Einleitung

Ich bin Kraftwerker, und damit Angehöriger einer bedrohten Art.

Normalerweise gibt es ja immer irgendwelche "Schützer", die bedrohten Arten eine Stimme geben wollen, weil die sich ja nicht selbst äußern können. Aber in unserem Falle findet sich einfach keiner, der sich dämlich verkleidet und unseren drohenden Untergang mimisch bei Demonstrationen darstellen möchte.

Vielleicht sind wir nicht niedlich genug, keine Ahnung.

Also wenn es sonst keiner macht, dann muss ich es halt tun.

Eigentlich können wir uns ja über mangelndes Medieninteresse gar nicht beklagen, aber leider reden da fast immer die Falschen. Für Medien und die meisten Politiker sind wir so eine Art Schädlinge über die man zwar viel redet, aber die man eigentlich gar nicht kennt. Phantomschädlinge sozusagen, über die einer vom anderen abschreibt.
Unsere Bosse (so nennen die Medien sie) stellen sich auch öffentlich meist nicht so richtig vor oder hinter uns, sondern versuchen uns zunehmend mit grünen Tüchern abzuhängen.

Dabei sind wir doch gar nicht hässlich, und nützlich sind wir auch! Warum sollen wir uns also verstecken?

Wer uns zufällig mal ein bissl näher kennenlernt, zeigt erfahrungsgemäß meist schnell ein Interesse an unserem Tun, und weil wir nicht nur nützlich, sondern auch nett sind erzählen wir dann auch viel von uns.
Nun können uns aber nicht alle besuchen kommen, und wir können auch nicht überall sein (so viele sind wir ja nicht) ... also nutze ich mal an der Stelle aller meiner Kollegen diese kleine Ecke des Internet, um ein bissl über uns zu berichten.

Ich will dabei kein Fachbuch schreiben. Das könnte ich auch gar nicht, und das haben bessere als ich schon getan. Aber so ein bissl Erklärbär sein - das traue ich mir schon zu.

Natürlich haben wir eine eigene Sprache, aber die lasse ich möglichst außen vor oder erkläre die Begriffe mal so nebenbei. Viel Formelkram werde ich auch nicht einflechten. Das liegt mir eh nicht so besonders, und wer es wirklich genau haben will findet in der Wikipedia jede Menge davon. Da haben sich anscheinend schon einige unserer Ingenieure verewigt.

Hier wird es möglichst leicht verdaulich sein, vielleicht mal ein Wissenshäppchen für zwischendurch geben, aber auf keinen Fall schwere Kost. Da alles mit leichter Hand geschrieben wird, und ich mich möglichst nicht an Fachliteratur entlanghangeln möchte, kann es auch mal Unschärfen geben. Vielleicht vergesse ich was, oder schreibe auch mal was Falsches. Ich bin ja durchaus fehlbar, man möge es mir nachsehen. Für Hinweise und Fragen, aber auch Lob und Kritik bin ich jederzeit dankbar.


Eine hoffendlich interessante Lektüre für möglichst viele geneigte Leser wünscht ... Calimero

Bisher erschienen sind:

1. Wasser kochen
2. Feuer machen
3. Feuer machen (2.Teil)
4. Gewässerkunde
5. Umweltschutz
6. Wirkungsgrad, KWK und co
7. Die Turbine

Kommentare:

  1. Kommentieren geht, wenn man manuell den Frame aufruft: http://www.blogger.com/comment-iframe.g?blogID=481124423897947311&pageID=2563664008448329100

    Jedenfalls vermute ich das und werde sehen, ob der Kommentar erscheint ;)

    Im HTML-Code erkenne ich keinerlei Unterschiede.

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  2. Is ja irre, vielen Dank!

    Und wie kriege ich diese Möglichkeit auch für den Normalo sichtbar? Ich habe mir die Adresse in einen anderen Tab kopiert und schreibe grad quasi auf eine weiße Fläche...

    Nehmen wir solange mal das hier als Notfall-Link

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  3. Hallo,

    zunächst mal danke für die Kraftwerksserie.

    Diesen Kommentar wollte ich eigentlich unter dem Beitrag "Umweltschutz" veröffentlichen, aber mir wird dort kein Kommentarfenster angezeigt.

    Mein Kommentar ist tatsächlich nur eine Frage: Wie viele Tonnen Braunkohle verbrennt denn ein großes Kraftwerk, sagen wir z. B. einem 1.500 MWe-Block? Und wie viele Tonnen an Asche bleiben dann übrig, die tatsächlich noch raus in die Luft gehen? Wie viel gesammelter Filterstaub bleibt übrig? Was geschieht mit dem? Ich habe gehört, der wäre ziemlich giftig und müsste als Sondermüll entsorgt werden.

    OK, es war jetzt nicht nur eine Frage, ich hoffe meine Neugier ist trotzdem in Ordnung.

    Gruß, Daddeldu

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  4. Hallo Kuttel,

    zunächst mal ist Neugier immer in Ordnung. Ich mache das hier ja zum größten Teil für Neugierigige. Wenn hier Fragen aufkommen, zeigt das ja, dass auch Interesse daran besteht. :-)

    Im Einzelnen: Man kann Kraftwerk nicht mit Kraftwerksblock gleichsetzen. Ein Block ist immer etwas Eigenständiges, kann aber mit anderen (älteren, neueren, kleineren, größeren) zusammen an einem Standort ein Kraftwerk bilden.

    Einen 1500 MW Braunkohleblock kenne ich jetzt nicht. Die größten und modernsten entstehen gerade in Neurath bei RWE. Da sind sie bei 1100 MW je Block. Der modernste laufende Braunkohle-Block steht auch bei RWE in Niederaußem. Da haben sie es 2003 auf 1000 MW gebracht.
    Es könnte durchaus sein, dass es im Ausland noch größere Einheiten gibt, aber ich glaube das eher nicht. Das liegt daran, dass Braunkohle eher ein deutsches Spezialgebiet ist, weil wir davon a) große Mengen haben, und b) sie nicht (mehr) ökonomisch sinnvoll durch einheimische Steinkohle ersetzen können.

    Dazu kommt, dass Braunkohle sehr groß baut ( hier beschrieben), und man in Deutschland traditionell die höchsten Wirkungsgrade erzielt. Eine ältere ausländische Anlage mit höherer Leistung und geringerem Wirkungsgrad wäre wohl über die Maßen monströs. (In USA baut man z.B. traditionell groß - bis 1500 MW Steinkohle - aber mit Naturumlauf-Dampfkesseln ... das müssten absolute Monsterteile sein, wenn sie mit Braunkohle betrieben würden.)

    Zum Verbrauch: Das kann man nicht allgemein sagen, weil es vom Wirkungsgrad und der vorhandenen Kohlequalität abhängt ( hier kurz angerissen).
    Also ein hoher Wirkungsgrad verringert die benötigte Brennstoffmenge, ein hoher Heizwert der Braunkohle auch. Was dann am Ende an Asche anfällt hängt aber wiederum von der Aschemenge im Brennstoff ab.

    Aber ich denke, du willst nur 'ne Hausnummer. Ich hatte mal ein paar Serben bei uns zu einer Betriebsführung. Die hatten für ihr Kraftwerk (ich weiß nicht, wieviele Blöcke) ca 8000 t Asche (abgeschieden) pro Tag angegeben. Das fand ich exorbitant, aber die nutzten halt eine Kohle mit hohem Ascheanteil.

    Hausnummer bei uns: Wirkungsgrad ca 40-41%, Kohleverbrauch je Block und Tag ca 18000 t, Aschemenge (abgeschiedene Kessel- und Flugasche) ca 500 - 850 t/d (geschätzt, wird nicht gemessen; und natürlich je nach Lastfahrweise und Kohlequalität).

    Was von der Asche durch den E-Filter flutscht habe ich ja schon beschrieben. Hinter der REA wird aber nicht mehr gemessen. Viel wird aber nicht mehr durch den Rauchgaswäscher durchgehen. Dazu ist der Wasser/Dampfschleier zu dicht, und die Nassfilmkontaktzone tut ihr Übriges.

    Die abgeschiedene Flugasche wird, wie beschrieben, wieder in die Tagebaugrube verkippt und abgedeckt. Giftig ist da nix, das Zeugs ist einfach nur Staub wie er aus der Erdkruste kommt, lediglich mal ordentlich durcherhitzt. Inerte Bestandteile der Kohle halt. Silikate, Metalloxide, dergleichen. Sand halt, oder Dreck von mir aus.

    Jedenfalls kein Sondermüll, sonst gäbe es strengste Auflagen. Dazu nur als Beispiel: Sogar Gips, der ja normal in Lagerstätten in der Erdkruste vorkommt, wird in der BRD als wassergefährdender Stoff angesehen. Kohlenasche könnte man (hat man als Hausbrandbetreiber ja durchaus), auch als Pflanzendünger in den Garten kippen, weil sich da nicht brennbare Mineralstoffe konzentrierter finden als in gemeinem Straßendreck.

    Beste Grüße, Calimero

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