Freitag, 1. Juli 2011

Grün schafft Jobs

Renate Künast will 100 000 neue Arbeitsplätze schaffen. Und selbstverständlich sollen diese ausschließlich "grün" sein.
Dass Wahlkämpfer gern neue Jobs versprechen ist ja 'ne ganz alte Masche. Einige tun das allgemein, andere umgehen den versprochenen Arbeitsplatz auch gleich mit der Aussicht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen. Bei unseren Grünsozialisten wird dagegen vorab schon mal festgelegt was das für Jobs sein sollen.
Mit der konsequenten Förderung umweltfreundlicher und ressourcenarmer Industriezweige (green economy), dem Ausbau erneuerbarer Energien und energiesparender Produktion wollen die Grünen bis 2016 rund 100 000 neue Arbeitsplätze schaffen.
Okay, soweit so bekannt - Hohlphrasen und das Versprechen  auf Förderung. Wobei Förderung im Sinne von Hindernisbeseitigung ja eine prima Sache ist. Allerdings im allgemeinen nicht so sehr die Sache der Grünen. Dort geht man ja gemeinhin den Weg, die Schranken für alles was nicht der eigenen Ideologie entspricht so weit zu erhöhen, dass die eigenen Hätschelkinder irgendwann drunter durchschlüpfen können.
Das hat meist den Nachteil, dass irgendetwas gepusht wird was bisher niemand brauchte, indem man das schon Bestehende soweit verteuert bis dort Jobs verlustig gehen. Damit kann man aber schlecht Werbung machen. Insofern ist es schade, dass Berlin kein Kernkraftwerk hat, sonst würde auch die Aussicht auf Arbeitsplatzabbau für Grüne propagierbar.

Gut, was hat Frau Künast denn nun genau vor?
Die Grünen wollen vor allem sechs Zukunftsbranchen fördern und ausbauen, in denen die neuen 100 000 Arbeitsplätze entstehen sollen: In der Gesundheitswirtschaft könnten 20 000, in der Kreativwirtschaft 10 000, in der Umwelttechnologie 20 000, in der Gebäudesanierung 25 000, im Tourismus 15 000 und in der Elektromobilität 10 000 Stück geschaffen werden, sagte Künast.
2008 waren ca. 351.800 Personen, und damit 15,3% aller Erwerbstätigen in Berlin-Brandenburg im Gesundheitssektor tätig. Die letzte Zahl von 2004 nur für Berlin war 180.000 (jeder achte). Jetzt stellt sich die Frage ob Berlin nun unbedingt 20000 neue Gesundheits-Werktätige braucht? Welche sollen das sein, und wie will Frau Künast diese Jobs fördern?
Mehr Kranke produzieren wird sie nicht wollen, mehr Geld kann sie nicht anbieten, der Bedarf wird wohl auch gedeckt sein ... und vor allem, welche Medizinjobs sind grün und ressourcenarm?

Heilpraktiker? Schamanen? Homöopathen und Geistheiler? Röntgenärzte werden es ja nicht sein, wegen der Strahlung und so.

Nuja, 10000 Kreative mehr braucht Berlin also auch. Dabei dachte ich bisher, dass es nun gerade in der Hauptstadt nicht an Lebenskünstlern mangelt. Oder denkt Frau Künast eventuell an eine Armada von Diplom-Puppenspielern, oder ein Bundescasting für die Expansion der Berliner Musikkultur? Noch mehr Philharmoniker und Theaterintendanten kämen ja wohl zu teuer. Außerdem fliegen die dauernd klimaschädlich in der Weltgeschichte rum.

Aber 20000 neue Umwelttechnologen ... das wird einfach. Dazu muss die künftige Regentschaft lediglich jede Menge absurde Verordnungen und Gesetze verabschieden und schon gibt es Arbeit genug für zusätzliche Umweltberater und Handwerker, die die Stadt dann entsprechend baulich anpassen können.
Genauso funktioniert es mit den 25000 Gebäudesanierern. Man muss nur ersteinmal per Gesetz einen Markt schaffen, und schon sind die Immobilienbesitzer gezwungen die Sanierungsfirmen zu beschäftigen. Für die städtischen Bauten gibt es ja noch den Anleihemarkt und den Länderfinanzausgleich.

15000 Tourismusirgendwasse? Das kenne ich aus Brandenburg. Wenn irgendwo partout keiner in was Produktives investieren möchte, dann setzt man voll auf die Tourismuskarte. Fremdenverkehr geht angeblich immer. Wobei Berlin da nicht mal ein größeres Problem haben dürfte, wenn nicht die Bewohner die Touris lieber weg haben wollten. Außerdem ist der Flughafenausbau (der ja auch mal eine Menge Jobs bringen sollte) bei den Anwohnern nicht besonders gut gelitten.
Tourismusjobs also ja, aber möglichst ohne ruhestörenden Touristen. Na, Renatchen wirds schon richten.

Auf die 10000 Elektromobilitätsbeschäftigten bin ich aber schon sehr gespannt. Bisher gibt es die noch nicht mal dort wo man tatsächlich Autos baut, und Berlin ist bis jetzt auch nicht gerade als Industriemagnet aufgefallen ... also wo sollen die E-Mobilitäts Arbeitsplätze denn da nun entstehen? Planen die Grünen etwa eine verbrennungsmotorfreie Umweltzone in den Grenzen des ehemaligen antifaschistischen Schutzwalls? Einen riesigen solarbetriebenen Autoscooter? Oder sollen Fahrräder mit Hilfsmotor zu Rikschas umgebaut werden und 10000 Berliner sollen Personentransport-Ich AGs gründen?

Ach egal. Mein Aufruf an alle Haupstädter lautet jedenfalls "Grün wählen!". Alles wird gut. Versprochen.

Kommentare:

  1. Die Jobvorschläge von Frau Kuenast sind so laecherlich, wie die Frau selbst. Grüne Jobs? Das sind doch Integrationsbeauftragte, Antidiskriminierungsbeauftragte, Schwulenbeauftragte ....
    Also alles Jobs aus dem "pädagogisch-labernden Komplex", die nichts können ausser den Staat, der sie füttert, zu kritisieren.

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  2. Lieber Calimero,
    ich möchte Ihrer Einschätzung ganz energisch widersprechen!

    Leider kann ich das nicht, da Ihre Analyse völlig zutreffend ist. :-(((

    Und dummerweise werden die Grün_Innen es schaffen, das Scheitern Ihrer Jobversprechen der Sabotage der neoliberale Spekulanten zuzuschreiben. Es wird noch viel schlimmer werden müssen, bis der Michel die wahren Schuldigen erkennt.

    Gruß, H_W

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  3. Lieber calimero,
    langsam ist man schon so weit dass man sich über grüne Wahlerfolge freut, allein der darauf folgenden Rhetorik wegen.

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  4. So schöne rund Zahlen! Warum eigentlich nicht gleich eine Million? 100.000 grüne Jobs haben uns die Grünen doch schon vor 10-15 Jahren versprochen, und seitdem praktisch jedes Jahr aufs Neue.

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  5. Tja lieber WFI,

    laut diesem Artikel hat Berlin derzeit bei 230400 Arbeitslosen eine Quote von 13,3%. Wenn Renate erst mal am Ruder ist und 100000 von denen in Lohn und Brot bringt, dann hat Berlin eine AL-Quote von 7,5 %. Auch eine schön runde Zahl, wenngleich immer noch nicht gerade wenig.

    Hätte sie 1 Mio Jobs versprochen, dann hätten wahrscheinlich selbst die Zeitungspraktikanten überschlagen können, dass man dann Arbeitslose importieren müsste. Ich weiß jetzt nicht wie groß der Heiratszuzug aus Asien in Berlin jedes Jahr so ausfällt. Würde das denn reichen?

    Beste Grüße, Calimero

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