diese "Schlecker-Frauen", von denen es bestimmt in jeder größeren Stadt ein paar gibt? Sind die irgendwie zu blöd für jeden anderen Job, laufen die nur auf dem Schlecker-Betriebssystem und sind ansonsten unbrauchbar?
Ich meine, zu teuer werden sie ja nicht sein, wenn man den früheren Berichten aus der Drogeriehölle Glauben schenken darf - also warum in Gottes Namen sollten ausgerechnet diese ehemaligen Drogerie-Angestellten nun einer staatlich und gewerkschaftlich organisierten Sonderhilfe bedürfen? Also mehr Hilfe, als sie allen anderen in einem ähnlichen Fall zusteht? Warum reicht da das Arbeitsamt nicht aus, wie für jeden anderen auch?

Ist die Bundesagentur für Arbeit eventuell unfähig Einzelhandelsmitarbeiterinnen an den Einzelhandel zu vermitteln? Ich meine, der sucht ja durchaus Arbeitskräfte - hier hängen z.B. in fast jedem Laden "Mitarbeiter gesucht"-Schilder.
Ob eine Verkaufsfachkraft nun Drogerieartikel verkauft, oder vielleicht Lebensmittel, Tabakwaren, Brötchen oder Schuhe - ist das nicht egal? Warum sollen Schlecker-Ehemalige nichts neues finden? Eventuell ist es ja sogar endlich der Ansporn sich einen Arbeitgeber zu suchen, der einen nicht ausbeutet? Die Chance für so manche, die sich früher einfach nicht dazu durchringen konnte?

Aber vielleicht ist es ja wirklich so, wie der putzige Schreiberling der Süddeutschen in seinem völlig bescheuerten Kommentar "Unfähig, kalt, liberal" meint:
"...Wirtschaftsminister Philipp Rösler verweist auf die pauschal ansehnliche Stellenlage im Handel - als ob man einer Verkäuferin aus Detmold den Umzug nach Darmstadt zumuten könnte."
Wahrscheinlich gibts in Detmold keine weiteren Einzelhändler. Kann ja sein. Eventuell ist der nächste Jobanbieter 10 Kilometer weiter weg als die alte Schlecker-Filiale, was sich eine Verkäuferin bei den Spritpreisen einfach nicht mehr leisten kann.
Vielleicht könnte eine staatlich geförderte Auffanggesellschaft sie zu einer noch besseren Floristin umschulen, als es das Arbeitsamt eh tun würde, und sie könnte sich dann einen näheren Blumenladen aussuchen - kann ja alles sein. Nur glaube ich das nicht. Und ich glaube auch nicht, dass eine aus der Hüfte geschossene Staatsaktion mittelfristig irgend etwas für die Betroffenen verbessern würde.

Und außerdem glaube ich nicht, dass es keine Schlecker-Männer gibt (Lagerarbeiter, LKW-Kutscher, Bürohengste). Allein, dass diese bei der tränendrüsendrückenden Show hechelatmiger Betroffenheitsdarsteller komplett ausgeblendet werden, zeigt, dass es eben nur um die Außendarstellung der selbsternannten und nun leider durch die FDP verhinderten "Wirtunwasse" geht.

Das erbärmliche Warmluftgebläse Winfried Kretschmann hat sich hier beispielhaft geäußert:
"Man kann doch diesen Frauen nicht einfach die kalte Schulter zeigen", sagte Grünen-Politiker Kretschmann am Freitag in der ARD. Die "ordnungspolitischen Dogmatiker" der FDP seien Schuld daran, dass den Frauen nun die Arbeitslosigkeit drohe. Es bleibe abzuwarten, wie die Wähler mit den Liberalen umgingen, sagte er."
Die fiesen "Dogmatiker der Ordnungspolitik" haben uns die Tour versaut. Dabei hätten wir doch so schön medienwirksam "was tun" können! (Ist ja nicht unser Geld.)
Und aus Rache schreckt er nicht mal vor offenkundigen Lügen und Halbwahrheiten zurück. Die FDP sei Schuld daran, dass "den Frauen die Arbeitslosigkeit droht"? Sorry, den Frauen wurde gekündigt, die sind schon arbeitslos. Die Männer übrigens auch, aber die wirken wohl nicht so mitleidserweckend.

Und was zum Geier hat die FDP damit zu tun? Was überhaupt die Politik?

Mal sehen, wie die Wähler mit den Liberalen nun umgehen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Großteil der denkenden Menschen diese Konsequenz honoriert. Bis jetzt findet ja sogar die Mehrheit im SpOn-Voting dass die liberale Notbremse richtig war.
Und wer weiß - wenn das nicht nur eine Eintagsfliege gewesen sein sollte, gewinnt man eventuell sogar wieder ein paar Wähler zurück.

Es wäre zu wünschen. Sowohl dass dies kein Zufallstreffer war, als auch, dass genau soetwas gewählt wird.

Freitag, 15. Juli 2011

Demokratie-Vertreter

"Guten Morgen, ich komme vom Staat und würde ihnen gern etwas über die Demokratie erzählen."

So ungefähr stelle ich mir den von der Baden-Württembergischen Landeszentrale für politische Bildung geplanten "Bildungsüberfall" im Freiburger Stadtteil Weingarten vor. Oder so: "Ich komme vom Ministerium für Volksbildung, und habe hier interessante Informationen für sie als Staatsbürger."
Wie auch immer, - man denkt da an die Zeugen Jehovas des Staates, oder an penetrante Staubsauger- Demokratie-Vertreter. Typen jedenfalls, die man nicht früh um sechs (zuerst hieß es sogar noch früh um fünf), oder eigentlich gar nie vor seiner Haustür sehen möchte.

Warum machen die das? Können die sich nicht vorstellen, dass solch ungebetener Besuch nicht unbedingt auf Gegenliebe und freudigen Beifall treffen wird?

Vielleicht sind sie so verblendet, dass sie sich gar nicht vorstellen können, dass ihr anzupreisendes "Produkt" nicht nur lediglich mehr Haustürwerbung, sondern einfach mehr Qualität nötig hat. Denn - die Demokratie als solche wird ja wohl kaum abgelehnt, lediglich das was wir täglich unter diesem Markennamen präsentiert bekommen ist anscheinend nicht mehr dazu geeignet noch enthusiastische Fans zu gewinnen.

Darum geht es da wohl auch. Der Vorteil der Demokratie ist es, dass morgens in der Frühe kein finsterer Staatsscherge Sturm klingelt, sondern lediglich der Milchmann. So hat es, laut BZ, jedenfalls Churchill ausgedrückt.
Okay, dieses Zitat Sir Winstons kannte ich bis dato auch nicht, und den meisten Weingartenern dürfte es damit ähnlich gehen. Gewinnen die jetzt etwas, wenn ihnen ein LZpB-Beamter freudestrahlend ein "informatives Frühstückspaket" und 'ne Tüte Frischmilch überreicht? Ein Vollkornbrot mit Magerquark und Gurkenscheiben, sowie 'nen Apfel und ein Tütchen Müsli (nebst Infomaterial) höchstwahrscheinlich?

Sagen wir mal so, ich wäre an ihrer Stelle wohl nur mäßig enthusiasmiert. Selbst wenn mir der freundliche Staats-Hausierer das mit Churchill erklären würde.
Obwohl, als Freiburger wäre ich vielleicht sogar erleichtert, dass es (noch) nicht der Öko-Sheriff ist, der die ordnungsgemäße Mülltrennung und die Standby-Abschaltung kontrolliert, sowie die "Stromfresser" in der Wohnung durchzählen möchte. Davon sind sie ja nicht weit entfernt, im grün-alternativen Studentenstädtchen.

Churchill stellte sich die Anwesenheit von Demokratie also noch so vor, dass sie mit Abwesenheit von Geheimpolizisten glänzte. Fein.
Ich bin ja selbst in der Diktatur des Proletariats aufgewachsen, und kannte das so auch nicht. Bei mir (vielmehr meinen Eltern) standen nur einmal zwei Volkspolizisten auf Mopeds Marke "Schwalbe" vor der Tür, weil auf einem Feld in der Nähe, des nächtens ein LPG eigener Aufenthaltscontainer für landwirtschaftliche Werktätige dem Vandalismus zum Opfer gefallen war, dies als Zerstörung von Volkseigentum ein kapitales Verbrechen bedeutete, und irgendwelche nicht genannten Nachbarn angeblich Klein Calimero und einen Freund dort in der Nähe gesehen haben wollten. (Ich war natürlich unschuldig!)

Also diese Vorstellung des früh an die Tür wummernden Staatsbüttelkommandos, welche mir schon fremd ist, soll nun die Weingartener den Verheißungen der Demokratie in die Arme treiben.
Warum trifft es ausgerechnet die? Weil sie "eine geringe Wahlbeteiligung an den Tag legen", und sich "der Politik gegenüber distanziert verhalten", erfahren wir. Klar, da muss jetzt die Volksbildung ran, da hat der Staat wohl ein Aufklärungsdefizit.

Nur ... eben war noch von Demokratie die Rede, jetzt geht es auf einmal um Distanz zur Politik. Und das bedeutet in unserer Parteiendemokratie übersetzt, dass die Bürger dort anscheinend die Parteien nicht genug unterstützen.
Ich habe mir das hier jetzt mal angeguckt. Weingarten ist übrigens Wahlkreis 660.

Nuja, so richtig doll ist es da nicht mit der Wahlbeteiligung. Nicht mal die Hälfte der Bürger hat dort Interesse am Urnengang, aber die die wählen gehen, tun das auch nicht besonders extremistisch (na ja, 17,9% für die Linke und 10% für FDP und Grüne). Was solls? Ist doch woanders ähnlich. Jedenfalls sehe ich keinen Grund für einen Bildungsüberfall durch die staatlichen Politbildungsbeamten.

Vielleicht sind die nichtwählenden Weingartener ja immer zufrieden mit ihren jeweils fremdbestimmten Regenten? Glaube ich nicht.
Vielleicht haben sie mit ihrer Stimme nie etwas wirklich Zufriedenstellendes bewegen können? Schon eher.
Vielleicht gibt die Menükarte des Parteienangebots auch einfach nichts her, was man unbedingt wählen möchte? Wer hat schon gern die Wahl zwischen Scylla und Charybdis?

Aber vielleicht liegt es auch einfach daran?
"Weltweit ist Deutschland die einzige Demokratie, in der von den drei Staatsgewalten (Parlament, Regierung, Gerichte) keine einzige durch das Volk allein bestimmt wird. In der EU sind die Deutschen die einzigen, die noch kein nationales Referendum hatten. Die Bürger aller EU-Staaten haben bereits mehr Kompetenzen zur politischen Mitbestimmung, als die Deutschen. Dies ist ein erhebliches Defizit in unserem Staat und führt zwangsläufig zu Frust und Politikverdrossenheit."
Darüber sollte man auf der politischen Ebene mal nachdenken. Nicht nur in Freiburg und Baden-Württemberg, sondern in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Leute interessieren sich sehr für Politik, denn diese betrifft uns schließlich alle. Aber viele, wie auch ich, sehen mittlerweile keinen Sinn mehr darin, zur Wahl zu gehen um anschließend die Balkendiagramme der fünf Austauschparteien wachsen zu sehen.
Egal ob 30, 50 oder 80 Prozent Wahlbeteiligung erreicht werden, diese 5 Kartellparteien stellen Regierung und Opposition. Informell vereinigt unter dem Label der Grünen Einheitspartei Deutschlands bringen diese auch noch vor allem ihre vorher ausgeklüngelten Listenkandidaten in die Parlamente. Ja, hat man da noch eine Wahl?

Und, wenn inzwischen 80 Prozent der Gesetze vom demokratisch unlegitimierten Über-Kartell EU kommen ... hat dann die eigene Einzelstimme überhaupt noch irgend einen Wert?

Demokratie heißt ja angeblich Volksherrschaft, aber vom Volk selbst sieht man in den Parlamenten nichts. Direkt gefragt wird es auch nicht, das Volk. Die EU macht, was die Parteien-Machtkartelle vorgeben, die Regierung macht was Greenpeace und die Leitmedien wollen, selbst wenn mal die favorisierte Koalition an die Macht kommt ist nicht garantiert, dass sie auch ihre Wahlversprechen angeht ... ey, hallo?

Gibt es da nicht eventuell erst mal ein paar grundlegende Defitzite, die man beseitigen müsste um die Politikverdrossenheit auszutreiben? Bevor man auf die Idee kommt arglosen Bürgern morgens mit einem Bildungs-Frühstückspaket (und 'ner Tüte Milch) aufzulauern?

Sie kapieren es nicht!

Donnerstag, 9. Juni 2011

Von verleidetem Stolz und Trotzreaktionen

Es ist schon ein paar Jahre her. Ich war noch überzeugter SPD-Wähler und glaubte an die soziale Gerechtigkeit, ich war jung und idealistisch, und dachte noch dass der Sozialismus an sich eine gute Idee wäre.
Von der Idee der Freiheit des Individuums und der Skepsis gegenüber zentralistischen Weltbeglückern und politisch korrekten Gesinnungswächtern war ich noch nicht infiziert. Nein, ich hatte darüber sogar noch nie nachgedacht.

Damals hörte ich spät nachts eine Talk-Sendung im Jugendradio in der es darum ging, ob man stolz darauf sein könne ein Deutscher zu sein. Natürlich waren das die weitaus meisten Anrufer nicht, und wenn dann mal doch einer so einen leichten Anflug von Stolz verteidigen wollte, dann wurde er vom Moderator in Staatsanwaltsmanier dazu aufs Peinlichste befragt und von anderen Hörern dafür gerüffelt.

Das Standard-Gegenargument dazu war (in Variationen), dass man nicht auf etwas stolz sein kann wozu man nichts getan hat. Also, dass man für sein Geburtsland und die Nationalität seiner Eltern ja nichts kann, dass es halt Zufall wäre ob man Deutscher sei und überhaupt ist Stolz nur "erlaubt" wenn er auf selbst Erreichtes baut.
Soweit ich mich erinnere kam die Scham über die deutschen Verbrechen des "tausendjährigen Reiches" dabei nur am Rande vor, so als Zweitargument weshalb gerade Deutsche keinen Grund zum Stolz hätten. Diese "Erbsünde" hatte der deutsche Junghörer mit Sicherheit auch (und vor allem) im Hinterkopf, aber man distanzierte sich davon sicherheitshalber schon auf die Weise, dass man sich zu einer Art Volksneutrum erklärte.

Ich fand beides falsch. Natürlich kann man stolz auf etwas sein, was einer "der meinen", oder mein Volk (mit seinen Sekundärtugenden und seinen Macken und Marotten) erreicht hat. Ganz ehrlich - auf was sollte so ein junger Mensch den sonst schon großartig stolz sein? Auf das letzte Zeugnis? Den dritten Platz beim Schulsportfest? Die vom elterlichen Taschengeld bezahlte Schallplattensammlung?

Nö, ich war (und bin) schon stolz darauf, dass unsere Verbrennungsmotoren die Namen Otto, Diesel und Wankel führen, dass Werner von Siemens unsere Stromversorgung und Kommunikationstechnik begründete, Carl Benz das erste Auto baute und deutsche Raketentechniker die Raumfahrt beiderseits des Eisernen Vorhangs prägten.
Viele weitere berühmte Forscher und Erfinder, Dichterfürsten, Mediziner, Philosophen und Musiker tragen deutsche Namen - und ja, da bin ich stolz drauf.

Natürlich blende ich auch nicht die dunklen Seiten aus - auf die Verbrecherfiguren des Dritten Reiches und ihre handelnden Mitläufer würde ich ebenso gern verzichten, wie auf die roten Unterdrücker, die mich selbst in meinen ersten Lebensjahren meinten einsperren zu dürfen.

Aber - nunja - es ist halt ein Gesamtpaket welches man da durch Geburt mit auf den Weg bekommt. Ablehnen kann man es nicht, also heißt es damit zu leben. Im Guten wie im Schlechten.

Wie komme ich jetzt gerade auf dieses Thema?

Zwei Texte, die ich soeben gelesen habe zeigen mir wieder einmal, dass man sehr wohl (und vor allem) Stolz empfinden kann angesichts einer Vergangenheit, die Landsleute von mir erlebt und gestaltet haben, und dass gerade unsere Gegenwart, in der Deutsche meinen alles gut zu machen, mich fremdschämen lässt, mir allen Stolz verleidet und mich sogar zu Trotzreaktionen verleitet.

Der erste Text stammt aus dem schon an anderer Stelle erwähnten Buch Erwin Rosens: "In der Fremdenlegion". Rosen beschreibt dort das Leben und Handeln der Legion anfangs des 20.Jahrhunderts. Es geht um militärische Höchstleistungen, aber auch um den Aufbau der nordafrikanischen Infrastruktur durch die zum größten Teil deutschstämmigen Söldner. Hart kämpfen, hart arbeiten, äußerste Entbehrungen und härteste körperliche Belastungen. Aber durch sie wird auch die ganze Region geprägt und sozusagen zivilisiert. Unter vielen dementsprechenden Geschichten fand ich gestern auch die eines "hängengebliebenen" württembergischen Legionärs, der ein gottverlassenes algerisches Wüstenkaff mit Hilfe seiner nachgereisten Familie in eine Weinbaugegend verwandelte.
Er heiratete ein spanisches Mädel, arbeitete, gedieh und wurde ein wohlhabender Farmer.
Dann kam in diesem alten Legionär ein echt deutscher Zug zum Ausbruch. Er setzte sich hin und schrieb an die Verwandschaft in Württemberg.                                                                
Vielleicht hat er ein bißchen gelogen, ein bißchen übertrieben, wie das Kolonisten gerne tun. Aber da unten in Württemberg waren gerade schlechte Zeiten, und einige junge Leute aus der Verwandschaft, die an der üblichen deutschen Dosis Wandertrieb laborierten, schnürten ihre Bündel und verpflanzten ihre Bauernenergie und ihre ererbten harten Taler nach Algerien. Sie machten es ganz genau so wie ihr Legionärsverwandter. Selbstverständlich nahmen sie sich spanische Frauen. So entstand nach und nach an der Peripherie des alten, trägen, verschlafenen Sidi Lhassen eine deutsche Ansiedlung.
Jener Fremdenlegionär, dieses Mitglieds des Auswurfs der Menschheit, wie die Franzosen die Legionäre zu titulieren beliebten, die ihnen Algerien erkämpft haben und ihnen heute noch Schritt für Schritt das wertvolle Land an der Saharagrenze erschließen, - jener Fremdenlegionär war der Gründer einer deutschen Bauerngemeinde auf algerischem Boden geworden.
Na, lieber Leser? Haben sie das auch mit etwas Wohlgefallen gelesen? Vielleicht mit ein wenig Stolz auf diese Landsleute? Da hat einer einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige gemacht und mit "deutschen Sekundärtugenden" etwas aus dem Boden gestampft, was vorher noch nicht da war.

Und nun der Zweite Text, ein Artikel von Zettel, stellvertretend für viele ähnliche, die des heutigen Deutschen gutmenschliches, "im-Einklang-mit-der-Natur-leben-wollen" illustrieren. Auszug:
Dieses  "Bio ist gut" ist eines der Meme, die sich in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bildeten, als aus den Trümmern der gescheiterten Studentenbewegung unter anderem die - wie man damals sagte - "Müslis" hervorgingen; seltsame Gestalten, die Körner aßen, den selbstgestrickten Pullover schätzten und wieder eine Landwirtschaft wollten, wie sie vor der industriellen Revolution üblich gewesen war.
Stolz sein auf diese Rückwärtsblicker, diese memmenhaften Weichbrötchen, die Angst vor allem haben? Ich habe das an dieser Stelle schon einmal thematisiert, und daran hat sich auch nichts geändert. Dieses Gejammer auf höchstem Niveau, welches auf eben die Fundamente zielt, die dieses Niveau erst ermöglicht haben, ist einfach nur erbärmlich. Das "sich-in-Spleens-ergehen", die Verherrlichung von Bio-Öko-Natürlich-Multikulti-Nachhaltig-Weich-"Gesund"-und-Tolerant ist in seiner Allumfassung nur noch abstoßend.

Ich kann auf "diese Deutschen" nicht mehr stolz sein. Nicht so, wie ich es hier noch teilweise für möglich gehalten habe. Dabei sind es mit Sicherheit nicht "die Deutschen" die mich schaudern machen. Die meisten davon dürften als Individuum noch durchaus zu rationalem Denken und Handeln fähig sein.
Nein, was mich richtig erschüttert, ist die Lemminghaftigkeit, mit der meine Landsleute sich in einen herbeifabulierten "gesellschaftlichen Konsens" ergeben, wenn z.B. Bischöfe Empfehlungen zur Energieversorgung geben sollen und dies dann als politische Handlungsrichtlinie akzeptiert wird.

Ich verstehe diese Deutschen einfach nicht mehr, wenn sie ihre Töchter zur Marine schicken und dies als tollen Beitrag gegen Geschlechterdiskriminierung ansehen, dann aber in kollektives Geheule verfallen, wenn eine Offiziersanwärterin aus der Takelage fällt. Ich bgreife nicht, wieso dauernd dieselben Gestalten in die Parlamente gewählt werden, die unser aller Leben verteuern und mit Ökorichtlinien einschränken.
Beklopptes wird zu Allgemeingut, Hirngespinste zu "gefühlten Risiken". Was war und ist wird schlecht gemacht, was kommen soll ist undurchdacht. Man hat das Gefühl in einem Irrenhaus zu leben, in welchem die Leitung den Sockenschuss hat.

Aber was mich so richtig ärgert, ist das zunehmende Gefühl, dass mich der ganze Schwachsinn in eine Fundamentalopposition drängt, die ich eigentlich grundsätzlich nicht möchte.

Prinzipiell habe ich nämlich gar nichts gegen Feng-Shui und Biolandbau, gegen Windräder und Solaranlagen, gegen Multikulti, Homöopathie und Manager-Yoga. Wer es mag soll es tun, jeder soll so leben wie es ihm Spaß macht. Wer meint, die Sonne und den Wind einfangen zu müssen um damit glücklich zu werden - bitte schön. Wer es gern hat, das seine Gurken nur mit bei Vollmond umgerührtem Kuhmist (dreimal rechtsherum!) gedüngt werden - gern. Wer die Schulmedizin ablehnt und lieber Rad als Auto fährt - so macht es doch!

Aber lasst mich mit euren Spleens in Ruhe! Und, nur weil ihr - gern steuergeldgepäppelt - die Kommunikationshoheit habt, gibt euch das nicht das Recht, ausgehend von eurem "inner circle" einen allgemeinen Konsens abzuleiten und damit den doofen Rest wahlweise zu erziehen, zu kujonieren, zu indoktrinieren oder zu erschrecken.

Ich mag keine Fundamentalopposition, ich möchte mich eigentlich auch nicht an offensichtlichem Scheitern von irren Unternehmungen ergötzen. So aber schleicht sich klammheimlich Freude ein, wenn das Biogemüse gesundheitschädigend ist, wenn eine Biogasanlage in die Luft fliegt, wenn eine Geothermie-Anlage nebst anliegender Häuser in einem Krater versinkt.
Wenn hier erst mal ein landesweiter Blackout in halb Europa die Räder stillstehen lässt werde ich nicht mehr wissen, ob ich mich nun darüber freuen soll weil ich (und viele andere) nun doch recht behalten haben.

Toll, so weit ist es also schon gekommen.

Nein, ich kann wahrlich nicht stolz darauf sein, heutzutage als Angehöriger dieses bekloppten Volkes geboren worden zu sein. Die Leitung opportunistisch oder irre, die Meinungsmacher verblendet, die Leistungsträger sprachlos, der Großteil des Fußvolks im Wahn oder desinteressiert.

Denk' ich an Deutschland in der Nacht, frage ich mich mittlerweile, wohin ich denn gehen könnte, wenn der ganze Mist hier endgültig zusammenklappt.

Donnerstag, 24. März 2011

Gehören Klotüren jetzt verboten?

(Vor dem Lesen bitte den Nachtrag beachten!)

Da wird also in Berlin ein Junge verprügelt. Krankenhausreif. Naja, kommt ja öfters vor in letzter Zeit. Vor allem, wenn gleich zwanzig "Jugendliche" über einen herfallen, dann kann das schonmal hart sein.
Da gab es also mächtig Ärger für den Jungen, und das nur, weil ein von ihm arrangiertes Streitgespräch gescheitert ist.
Kennt man ja. Wenn ein klärendes Konfliktgespräch eskaliert, wird daraus schnell mal ein Streitgespräch, und dann kann es laut werden, und dann ... naja, gibts halt von zwanzig Mann was auf die Glocke. Sowas ist nicht schön, wirklich nicht. Vor allem, weil der Junge doch nur seine Freundin gegen böse Cybermobber verteidigen wollte.

Folgerichtig erregte sich gestern im Radio eine Cybermobbing-Expertin  über die Gefahren dieser Beleidigungsseiten im Internet. Das wäre alles ganz schlimm, und da wären die Behörden gefragt, denn sowas gehört verboten, weil man sieht ja wohin das führt, nicht wahr? Zwanzig gegen einen! Wo der doch nur einen Streit seiner Freundin mit ihren Mobberinnen schlichten wollte. Alles nur wegen dieser Internetseite! Die muss natürlich sofort abgeschaltet werden!

Finden ja auch die Eltern und interviewte Schüler. Alles furchtbar, weil anonym. Man kennt ja seinen Beleidiger nicht namentlich.

Hm. Nun denke ich ja, dass dieses Problem schon bestand, bevor jemand das Wort Mobbing erfunden hat. Kann sein, dass schon die Germanen abseits des Langhauses über abwesende Mitgermanen gelästert, oder römische Legionäre auch mal "Sixtus ist doof" in die Latrinenwand geritzt haben. Das war ja auch anonym, genauso wie die Kritzeleien an den Wänden öffentlicher Toiletten heutzutage.

Bringt denn nun echt das Internet, oder sogar nur "spezielle Seiten" darin, die Leute zum durchdrehen? Würde es was bringen irgendeine Website abzuschalten, wo doch täglich irgendeine neue geschaltet werden kann? Brauchen wir jetzt eine Anti-Mobbing-Internetpolizei? Warum war es bisher nicht notwendig Sitzkeramik-Umhausungen zu verbieten?

Vielleicht hilft es, sich diesen vorangegangenen Mobbing-Multilog mal in Teilen zu Gemüte zu führen. Bei Kewil hat dankenswerterweise ein Kommentator diesen gesichert. Der ganze Text ist mir zu lang, aber vielleicht kann ich ja irgendwie konstruieren, wie es zur Eskalation kam.

Berlin -> Neukölln -> Neukölln -> Kurt-Löwenstein-Schule 19.03.2011 12:46:45
"wallah diese schule is die grössssste nuttttttten schule der menschheitttt ich fick allllllllllllle die libanesinen dort nutttten die türken nuttten die plos naja plos einfach king ihr wisst aba wallah alles nuttttten lehrer nutten richtige puff schule libanese fickt seine eigene landsfrau dreckige chahrour scheisse ihr ich fick eure toten und euren opa diesen fix"
Ähm ... ist das jetzt dieses Kiezdeutsch, welches nach Ansicht der Wissenschaftlerin Heike Wiese unsere Sprache voranbringen kann?
Ich versuche mich jetzt mal daran, diese anscheinend sehr emotionale Ansprache zu verstehen:

Da ist anscheinend jemand mit der Gesamtsituation an seiner Schule nicht zufrieden. Er goutiert wohl nicht, dass er von vielen sexuell freizügigen weiblichen Personen umgeben ist. Vielleicht möchte er ja insgeheim mit ihnen allen kopulieren und kommt nicht zum Zuge? Wenn ich das richtig verstehe, sieht er sich als Mitglied der "plos", woraus ich einfach mal PLO konstruiere und auf einen palästinensischstämmigen Jugendlichen tippe. Als solcher scheint er es nicht gutzuheißen, dass ein libanesischstämmiger Junge ein sexuelles Verhältnis zu einer "Landsfrau" unterhält.
Das bringt ihn so in Rage, dass er seine angestauten Energien sogar auf nekrophile und gerontophil-homosexuelle Weise abreagieren möchte. Erstaunlich!

Dies scheint nun einen Kommentator/eine Kommentatorin zu einer Antwort zu veranlassen. Ist es gar "die Freundin", die sich hier gegen die Beleidigung zur wehr setzen möchte?
"du hurensohn rede nich über tote du basdart sag mal dein namen du kleiner hurensohn"
Diese Retourkutsche verlangt nach sofortiger Antwort:
"SCHNAUZE DU DRECKIGE GUCK DICH SELBER AN DU ABGEFICKTE HURE"
Okay, wir wissen jetzt, dass es sich um junge Frau handeln muss. Und natürlich kann sie diese Pöbelei nicht auf sich sitzen lassen:
"mädschen ihr fickt rum un nennst mich ne hure tzz du bist auch sone libanesen nutte"
Huch? Sollte Kommentarersteller Nummer 1 tatsächlich auch weiblichen Geschlechts sein? Dann erscheinen die erotischen Avancen an den unbekannten Opa natürlich in einem ganz anderen Licht. Oder aber, wir haben es hier schon mit mehreren Personen zu tun. Seltsam.
"Woher willst du wissen das ich ein mädchen bin du hure wallah wenn du sone große fresse hast dan schreib doch dein name ich wette mit dir du wist dein name nicht schreiben weil du dir dan vor angst in die hose machst du durchgenommene"
Oha, da hat sich die Angesprochene wohl doch vertan. Das ist sowohl ärgerlich, als auch peinlich. Nach so einem Fauxpas heißt es Rückzug, oder in die Offensive gehen:
"mann nur weil ich sex hatte bin ich ne nutte was is mit deiner mutter"
 Gute Frage. Eine verzwickte Situation für den so Angesprochenen. Er weicht auch sofort aus:
"Komm halt die fresse !"
Nun kommt aber offensichtlich eine bisher unbeteiligte Person dazu und heizt die Situation grundlos wieder an:
"Nr.1 haha guck mal wer da redet ein mensch ohne land urteilt über menschen die wenigstens ein paradies als land haben"
Das verstehe ich nun nicht. Gehen die beiden Protagonisten nicht auf dieselbe Berliner Schule, leben also auch im selben Land - der Bunten Republik? Na, trotzdem ist sowas nicht nett, und die Sache eskaliert dann auch so langsam. Es geht jetzt wieder um geschlechtliche Vereinigungswünsche, verlorene Heimatländer, Asozialität, Olfaktorisches und Gefängnisaufenthalte, sowie um die Bezeichnung doch offensichtlich nahoststämmiger Mitschüler als "Sinti und Roma". Homosexualität wird thematisiert und es geht um Politik, Ehre, Juden und den Koran. Manches in dem Kuddelmuddel lässt einen dann doch ratlos zurück, wie diese Zitate zum Beispiel:
"lak du zigeuner hurensohn ich fick deine mutter was plos ehren lose ich fick dein vater naundd wir kommen in den knast was is mit euch ihr ehrenlosen hurenkinder kommt ihr nich in den knast oda was und wenn ihr so ein paradies land habt was suchst du in deutschland verpiss dich doch in dein billig land ich fick hassan nasrallah diesen huuurensohn"
"lak du du hurensohn redst über sayed hassan wenigsten besserals hamaz das auf stark tut ihr habt nicht mal waffen wenigsten besüchtzen wir unser land und geben sofor auf wie ihr nuttenkinder kiss e5t hamaz w yali 5ala2o hamaz"
Nachdem dann schon zu ausschließlicher GROSSSCHREIBUNG übergegangen wurde, outen sich auch nach und nach die hier Diskutierenden und verabreden sich zu einem klärenden Konfliktgespräch. Also mit der Anonymität ist es jetzt jedenfalls vorbei.

Wenn ich diesen vorangegangenen Disput so Revue passieren lasse, bin ich eigentlich nicht mehr unbedingt das Ansicht, dass es notwendig ist die virtuellen Klotüren des Internets zu verbieten. Ich denke eher, dass da Ländergrenzen durchaus friedensstiftenden Charakter haben könnten.


(Nachtrag: Ein Kommentator hat mich darauf hingewiesen, dass der oben aufgeführte "Meinungsaustausch" nun doch nichts explizit mit der 20 gegen Einen-Prügelattacke zu tun hat. Da ist mir zweifellos ein Fehler unterlaufen. Allerdings habe ich mich sowieso auf eine unbelegte Sekundärquelle bezogen und hätte auch nicht gedacht, dass es ca 1500 Leser aus dem Spon-Forum hierher verschlägt.
Ich bin nun allerdings umso erschreckter, dass solche Verbalattacken anscheinend Usus sind, auch wenn sie nicht unbedingt in spektakuläre, medienrelevante Gewaltorgien ausufern müssen.)

Mittwoch, 23. März 2011

Eins, zwei ... Freddy kommt vorbei!

Heute muss ich mich mal in eine Zeit zurückversetzen, als ich so zehn, elf Jahre alt war. Das ist zugegebenermaßen schon ein paar Monde her, aber ich weiß noch, welches Bild ich als Kind von Erwachsenen hatte.
Egal wie schlau ich mir damals vorkam, wie naseweis oder altklug ich mich gab - ich war mir immer darüber im Klaren, dass ich nur ein Kind war. Die letzte Instanz in allen Fragen die ich so hatte, waren immer "die Erwachsenen". Das waren nicht einfach nur "große Menschen", sondern Respektspersonen, die letzten Endes immer recht hatten. Erwachsene wussten was richtig und was falsch ist, sie wussten immer was zu tun ist, und was man unterlassen muss. Sie hatten die Antworten auf meine Fragen, und wenn sie mir etwas erzählten, dann galt das als wahr. Besonders den Eltern, sowie den Erziehern und Lehrern bringt man als Kind ein besonderes Vertrauen entgegen, denn die wollen und sollen einen ja erziehen und lehren. Wenn man denen nicht vertrauen könnte, wem denn dann überhaupt noch?

Wenn man selbst schon ein paar Jahre erwachsen ist, dann verschwindet irgendwie dieses Bewusstsein, welche Wirkung man selbst gegenüber Kindern hat. Man kennt ja inzwischen seine Mit-Erwachsenen mit all ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten, man weiß, dass manche Erwachsene auch eine komplette Vollmeise haben, und Kinder diversen Erwachsenen durchaus intellektuell überlegen sein können ... aber Kinder selbst? Kinder wissen so etwas noch nicht. Die glauben noch an die großen Vorbilder. Sie kaufen ihnen ihre Äußerungen als Wahrheiten ab. Vor allem, wenn die Vorbilder als Pädagogen daherkommen.

Was wäre nun aber, wenn diese Pädagogen, diese ausgebildeten Lehrer, ihre eigenen irrationalen Ängste an ihre kleinen Schutzbefohlenen weitergeben? Sie indoktrinieren, ihnen Angst machen, ihnen vielleicht Horrorfilme vorspielen und sie vorm unsichtbaren Tod warnen?
Dem Tod, dem schleichenden Verderben, welches überall lauern kann? Man kann es nicht sehen, schmecken, riechen - aber wenn es kommt, dann ist es furchtbar und verhehrend! Du könntest es essen, trinken, einatmen ... der Wind kann es zu dir tragen und auf deine Haut legen. Deine Kleider können sich damit vollsaugen, und du merkst es gar nicht. Noch nicht! Aber bald wird es anfangen dich aufzufressen. Du wirst krank und siech, und am Ende steht ein schmerzvoller Tod.

Und glaube keinem, der das abstreitet - die lügen alle! Sie sind gekauft von denen, die das unsichtbare Grauen in die Welt bringen. Uns aber kannst du vertrauen, denn wir wollen nur dein Bestes.

Irre, oder?

Gar nicht so irre! Anscheinend Realität. Hier mal nur ein Ausschnitt aus einem Kommentar in Zettels kleinem Zimmer von gestern Abend. (Bitte dort komplett lesen)
Innerhalb einer Woche haben die beiden [Kinder] im Unterricht jeweils drei Filme zu Atomkatastrophen gesehen (eine vom Schulministerium über Tschernobyl, einen Spielfilm über eine (Atom?-)giftwolke in Deutschland und einen über, glaube ich, Hiroshima; mit geburtsdefekten Lämmchen und haufenweise Vebrennungen in schwarzweiß), 1x Strahlenschutzanzüge aus Alufolien enworfen, 2x an japanische Kinder, denen der Strahlentod droht, geschrieben, gefährliche Nahrungsmittel diskutiert, Milchpulver gehortet und an unzähligen Monologen der Lehrkräfte und der Stuhlkreisteilnehmer über ihre Angst vor dem Atom und dem Krebstod teilgenommen.
Nun kenne ich weder den Verfasser, noch seine Kinder oder die betreffende Schule. Aber ich denke schon, dass die Beschreibung der Wahrheit entspricht. Ich erlebe seit über einer Woche, wie durchaus intelligente Menschen beim Mega-Angstthema Radioaktivität komplett am Rad drehen. Da ist nichts mehr rational, da regiert nur noch das Stammhirn. Hier habe ich mich über sie aufgeregt. Warum sollten ausgerechnet Pädagogen gegen die grassierende Hirnschmelze gefeit sein? Schließlich gehört Gudrun Pausewangs Angstbuch "Die Wolke" ja schon seit einigen Jahren zum schulischen "Literaturkanon". Und diese Info hat mir meine Frau bestätigt.

Aber, Leute. Gehts noch? Lehrer, die kleine Kinder erschrecken, dass sie die Nahrungsaufnahme verweigern und lieber wieder bei den Eltern schlafen? Habt ihr komplett den Verstand verloren? Habt ihr überhaupt noch eine Ahnung was ihr da anrichtet? Tolle Vorbilder seid ihr!
Man sollte euch wegen Missbrauchs Schutzbefohlener anzeigen, ihr jämmerlichen Versager!

Mittwoch, 16. März 2011

Haltet ein und kehret um! (Resignation)

Wenn man sich mal so umguckt, wird man feststellen, dass wir doch irgendwie in der besten aller Welten leben. Keiner muss frieren oder hungern, Trinkwasser gibts für alle, gesundheitliche Versorgung ebenso. Wir kommunizieren mit der ganzen Welt in Echtzeit - und das auch noch für schmales Geld. Nichts bedroht uns, außer der irrationalen Ängste unseres kleingeistigen Establishments und der verführbaren Masse. Selbst unsere Armen haben inzwischen Flatscreens an der Wand und die Playstation darunter. Wir können uns das ja leisten, angeblich.

Warum? Weil wir, wie es so schön heißt, auf den "Schultern von Riesen stehen". Alles was uns hier umgibt wurde mal von irgendwem erfunden, oder nutzbar gemacht.

Aber "stehen" wir wirklich aufrecht auf diesen Schultern? Guckt da nicht mittlerweile ein großer Teil der satten, gelangweilten Masse nur noch ängstlich runter, während er sich krampfhaft festklammert? Ein kleiner wohliger Schauder inklusive?
Die paar Aufrechten, die noch stehen, die höher hinaus wollen - kriegen die nicht dauernd Tritte in die Kniekehlen? "Setz dich hin! Das ist zu gefährlich!"

Guckt man nicht gerne ganz aufgeregt ein paar Etagen tiefer, wenn irgendwo den Menschen in entwicklungstechnisch hinterherhinkenden Ländern ein paar hunderttausend Lehmhütten weggespült wurden? "Hey, wir kommen sofort und helfen euch, wenn ihr schön brav dasitzt und mit großen Augen in unsere Kameras schaut." Dann bauen wir euch Niedrigenergie-Lehmhütten und geben euch für die Wartezeit ein paar Schüsseln Reis. Wir guten, satten Menschen, die wir doch alles haben und sogar zuviel davon.


Könnte heute noch jemand das Feuer zähmen? Es gar selbst entfachen? "Viel zu riskant!"
Müsste heute jemand das Rad erfinden? Wo doch die Minister und Senatoren bisher auch mit Sänften zufrieden waren? "Das ruckelt doch viel zu sehr!"
Eisenbahnen, Autos, Ozeanüberquerungen, gar Flugzeuge und Raketen? "Also bitte, garnicht zu verantworten!"
Zur Elektrizität wäre es gar nicht gekommen. "Gefährliches Hexenwerk, unsichtbares, riskantes Teufelsszeug!"
Da erübrigte sich dann auch gleich die Frage nach "Elektrosmog" und "Handystrahlen".

Das Röntgen gäbe es genausowenig wie schmerzfreie Operationen oder überhaupt die "Schulmedizin". Alles ist von Übel, was menschengemacht ist. Alles ist wider die Natur, mit der wir doch "im Einklang stehen wollen".

Nun ist es leicht zu sagen, och das brauche ich eigentlich nicht, solange alles auch fein funktioniert, wenn man es braucht. Ich kann ja mäkeln und kritisieren - solange noch irgendwer hier alles am Laufen hält, bleibt das ja schmerzfrei. Es wird vielleicht ein bissl teurer, wir sind vielleicht etwas mehr auf das Wohlwollen der Natur und unserer Nachbarn angewiesen, aber das sollte es uns doch wert sein. Auch das können wir uns, noch, leisten.

Nur sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir nicht nur kritisch an den uns stützenden Schultern herummäkeln, sondern wir (oder vielmehr ein lauter und dekadenter Teil unserer "Eliten" und ihrer Medienwichtel) gerieren uns als engstirnige Zwerge, die mit der verbalen Spitzhacke Hand an das Fundament unseres Wohlstandes legen.

Sie, die Zwerge aus dem dunklen Reich, wollen die Welt ohne Risiko, ohne menschlichen Einfluss, ein Schlaraffenland in dem alles kostenlos zu haben ist. Sie wollen keine Weiterentwicklung, denn sie haben schon Angst vor dem Erreichten. Das Rad der Geschichte zurückdrehen, die Retardierung, die Rückbesinnung ... bis dermaleinst das Paradies winken möge.

Wieviele bekannte und unbekannte Menschen haben Risiken auf sich genommen, sind vielleicht auch verunglückt beim Versuch die Entwicklung weiterzutreiben? Höher, schneller, weiter ... das waren mal hehre Ziele. Vorbei, vergessen. Die Herrschaft der Zwerge im Zipfelmützenland ist angebrochen. Helden sind gefährliche Irre. Wir graben uns lieber wieder ein.

Würden wir wenigstens den Status quo erhalten wollen, würden wir nach und nach von allen anderen im Wohlstand überholt werden, aber nicht einmal das ist uns vergönnt. Die Zwerge sägen am Ast auf dem wir alle sitzen. Heute sind es die Kernkraftwerke, morgen wird es etwas anderes sein ... das Feld ist noch weit genug. Noch.

Kleiner Nachtrag: Die Entwicklung des Rades würde natürlich nicht deshalb untersagt werden, weil die bisherigen Sänftenbenutzer mit ihren tragbaren Thronen zufrieden wären, sondern weil so ein Rad ja auch unkontrolliert allein weiterrollen könnte. Vor dieser Gefahr müssten die Verbraucher natürlich geschützt werden.

Samstag, 12. März 2011

Die Glocken von Westminster (reloaded)

Was haben wir Deutschen schon für "Feindsender" hören müssen, wenn wir echte Nachrichten erfahren wollten.
"This is London!" sprach die BBC im zweiten Weltkrieg, "Rias Berlin, eine freie Stimme der freien Welt" hörten die DDR-Bürger rund um die heutige Hauptstadt. Radio Free Europe war noch auf Sendung, man sah die "Tagesschau" und nicht die "Aktuelle Kamera".

Und heute? Ist es schon wieder soweit? Wer gestern und heute Informationen zur japanischen Naturkatastrophe bekommen wollte, sollte sich besser nicht auf den Output der deutschen Medien verlassen haben. BBC, CNN, Russia Today, Al Jazeera und die Beiträge von NHK stellen die Feindsender von heute dar. Die deutschen Medien glichen Sockenpuppen von Greenpeace und diversen Rot- und Grünpopulisten.

Bar jeder Ahnung laberten da die Medienonkels und -tanten dummes Zeug, auf allen Kanälen unterstützt von wechselnden "Atomexperten" des Angstkonzerns Greenpeace, welche erkennbar nur ein wenig öfter die Wikipedia-Artikel zum Thema Kernkraft gelesen hatten, als die Moderatoren. Diese hatten das, ebenso erkennbar, nämlich noch nie getan.

Geballte Unkenntnis traf auf Katastrophengrusel, und so gerieten die wirklichen Opfer mal ganz schnell aus dem Fokus. Merke: Rauchende KKW sind wichtiger als zigtausende Tote und Verletzte, denn wenn so ein KKW erstmal ...(!) Dann könnten ja Menschen zu Schaden kommen!

Wären die Japaner Bangladeshis in Lehmhütten, ja dann wäre das gefühlige Geheule groß, aber Leute die KKW betreiben? Oh oh, was haben die da nur angerichtet!

Die rotgrünen Politschwätzer saugen lediglich auf zynischste Art und Weise Honig aus diesem, dem rein deutschen Top-Thema. Das ist schon hässlich und menschenverachtend, aber die Medien haben einfach katastrophal versagt. Auf ganzer Linie.

Es ist erbärmlich, wenn man für die Abbildung realer Geschehnisse auf ausländische Sender zurückgreifen muss. Wenn man sich von Russen und Arabern inzwischen besser informiert fühlt, als vom ganzen deutschen Öffi- und Privatfunk. Es ist absurd, wenn Blogger Kewil seine Kommentatoren aufruft, nicht diese "deutschen Dreckslinks" zu posten, weil er nur an wahren Informationen interessiert ist.

Es ist irre, wenn die Blogs heißlaufen und zu jedem deutschen Link erstmal die Suche nach belastbaren ausländischen Quellen losgeht und dies dann meist erfolglos bleibt. DIE deutsche Quelle für die "Kernschmelze" war ja anscheinend irgendein ARD-Heini, der da irgendwo in Tokio saß und Angaben der japanischen Regierungsbehörden verbreitete, die sonst niemand gehört hatte - nichtmal die Regierung selbst!

Das war nicht einfach nichts, im Sinne von "keine Leistung", das waren negative Nachrichten. Ein Niveau weit unterhalb des Nullpunktes jedes journalistischen Standards. Ihr solltet euch schämen! Alle!
Würdet ihr dämlichen Vollpfeifen da nicht noch mehr Schaden anrichten, wünschte ich mir euch alle - ausnahmslos - zum Aufräumeinsatz ins japanische Katastrophengebiet.

Deutschland in der Matrix ... dank seiner erbärmlichen Medien. Ihr seid so mies, dass ich keine Worte für meine Verachtung finde.

Nachtrag zur Vervollkommnung: Hätte ich diesen Beitrag von C.  im kleinen Zimmer vor dem Abschicken des Artikels gelesen, hätte der unsägliche Sigmar Gabriel noch einen ausführlichen Extraabsatz bekommen. Das ist doch einfach nur noch widerwärtig!

Mittwoch, 12. Januar 2011

Ein normaler Tag im politischen Deutschland

Mal angenommen, ein älterer Herr aus Rhöndorf am Rhein würde heutzutage mit einigen Gleichgesinnten eine konservative Partei gründen...

Dürfen die das? Klar doch, demokratischer Rechtsstaat und so. Vereinigungsfreiheit. Art.9 GG
Dürften sie sich versammeln? Aber sicher, Grundrecht nach Art.8 GG
Überall? Naja, "unter freiem Himmel" wäre es aus verschiedenen Gründen vielleicht nicht so eine gute Idee. Es könnte ja zum Beispiel "Krawalle" geben. "Störer" könnten auftauchen. Da muss man schon mit Einschränkungen rechnen.
Und in angemieteten Räumlichkeiten? Auf jeden Fall, klar.
Aber wenn ihnen nun niemand Räumlichkeiten vermieten will? Kann man nichts machen, Vertragsfreiheit.
Warum sollte jemand gegen Geld denn keinen Raum vermieten? Aus Angst.
Wovor müsste der denn Angst haben? Vor "Krawallen", vor "Störern", Vandalismus und "schlechter Presse".
Was ist denn "schlechte Presse"? Schlechte Presse ist hierzulande die "vierte Gewalt".


Und, könnten die Versammlungswilligen nicht einfach öffentliche Räume anmieten? Wenn die jetzigen Hausherren, also die Vertreter der angestammten Parteien, nicht gerade alles belegt haben und nicht gerade renoviert wird, oder sonst irgendetwas gerade an diesem Tag dagegen spricht - natürlich.
Aber so ganz unkompliziert, wenn also einer der Parteifreunde vielleicht selbst ein großes Grundstück hat, oder sogar ein passendes Gebäude? Dann wäre er ja ein sogenannter Reicher! Und sowas, mein Freund, sowas sieht unsere schlechte Presse garnicht gern.

Ja aber, dürfen die das? Klar doch, demokratischer Rechtsstaat und so. Pressefreiheit. Art.5 GG


Und wieder einmal wurde einer völlig legalen Partei im Rechtsstaat Deutschland, unter befriedigendem Grinsen aller Beteiligten die Durchführung eines Parteitages unmöglich gemacht. Alles legal soweit. Es folgt: Wetter und Verkehr

Hintergründe u.a. hier.

P.S. Nein, ich bin kein Anhänger von "Die Freiheit"

P.P.S. Habe gerade die neue Novo aus dem Briefkasten gefischt. Heft Nr.: 110/111 zum Thema: "Zur Lage der Vierten Gewalt"  ... das passt ja.