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Mittwoch, 3. April 2013

Calimero auf die Ohren

Abbildung mit freundlicher Genehmigung von piratte.net

Yvonne von piratte.net macht Podcasts. Nach ihrem Erstling zum Thema Ahnenforschung, zu dem sie sich mit einem Hobby-Genealogen traf, folgte der zweite Streich mit einem Archäologen, der ihr einiges zum Limes zu sagen hatte.
Der dritte Podcast sollte sich ums Thema Kraftwerke und Stromversorgung drehen und dafür wurde nun ich als Gesprächspartner eingeladen.

Was ich natürlich dankend angenommen habe. :-)

Hier also das Ergebnis unseres "kleinen" Kraftwerkstalks: Calimero im Interview bei piratte.net

Sonntag, 13. November 2011

Neue Kraftwerksinnereien

Zur Abwechslung gibt es heut mal nix zu meckern, sondern wieder mal etwas Berufliches.

Habs lange faulpelzig vor mir her geschoben, aber da es schon ungeduldige Nachfragen gab - hier ein neuer Teil meiner Kraftwerksinnereien

Mit Dank für das Interesse, und besten Grüßen ... Calimero


Montag, 8. August 2011

Am Rande

Den ganzen Abend über hat mich das Radio mit der Meldung genervt, dass es im KKW Brokdorf einen Zwischenfall gegeben hat, woraufhin das Werk vom Netz genommen wurde.

Ja liebe Radioleute, der Maschinentrafo sorgt dafür, dass der Strom ins Netz eingespeist wird. Und ja, wenn der ausfällt ist Schluss damit. Nein, der hat nichts mit dem radioaktiven Teil zu tun, und auch wenn nur der Betreiber das sagt, ihr braucht wirklich keine Angst zu haben.
Zwischenfall heißt übrigens eigentlich Störung. In diesem Fall "Trafoschutz". Ist auch normal, dass man den Dampferzeuger, in diesem Fall den Reaktor, nach sowas runterfährt. Bleibt locker!

Und wenn der Betreiber jetzt sagt, dass der Trafo aus ungeklärter Ursache ausgefallen ist, dann ist das Technikersprache. Da braucht ihr euch keine Sorgen machen, dass das Ding da jetzt einfach puff gemacht hat und nun keinen Mucks mehr tut, während das Personal ratlos drumrum steht.
Nee, die können bloß noch nicht sagen, was da im Inneren nun genau passiert ist. Was den Schutz ausgelöst hat wissen die schon genau.

Hättet ihr mich gefragt, hätte ich achselzuckend Buchholzschutz ferndiagnostiziert, und vor dem Umdrehen noch gesagt, dass sie mal eine Öl- und Gasanalyse machen sollen.
Aber eigentlich konnte ich das jetzt nur sagen, weil die das schon selbst angekündigt haben. Gebe ich ja zu. Ja, da habe ich jetzt Ahnung vorgetäuscht. Sorry.

Ist aber wirklich so, dass, wenn der Trafo ausfällt und die danach Öl und Gas analysieren wollen, es mit ziemlicher Sicherheit das olle, bewährte Buchholzrelais war. Da hat dann nämlich was gebritzelt wo nix britzeln sollte, und ein bissl vom Trafoöl (Ja, da ist Öl drin. Im Gegensatz zu Glasflaschen, ihr Ökos.) hat sich zersetzt. Da entstehen dann chemische Verbindungen auch in Gasform, die man analysieren kann um den Schaden einzugrenzen.

Also hier noch ein kostenloser Beitrag zur Volksbildung von Radioschaffenden:

- Stromstarke Entladungen bilden Azetylen und Wasserstoff
- Energieschwache Entladungen bilden Wasserstoff und Methan
- Ölüberhitzungen bilden Wasserstoff und leichte Kohlenwasserstoffe
- Überhitzungen der Isolierung bilden Kohlenoxide und Kohlenwasserstoffe

Bitteschön. Euer fürsorglicher Calimero

Sonntag, 7. August 2011

Wo sind all die Fachkräfte hin, wo sind sie geblie-hie-ben?

Unter der Meta-Überschrift "Die verbildete Republik" hat Gerd Held auf Welt Online einen Artikel veröffentlicht in dem er die fehlende Lust an "harten Fächern", am "sich anstrengen wollen" kritisiert, und für den hierzulande herrschenden Mangel an naturwissenschaftlich-technischen Berufseinsteigern verantwortlich macht.

Da wird er schon in Teilen Recht haben. Ich finde es, soweit ich das von außen beurteilen kann, auch befremdlich, wie Schule immer mehr zur Bildungsanstalt für beliebigen Durchlauf mutiert. Wichtig scheint mir für Schulen und Bildungspolitiker vor allem zu sein, dass möglichst viele Schüler irgendwie durchgeschleust und mit einem nominell hochwertigen Abgangszeugnis versehen werden. Quotenerfüllung soll Qualität suggerieren, und mit einem mehr an Abiturienten und Studenten beweist sich die Bildungsbürokratie, dass sie ihren Teil zur Wissensgesellschaft beiträgt. Nur kommen die erwachsen gewordenen Ergebnisse des Politikfelds Bildung nicht dort an, wo man sie gebrauchen könnte.

Held konstatiert :
Es gibt also nicht zu wenig Bildung, sondern offenbar die falsche Bildung. 
und
Der wachsende Komplex „Kultur und Soziales“ passt eher zu jener betreuten Erlebnisgesellschaft, die inzwischen auch die CDU/CSU für die höchste aller Gesellschaftsformen hält.
Zettel ergänzt das  in seinem Raum noch durch die Feststellung, dass naturwissenschaftlich-technische Berufe in unserer Gesellschaft nicht mehr den idellen Stellenwert haben, der ihnen aus Sicht der Wertschöpfung gebührt. Zitat:
Physik? Igitt, das hat doch mit Atomen zu tun. Chemie? Ist schlecht in Lebensmitteln, bläst Gifte in die Luft. Mathematik? Versteht kein normaler Mensch.
und
Gut ist sanfte Energie, ist das leichte Essen, ist die Theologie der Nettigkeit, wie Margot Käßmann sie perfekt personifiziert; gut ist ist das Schonende, das Gefühlvolle, das Intuitive und das Bauchgefühl. Schlecht ist das Harte, das Verkopfte, die "kalte Technik", der "gefühllose Umgang mit der Natur".
Auch das kann ich so unterschreiben. Aber auch wenn unsere Staatsbildungsfabriken, die Politik und der Kultursektor sich immer mehr in der Huldigung des Sanften, des Öko- und Biologischen, sowie des Sozialen ergehen, sehe ich keinen Run auf den Beruf des Försters, des Schäfers oder des Landschaftsgärtners. Klar, es strömen mehr Mädchen in nun akademische Sozialberufe, wählen die Biologie, das Lehramt, oder sie wollen Tierärztin werden. Aber wo bleiben da die Jungs?

Männer und Technik gehören doch immer noch zusammen denke ich, aber kann es sein, dass nur die Art der präferierten "Meisterschaft" sich etwas gewandelt hat? Nicht mehr die Erhebung über die Natur, sondern eher die Technik der Macht über Daten, Geld und Menschen als erstrebenswertes Ziel?
Welche Bedeutung haben denn Politikwissenschaften, BWL, VWL, Journalismus, Public Relations und Mediendesign außer der Machterlangung über Menschen und deren Handlungen?

Okay, aber das nur am Rande. Die Ausgangsfrage war ja die, warum sich junge Leute nach der Schule nicht in den benötigten Größenordnungen für die MINT-Fächer entscheiden, obwohl doch gerade dort Fachkräftemangel herrscht, und diese Jobs auch nicht gerade schlecht bezahlt werden.

Gerd Held und Zettel haben ja schon beschrieben, was bildungsmäßig und gesellschaftlich bei uns schief, oder vielmehr nicht wie eigentlich gewünscht läuft. Ich möchte aber noch auf etwas anderes, viel näherliegendes hinweisen.

Es fehlt eventuell ganz einfach an entsprechenden Vorbildern.

Als Schulabgänger steht man ja das erste Mal in seinem Leben vor einer Entscheidung, die einen aus der gewohnten Herde herauslöst. Man muss für sich selbst einen Weg suchen, der den eigenen Fähigkeiten entspricht, der einen dorthin führen soll wo man später im Leben mal stehen möchte, der einen zwangsläufig von den bisherigen Schul- und Spielkameraden absentieren wird.
Man muss sich einen Weg suchen, klar - aber welchen?

Es ist zu entscheiden wie bequem der Weg sein soll, wie lohnend das Ziel erscheint, und vor allem, wie weit man sich damit vom bisher Bekannten entfernen möchte. Eine Frage der Orientierung also.
Und, wer gibt einem diese Orientierung?
Medien, Bildung und öffentliche Aufmerksamkeit natürlich. Klar, was ständig im Gerede ist, davon meint man am meisten zu wissen. Aber um wie viel wichtiger ist da doch das eigene Umfeld? Die Leute die man kennt? Eltern, Familie, ältere Freunde, Nachbarn vielleicht?

Der häufigste Berufswunsch bei Ghettokids soll ja Türsteher, Rapper oder Hartz IV sein. Ich selbst bin im Kraftwerk gelandet, weil ich bis zum zehnten Lebensjahr in einem Kraftwerksstandort gelebt habe und in meiner Familie viele in der Energiebranche gearbeitet haben. Da hatte ich ein Ziel, welches meinem Technikinteresse entgegenkam, und von dem ich schon einiges an Interessantem in Gesprächen aufgeschnappt hatte.
Bis zum Schulabschluss lebte ich dann "auf dem Lande", und, oh Wunder, die meisten meiner Schulkameraden dort zog es danach in landwirtschaftliche und handwerkliche Berufe.

Also, - kann es nicht einfach sein, dass der Mangel an naturwissenschaftlich-technisch sich betätigenden Vorbildern im Umfeld der Heranwachsenden Schuld daran ist, dass junge Menschen nicht mehr so häufig diesen Weg einschlagen? Ganz einfach weil dieser Abzweig relativ unbeleuchtet erscheint, während andere mit medialen Flakscheinwerfern bestrahlt werden?

Dazu kommt noch, dass jeder orientierungslose Jugendliche mit entsprechendem Abiturzeugnis, das Angenehme seine Schulzeit mittels eines Irgendwas-Studiums einfach noch um ein paar Jährchen verlängern kann. Dies dann auch noch mit dem Vorteil der nunmehr erlangten Volljährigkeit.
Lustig scheint das Studentenleben, vor allem auch im Gegensatz zum Ausbildungsberuf, der einen doch "nur" zum Facharbeiter macht.

Mich würde mal interessieren wieviele Leser mit einem MINT-Abschluss, oder einem technischen Beruf sich auch an Vorbildern aus dem persönlichen Umfeld orientiert haben.

Dienstag, 31. Mai 2011

Mal wieder was Technisches

Ich habe mir die letzten Anfragen zu Herzen genommen, und mal wieder was zu meiner kleinen Kraftwerksserie hinzugefügt.


Wirkungsgrad, KWK und co


Nachtrag: Es gibt jetzt auch eine Einleitung zu den Kraftwerksinnereien, und dort kann auch kommentiert werden.

Nach-Nachtrag: Irgendwie funktioniert die Kommentarfunktion bei der Einleitung nicht, obwohl ich sie zugelassen habe. Ich sehe kein Eingabefeld. Hm.

Samstag, 21. Mai 2011

Blackout für heute abgesagt

Gestern kam die Meldung, dass planstillstandsbedingt ab heute nur noch 4 von 17 deutschen KKW am Netz sind. Tja, solche Revisionen haben halt einen immensen Vorlauf, und die Kraftwerksbetreiber müssen dabei immer zusehen, dass sie sich da zeitlich abstimmen. Da geht es um die Netzsicherheit, um die verfügbaren Ressourcen an Spezialfirmen etc.

Da werden Jahresurlaubspläne (auch bei den Fremdfirmen) drum gestrickt und eine Revisionslogistik ausgetüftelt ... da kann man nicht einfach mal alles umschmeißen. Dass die Regierung nun auf einmal die Planungssicherheit kassiert, ändert daran auch nichts. Nun haben wir halt den Salat und müssen damit umgehen. Hilft ja nix.

Was aber auch nicht hilft, sind jetzt solche Aufregerbeiträge wie dieser hier, der die nationale Krise eines deutschlandweiten Blackouts an die Wand malt. Obgleich die Folgen eines längeren Blackouts durchaus richtig dargestellt sind, bin ich damit nicht sonderlich glücklich.

Viele Kommentatoren vermuten jetzt bar jeden technischen Sachverstandes eine Auftragsarbeit der Energieversorger, um damit Panik zu schüren. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Journalisten die Sache selbst recherchiert haben, denn was hätten die Stromkonzerne davon?

Wenn es tatsächlich zum großflächigen Stromausfall käme, würde es heißen, "dass die das mit Absicht gemacht haben". Was natürlich Quatsch ist, denn eine irgendwie im Nachhinein nachweisbare Schuld bei irgendeinem Stromversorger (oder sogar bei einem einzelnen Mitarbeiter, der vielleicht "die" falsche Entscheidung getroffen hat), möchte garantiert keiner auf sich nehmen.
Also, bevor es crasht, können alle sicher sein, dass wir jedes Kilowatt, welches wir noch irgendwo rausquetschen können, auch wirklich aktivieren.

(Übrigens ist das ein Grundübel, mit dem alle ehrlichen Kraftwerker oft hadern. Wir dürfen und wir werden nicht streiken, egal welchen Murks sich die Regierung wieder ausdenkt. Egal welche Spinnereien über das Potential "erneuerbarer Energien" wir ertragen müssen, wir werden nicht den AUS-Knopf drücken. Obwohl wir wissen, dass ohne uns als "Wirtskörper" die parasitären Stromerzeuger nicht lebensfähig sind, werden wir weitermachen und sie auf unserem Buckel mitschleppen. Das hat auch was mit Arbeitsethos zu tun, obwohl es manchmal hart ist, von den Ökospinnern auch noch als überflüssige Umweltverschmutzer beschimpft zu werden. Aber wir werden alles dafür tun, dass es nicht zu einem Blackout kommt. Versprochen.)

So, was würde aber passieren, wenn es keinen Blackout gibt (wovon ich ausgehe)? Es wird heißen, dass es ja auch ohne die derzeit stillstehenden Kapazitäten geht. Der Strom kommt auch weiter aus der Dose, also wird wahrscheinlich noch viel mehr Kapazität vom Netz genommen werden können, oder?

Oder! Lustig wird es spätestens im Hochsommer, wenn wie in jedem Jahr die französischen KKW mit zu warmem Kühlwasser (das richtige Kühlwasser, wie hier beschrieben) zu kämpfen haben. Aber heute ist auch gerade mal Samstag, und ich bin schon gespannt, wie es am ersten Werktag der kommenden Woche aussehen wird, wenn die (derzeit noch existente) deutsche Wirtschaft ihre Maschinen anwirft. Mal gucken.

Aber jetzt erstmal ein kurzer Frontbericht aus meiner heutigen Frühschicht: Wir fahren derzeit Strich-Volllast, was nicht ungewöhnlich ist, aber am Wochenende normalerweise nicht immer sein muss.
Meine Wenigkeit und noch etwa 20 andere Nasen mit mir haben in 12 Stunden so ca 18 Mio kWh ins Netz eingespeist, während es z.B. Deutschlands geballte Windkraftpower von 07:00 - 08:00 Uhr nur auf mickrige 180 MW gebracht hat.

Naja. Jedenfalls haben wir vom "drohenden Netzkollaps" auch nur aus der Zeitung erfahren. Ich weiß nicht, wie es derzeit bei den Netzbetreibern aussieht, und ob denen gerade der Angstschweiß auf der Stirn steht - bei uns gab es jedenfalls keinen "Durchhaltebefehl", so nach dem Motto, alles nur mit Samthandschuhen anzufassen, weil an unserer MW-Anzeige gerade Deutschlands Energieversorgung hängen könnte. War nix.

Von mir aus, für den heutigen Samstag jedenfalls erstmal Entwarnung. Alles im grünen Bereich soweit.

Dienstag, 12. April 2011

Warum sind Dampfkraftwerke so träge?

Man glaubt es kaum, aber ich kriege tatsächlich Zuschauerpost. :-)

Sowas ist ja sehr erfreulich, und da antworte ich doch gerne wenn ich Zeit finde. Hier also die Frage des Lesers:
Wenn Du mal wieder Lust hast, uns Laien etwas über Kraftwerke beizubringen, dann würde mich interessieren, warum es so kompliziert ist und so lange dauert, eine konventionelles KW anzufahren. Gilt natürlich auch für's Abschalten...
Tja, so ein Verbrennungsmotor ist schneller in Betrieb, ne? Selbst ein riesengroßer Schiffsdiesel dürfte um Einiges flinker sein. Gasturbinen sind fixer, brauchen aber auch schon mindestens 5-10 Minuten bis zur Netzschaltung. Warum sind die großen Dampfpötte denn nun so schwerfällig?

Ganz simpel. Zwei Gründe sind maßgeblich. Der erste ist ganz einfach den spezifischen thermodynamischen Eigenschaften von Wasser geschuldet. Wie bei einem Kochtopf schon zu sehen, braucht es eine ganze Menge Energie und Zeit, um das darin befindliche Wasser zum Sieden zu bringen. Um es komplett zu verdampfen braucht es dann ja nochmal viel mehr Zeit. Das ist die eine Sache die uns bremst.

Der zweite Grund liegt in der Belastbarkeit des Materials und der Menge die davon an welcher Stelle verbaut wurde.
Jedes Metall ist ja nur in gewissen Grenzen belastbar. Das gilt für die mechanische Belastbarkeit genauso wie für die thermische. Man kann ein Metallstück z.B. biegen. Man kann es auch wieder zurückbiegen. Das Ganze auch mehrfach, aber irgendwann ist das metallische Kristallgefüge mal so geschwächt, dass das Werkstück reißt.
Genauso ist es mit Erwärmung und Abkühlung. Einmal Glühen und wieder abkühlen ist okay, mehrfach auch, aber zuviel davon bedeutet die Kristallstruktur so zu schwächen, dass das Material nachgibt.

Im Kraftwerk haben wir nun aber sowohl hohe mechanische Belastungen (sehr hohe Drücke), als auch thermische Belastungen gleichzeitig. Das führt normale Stähle schon an ihre Grenzen, also sind Spezialstähle notwendig. Aber auch diese "altern", wenn auch ihre Belastungsgrenzen weit höher liegen.
Fies sind dabei vor allem die Wechselbelastungen beim An- und Abfahren, weil das halt bedeutet von Zimmertemperatur und Normaldruck auf z.B. 400°C und 250 bar hochzuheizen, und wieder abzukühlen. Am Frischdampfaustritt/Turbineneintritt sind wir dann z.B. sogar bei 540°C.

Jetzt führen wir beide Zeithindernisse mal zusammen und nehmen uns den ganzen Komplex vor. Vor dem Kessel ist alles noch nicht so wild. Ich habe es hier beim Kesselspeisewasser schon mal ansatzweise beschrieben.
Im Verdampferbereich, der nun an der heißesten Stelle des Kessels, dem sogenannten Feuerraum (hier beschrieben) angeordnet ist, wächst die Belastung aber enorm an. Die Rohraußenwände bekommen die volle Flammentemperatur ab (ca 1000 - 1200°C), während im Rohrinneren das Wasser bei 370°C siedet. Dies aber nur mal als Beispiel, welchen Belastungen das Material da ausgesetzt sein kann.

Das Zeitproblem bekommen wir aber vor allem wegen der besonders dickwandigen Bauteile. Der ganze Wasser-Dampf-Kreislauf besteht ja nicht nur aus "dünnen" Einzelrohren, sondern eben auch aus großquerschnittigen Sammelrohren und den entsprechenden Absperrarmaturen, es gibt "Dampf-Sammler" und "-Verteiler" und eben auch die dicke Turbinenwelle aus Vollstahl und das eben auch sehr dicke Turbinengehäuse.

Da liegt die Crux. Je größer der Innendurchmesser eines zu durchströmenden Bauteils, desto stärker muss halt auch die Materialwanddicke sein. Große Innenfläche bei hohem Druck bedeutet halt eine immens größere Kraftwirkung aufs Material. Ne, is klar.
Viel Material bedeutet aber auch, dass die Durchwärmung deutlich länger braucht. Wie bei einer Coladose und einer gusseisernen Pfanne. Man kann in beide kochendes Wasser füllen, aber die Coladose lässt man wohl sehr viel schneller aus der Hand fallen, während man die Pfanne bestimmt lange auf der Hand stehen lassen könnte.
Das heißt nun, dass wir im dicken Stahl Thermospannungen bekommen, wenn die Innenseite schon sehr heiß wird (sich das Material also ausdehnt), aber außen noch alles kalt ist. Und das müssen wir unbedingt verhindern, denn sonst würde das Material noch schneller altern, oder vielleicht sogar ganz versagen. Peng!

Wir fahren dazu also alles anhand vorgegebener Transientenkurven langsam warm um solche Thermospannungen zu vermeiden. Die Leittechnik ist dabei sogar schon so intelligent, dass sie aus der Bauteilüberwachung den Alterungsprozess und Zustand des Materials mitberechnet und bei Temperatursteigerungen Grenzen setzt, die man manuell gar nicht mehr überfahren kann. Da sagt die Technik einfach "Stopp, warten!"

Dazu kommt jetzt noch etwas. Wir haben ja irgendwann an einer Stelle Dampf produziert, nicht wahr? Was würde nun passieren, wenn wir diesen Dampf einfach mal in eine kalte Rohrleitung strömen ließen? Er würde wieder kondensieren! Das ist auch völlig in Ordnung, solange wir es mit geringen Dampfmengen zu tun haben. Wir nutzen das ja auch aus, wenn wir die Rohrleitungen und Bauteile anwärmen. Dazu werden einfach Entwässerungsstutzen geöffnet, an denen das Kondensat wieder ablaufen kann. So erwärmen wir die Kiste halt Stück für Stück.

Aber würden wir z.B. die komplette Dampfmenge auf die kalte Turbine fahren, würden die vorn kondensierten Wassertröpfchen, vom durchschießenden Dampf mitgerissen, wie Geschosse auf den Turbinenschaufeln aufschlagen. Andersrum würde "kalter Dampf" in heißen Bauteilen wiederum Thermoschocks auslösen. Also alles schön langsam und geordnet!

(Nebenbei, in meinem ersten Ausbildungsjahr hatte ich mal fast die Hose voll, als ich meinen ersten "Wasserschlag" beim Öffnen einer Kesselentwässerung gehört habe. Es rumst echt gewaltig!)

Nuja, also alles dauert halt seine Zeit. Dazu kommen noch solche Spielchen wie eine mehrmalige Komplettdurchlüftung des Kessels vor dem Zünden, das Aufbauen eines künstlichen Vakuums im Maschinenkondensator, dies das jenes anwärmen und in Betrieb nehmen ... nuja. So in etwa vier bis sechs Stunden aus der kalten, zwei Stunden aus der heißen Reserve.

Abfahren geht dabei aber relativ schnell, wenn es sein muss. Nur beim langsamen "Kaltfahren" werden wieder peu a peu die Parameter eingesenkt um die Temperaturen gezielt herunter zu bekommen.

Wie ist das eigentlich mit der Netzfrequenz?

In einem wie immer sehr lesenswerten Beitrag in ef-online schreibt der hochgeschätzte Edgar L. Gärtner etwas über die Probleme von Stromnetzen bei schwankender Erzeugung, wie sie z.B. durch Windstromeinspeisung entstehen. Ihm ist dabei aber ein kleiner Fehler unterlaufen, den ich hier mal berichtigen möchte. Er schreibt:
Das europäische Verbundnetz der UCTE (Union for the Coordination of Transmission of Electricity) ist so ausgelegt, dass Frequenzschwankungen von mehr als 2,5 Hertz ausgeschlossen werden, um empfindliche und lebenswichtige Elektromotoren in Personenaufzügen, Klimaanlagen, Wasserpumpen und so weiter vor dem Durchbrennen zu schützen. Deshalb werden schon bei Frequenzänderungen von nur einem Hertz aus Sicherheitsgründen Lasten abgeworfen oder zusätzliche Kraftwerke hochgefahren, um die Frequenz zu stabilisieren.
Das ist so nun nicht richtig, was man einfach auch schon daraus herleiten kann, dass die 50 Hz Netzfrequenz und deren entsprechender Schutz ja schon bestand, bevor es überhaupt eine "empfindliche Elektronik" gab. Auch macht es wenig Sinn, einen Personenaufzug vor Orientierungsstörungen zu schützen, indem man ihm ganz den Saft abdreht.
Es ist richtig, dass moderne Aufzüge Schwierigkeiten bekommen, ihren genauen Stockwerk-Haltepunkt zu finden, wenn die Netzfrequenz nicht stimmt. Es ist auch richtig, dass drehzahlgeregelte Motoren frequenzabhängig sind, und dass Elektronik-Bauteile allgemein bei Netzschwankungen Problemchen bekommen könnten. Aber deshalb schaltet man keine Erzeuger oder Verbraucher aus Sicherheitsgründen ganz ab.

Das Problem ist hier sowohl in der Ursache, als auch in der möglichen Wirkung ein ganz banales mechanisches. Um das zu erklären, muss ich ein bissl weiter ausholen, aber kompliziert wirds nicht.

Ganz einfach geht es hier um den Schutz vor Zerstörung der Turbosätze (Turbine plus Generator) in den Erzeugerkraftwerken.
Die Netzfrequenz von (bei uns) 50 Hz resultiert ja aus der Drehbewegung der Generatorwelle mit den Rotorwicklungen im Generatorständer (dem Stator). Dort wird die Spannung induziert, die dann abgeleitet und ins Überlandnetz eingespeist wird. Bei einer Drehzahl von 3000 u/min entspricht dies 50 u/sec und das bedingt dann unsere Frequenz von 50 Hz (Schwingungen/sec). Das ist in fossilen Kraftwerken der Normalfall. In KKW ist die Drehzahl nur halb so hoch (1500 u/min), dafür hat der Generatorrotor aber doppelt soviele Polpaare und erzeugt bei jeder Umdrehung halt zwei Schwingungen und nicht nur eine.

So, warum soll am Ende nun immer eine Frequenz von 50 Hz rauskommen? In Japan haben sie z.B. 60 Hz, und im Bahnstromnetz wird auch schonmal mit 16,66 Hz gefahren. Wieder ganz einfach, man braucht einen Standard für alle Erzeuger die ins selbe Netz einspeisen, weil die Einspeisung synchron erfolgen muss. Alle Generatoren im selben Netz laufen deshalb mit exakt der gleichen Phasenlage, egal wie die nun räumlich verteilt sind. Der Grund hierfür ist, dass das große Netz jeden einzelnen kleinen Generator sozusagen "einnordet". Würde man einen Generator asynchron zuschalten, gäbe es einen Riesenruck, und das Netz würde ihn entweder sofort "hochziehen" oder abbremsen, bis er synchron zur Netzfrequenz läuft.

Gut, also die gleiche Frequenz und Phasenlage ist zwingend, aber das Netz könnte doch auch mit einer anderen Standardfrequenz schwingen. Wäre doch egal, oder?

Prinzipiell schon, wie ja Japan oder die Bahn beweisen. Es geht aber darum, eine sozusagen "gesunde" und passende Frequenz für alle Turbosätze als Standard zu definieren.
Der Grund hierfür liegt in den benötigten Dampfdurchsatzmengen und dem Eigenschwingverhalten der Turbinen. Wenn man möglichst viel Dampf in einer Turbine abbarbeiten möchte, muss dieser sie ja auch in einer entsprechenden Geschwindigkeit passieren. Man kann also eine Turbine kaum mit lediglich 100 u/min betreiben, denn da würde der schnelle Dampf ja auf ein quasi fast stehendes System treffen. Sie muss also schon hurtig rotieren.
Zu hohe Rotationsgeschwindigkeiten bedeuten aber auch, dass die letzten Turbinenschaufeln ganz am Ende (das sind die breitesten und längsten) einer zunehmend größeren Fliehkraftbelastung unterliegen. Die Schaufelspitzen können schon im Normalfall durchaus Schallgeschwindigkeit erreichen, wenn man dies noch erhöhen würde bräuchte man extrem stabiles Material, oder es würde das ganze Ding einfach auseinanderreißen.
Als das mal anfing mit der Standard-Drehzahl war an solch hochfeste Materialien gar nicht zu denken, da waren die 3000 u/min einfach ein gut zu erreichender Wert für alle handelsüblichen Dampfturbinen.

Okay, die 3000 u/min als Richtwert sind ja okay, aber warum darf diese Drehzahl denn nun nicht zu sehr sinken? Zu schnell ist ja klar, da zieht es die Schaufeln in die Länge, aber zu langsam? Und, wie kommt es überhaupt dazu?

Man muss sich vorstellen, dass die ganzen Stromverbraucher im Netz wie eine Bremse wirken, gegen die die Turbine permanent annarbeitet. Wenn jetzt große Verbraucher zugeschaltet werden, oder andere Erzeuger plötzlich ausfallen, dann wird diese Bremslast größer. Die Drehzahl geht sozusagen erstmal ein wenig in die Knie, und wird dann so schnell wie möglich durch zusätzliche Dampfzufuhr wieder auf die 3000 u/min gebracht. Da geht es aber nicht um Größenordnungen, sondern vielleicht um eine oder zwei Umdrehungen. Eine Betriebsstörung ist das nicht, da ist mehr notwendig. So z.B. der flächendeckende Ausfall von Windparks bei Starkwind. Da muss man sich vor Augen führen, dass die Dinger normalerweise bloss so ein bissl rumrotieren, aber bei kräftigerem Wind plötzlich so richtig zum Leben erwachen. Da wird richtig reingepowert, und die geregelten Erzeuger drosseln sich immer weiter ein, bzw müssen ganz vom Netz.
Wenn jetzt der Wind aber zu stark auffrischen sollte, dann gehen die Windmühlen ins Sicherheits-AUS. Das wird dann zum Problem, wenn sonst kaum noch Erzeugungskapazität da ist, die diesen Ausfall kompensieren kann.

Unser Netz ist bis 47,5 Hz (entspricht 2850 u/min) nach unten, und bis 51,5 Hz (entspricht 3090 u/min) nach oben abgesichert. Bei Überschreitungen dieser Grenzwerte muss heftig eingegriffen werden. Zwangs-Lastabwürfe von Verbrauchern wären z.B. die Folge, wenn die Frequenz zu stark sinkt.
Das passiert dann aber nicht, um irgendwelche Elektronik zu schützen, sondern um die Turbinendrehzahl nicht zu sehr absinken zu lassen.

Hier geht es nämlich um sogenannte "kritische Drehzahlen", die ebenso verhindert werden müssen wie Überdrehzahlen.
Jedes Bauteil hat ja eine bestimmte Eigenfrequenz, mit der es zu schwingen beginnt, wenn man es anregt. Das ist wie bei einer Glocke, einer Stimmgabel oder einer Klavierseite. Bei unserer Nenndrehzahl von 3000 u/min passiert da nix. Alle Turbinen werden so gebaut, dass sie in diesem Bereich ganz ruhig laufen.
Aber wehe, man kommt in den Frequenzbereich der Eigenschwingung irgendeiner Teilturbine oder Schaufelstufe. Dann entstehen Resonanzen, und die sowieso schon angeregte Eigenschwingung wird immer weiter verstärkt.
Vielleicht kann man sich das mit einem riesigen Stahlblech mal vorstellen. Das Ding muss so groß sein, dass seine Eigeschwingung genau 1 Hz beträgt. Und wir stehen jetzt mit einem Hammer daneben und hauen jede Sekunde genau einmal drauf, wenn die Ausschwingweite gerade maximal von uns weg ist. Dann verstärken wir somit diese Schwingung immer weiter, bis dann letztendlich das Material nachgibt.

Bei einer Turbine ist es ähnlich, nur würde da wohl nicht das Material an sich nachgeben, sondern sie würde erstmal irgendwo anecken, anschleifen, ihre Lager wegsprengen oder ähnliches. Das gäbe jedenfalls einen Riesenknall mit Totalschaden.

Wen interessieren da schon Personenaufzüge, die 20 cm zu spät halten?

Wichtiger Nachtrag: Im etwas kraftwerkspanischen Deutschland muss man heutzutage aufpassen, dass man ja alles richtig beschreibt, deshalb hier noch was zur Beruhigung:
Wenn die Netzfrequenz zu stark abfallen sollte, ist nicht zu befürchten dass da jetzt reihenweise die Turbinen in die Luft gehen. Die sind schon alle selbst vor Ort mehrfach abgesichert. Das Netzmanagement greift nur deshalb schon vorher ein, damit sich nicht noch mehr Erzeuger wegen eigener Sicherheitsabschaltungen vom Netz trennen müssen. Damit würde die "Bremslast" für die verbliebenen Kraftwerke, deren Drehzahlen noch nicht im kritischen Bereich sind, ja noch größer. So ist das gemeint.

Montag, 14. März 2011

Versuch von Erklärung und Aufklärung (dritter Teil)

Jetzt ein paar Fragen, die hier und da aufgetaucht sind:

Warum bauen die Japaner ihre KKW eigentlich am Meer, wo doch in dem Erdbebengebiet auch Tsunamis befürchtet werden müssen?

Ganz einfach: Ein Dampfkraftwerk braucht Wasser. Viel Wasser. Nicht zum "verbrauchen", sondern um die Verdampfungswärme des in der Turbine abgearbeiteten Dampfes abführen zu können. Idealerweise ist dieses Wasser schön kühl, damit man ein großes Enthalpiegefälle (sozusagen ein großes Energiepotential) abarbeiten, also in Elektroenergie umwandeln kann.
Ein großes, kühles Gewässer kann dabei am besten genutzt werden. So spart man sich die technische Abkühlung über Kühltürme und gewinnt so an Wirkungsgrad.

Könnte man den entstehenden Dampf im Reaktor jetzt nicht nehmen, um damit wenigstens kurzzeitig die Turbine anzutreiben und so mittels eigenem Generator wieder eine Art Startstrom zu erzeugen?

Nein, ausgeschlossen. Mal abgesehen davon, dass man dadurch den Reaktorkern "ausdampfen" würde, was man ja nun gerade verhindern möchte, würden die Dampfparameter für ein "Anstoßen" der Turbine niemals ausreichen.
Man bekäme die Turbine damit niemals auf Nenndrehzahl für einen Generatorbetrieb, und außerdem würde das ganze Teil schon beim ersten Versuch geschrottet werden. Der Nachwärme-Abdampf würde schon in den ersten Turbinenstufen zu Wasser kondensieren und die Schaufeln würden dann sozusagen gegen eine Wasserwand laufen.
Die sofort auftretenden Thermoschocks wenn "kalter Dampf" ins Turbineninnere gelangte täten ihr Übriges.

Ende dritter Teil (wird evtl. fortgesetzt)

1.Teil

2.Teil

Versuch von Erklärung und Aufklärung (zweiter Teil)

Wir haben jetzt also mehrere Reaktoren, die mehr oder weniger spannungslos in einem verwüsteten Gelände stehen, und deren externe Stromversorgung sich schwierig gestaltet (auch vor dem Hintergrund, dass es ja gleichzeitig mehrere "Patienten" zu versorgen gilt).

Die größte Sorge gilt nun der Versorgung des Reaktors mit "Kühlwasser", um die nach der RESA noch anfallende Nachzerfallswärme abzuführen. Irgendwo müssen die paar noch entstehenden Megawatt Wärmeleistung ja hin, sonst steigt der Druck im Kessel zu stark an. Dieser ist ja gut isoliert, also gibt er kaum Wärme nach draußen hin ab. Dazu kommt noch, dass der eigentliche Reaktorkern, also die Brennstäbe, möglichst vollständig mit Wasser bedeckt sein sollten, da dieses eine sehr hohe Wärmeaufnahmekapazität hat. Würde sich das Wasser in Dampf verwandeln und nur dieser die Brennstäbe umgeben, wäre die Kühlung nicht mehr gewährleistet. Da hätten wir die Möglichkeit einer Erweichung, Verformung, sogar Verflüssigung der Brennstäbe.

Wenn jetzt immer von fehlendem "Kühlwasser" die Rede ist, dann ist das nur halb korrekt. Das eigentliche Hauptkühlwasser hat mit dem hier gemeinten "Reaktorinhaltswasser", oder "Speisewasser" überhaupt nichts zu tun. Näher erläutert habe ich das in meiner Seite "Gewässerkunde". Da ein Siedewasserreaktor ja im Prinzip das Gegenstück zu einem konventionellen Dampfkessel darstellt, kann man diese Ausführungen da recht gut übertragen.

Hier nur ganz kurz: Es verhält sich mit der Kühlwirkung des Reaktorinhaltswassers genauso wie mit der Kühlwirkung eines Topfs Wasser auf einer heißen Herdplatte. Der kühlt ja auch die Herdplatte, aber eigentlich wollen wir das Wasser ja warm machen.
Das eigentliche Kühlwasser in einem Dampfkraftwerk dient dazu, dem abgearbeiteten Turbinendampf seine Verdampfungswärme zu entziehen und ihn wieder in Flüssigphase zu bringen. Wir haben hier also zwei Paar Schuhe.

So, jetzt siedet also unser Reaktorwasser und der Druck steigt im Pott. Man könnte jetzt den Deckel lüpfen und dadurch Druck abbauen, denn dieser Druck belastet die Reaktoraußenwände. Wenn man dies tut (und das tut man anscheinend ab und zu in Fukushima) entweicht eine kleine Dampfmenge, es baut sich Druck ab, dadurch sinkt auch die Siedetemperatur im Reaktor-Druckbehälter und das verbliebene Restwasser "wallt" kurzzeitig auf. Allerdings muss der Dampfverlust durch Frischwasser ausgeglichen werden, weil sonst der Wasserstand nach jedem Abblasevorgang weiter absinken würde. Siehe oben ... weiterer Verlust an Reaktorwasser, aka Kühlmedium.

Jetzt gibt es zwei Probleme. Der abgeblasene Dampf führt auch kurzlebige Isotope mit sich. Zettel hat das an dieser Stelle sehr schön erklärt. Diese Isotope stammen nicht aus einer Kernschmelze, sondern schwimmen ganz normal in geringen Mengen im Reaktorwasser mit. Das Wasser wird im 24-Stunden-Rhythmus gereinigt, aber ein bissl was ist halt immer.
Das zweite Problem ist, wie bekommt man kühlendes Frischwasser ins System, wenn die eigenen Betriebsaggregate nicht zur Verfügung stehen? Man muss ja den Systemdruck des Reaktors überwinden können und auch noch erkennbare Mengen an Wasser zuführen. Daran arbeiten die Japaner anscheinend gerade, aber so einfach wie mit einer Feuerlöschpumpe funktioniert das halt nicht.

Jetzt ist die Frage, warum man denn den entstehenden überschüssigen Dampf in die Atmosphäre ablässt, statt ihn irgendwo im System wieder zu verflüssigen.
Dazu muss man wissen, dass es solche Bypässe zur Umgehung der Turbine natürlich gibt. Wie schon gesagt, kann der Reaktor ja auch völlig für sich allein rumköcheln. Aber diese Dampfumformer sind erstens auf einen funktionierenden Maschinenkondensator angewiesen (dieser muss von "echtem" Kühlwasser durchströmt sein), und außerdem braucht man wieder Einspritzwasser um die Dampftemperatur im jeweiligen Umformer abzusenken. Dieses Einspritzwasser wird im Normalfall dem Speisewassersystem entnommen, aber das ist ja ausgefallen.

Es fehlt dazu anscheinend auch an Kühlwasser für den Maschinenkondensator. Das kann mehrere Gründe haben. Der Meerwasserzufluss ist durch den Tsunami blockiert, die Kühlwasserpumpen und/oder -leitungen sind durch das Erdbeben beschädigt, oder der Kondensator selbst hat auf irgendeine Weise "Schlamm geschluckt" und die Wärmetauscherrohre sind versackt. Das ist aber alles Spekulation.

Ein Problem das garantiert vorliegt, ist wieder einmal die Stromversorgung. Die Kühlwasserpumpen bringen zwar nicht viel Druck, aber unglaublich viel Fördermenge. Das sind dementsprechend auch riesige Aggregate, die mit THW-Mitteln nicht einfach in Gang zu bekommen sein werden.

Ende zweiter Teil

Hier gehts weiter zum dritten Teil

Versuch von Erklärung und Aufklärung (erster Teil)

Meiner letzter Artikel ist entstanden, nachdem sich all der Hass und die Verachtung unseren "Medien" gegenüber lange genug aufgestaut hatte. Aber auch der Gedanke an die Ohnmacht, mit der nicht vernetzte, nicht internetaffine und nicht englischkundige Mitmenschen dem Medienkomplex schutzlos ausgeliefert sind, hatte lange genug Zeit in meinem Hirn zu reifen, bevor ich endlich Gelegenheit hatte diese Gedanken auf meine Tastatur zu kotzen.

Ich war selbst auf Arbeit als am Freitag um 08:17 Uhr die Katastrophe über Japan hereinbrach. Ich wäre auch den ganzen Samstag und Sonntag von 04:30 - 18:30 Uhr dem "Atom-Atom-Stakkato" des Rundfunks ausgeliefert gewesen, wenn ich mir das Wochenende nicht für Büroarbeit freigehalten hätte. So konnte ich wenigstens ab und zu im Netz nach der Realität schauen und meine Kollegen sachlich informieren. Ganz ehrlich, ich fühlte mich wie in "der Matrix", hatte aber zum Glück ein kleines Fenster ins RL.

Ein paar Dinge möchte ich aber nun mal beleuchten, die vielleicht ein wenig zu kurz gekommen sind, die vielleicht immer noch nicht so recht verstanden wurden, oder teilweise munter durcheinander geworfen wurden. Vieles davon ist Spekulation, einiges der Schablonen-Denkweise eines deutschen Konvis (konventioneller Kraftwerker) geschuldet. Vielleicht findet sich ja noch ein Kerni (Kernkraftwerker), der hier was berichtigen oder beisteuern kann. Es würde mich freuen.

Die Abschaltung: Es hieß, dass nach dem Erdbeben (oder währenddessen) die KKW automatisch abgeschaltet wurden. Ich weiß nicht, ob die dort eine seismologische Abschaltautomatik haben. Es könnte sein.
Aber ich denke halt konventionell, und gehe davon aus, dass die Erschütterungen die Begrenzung der Wellenschwingungsmessung überschritten haben und dadurch eine TUSA (Turbinenschnellabschaltung) ausgelöst wurde.
Man muss sich dazu vor Augen führen, dass so ein Turbosatz (Dampfturbine plus Generator plus Erregermaschine) ein -zig Meter langes Präzisonsgebilde darstellt, als dessen Kernstück etliche Tonnen Präzisionsstahl rasend schnell innerhalb sehr enger Spaltmaße rotieren. Wellenschwingungen können dazu führen, dass Resonanzen entstehen und sich immer weiter aufschwingen könnten, bis die Turbine zerstört würde.
Das muss verhindert werden, weil erstens dabei riesige destruktive Energien freigesetzt würden, und zweitens so ein Turbosatz nicht "von der Stange" zu kaufen ist. Es gibt nur sehr wenige Hersteller, die so eine Welle überhaupt noch schmieden können, und die Komplettierung eines ganzen Stranges dauert Jahre. Daher der Schutz, daher (denke ich) die automatische Abschaltung der Turbine, und damit die Trennung des Generators vom angeschlossenen Überlandnetz.

Die Reaktoren hätten in diesem Fall aber immernoch geordnet heruntergefahren werden können, da sie der Turbine ja lediglich "zuliefern" und auch völlig autark betrieben werden können.Schuld an der RESA (Reaktorschnellabschaltung) war meines Erachtens nach der komplette Ausfall der Überland-Stromversorgung.

Der Stromausfall: Normalerweise versorgen sich Kraftwerksblöcke elektrisch autark. Sie zweigen einfach ein wenig (ca 5 - 10%) des eigenen Energieoutputs ab und versorgen sich damit. Wenn, wie oben beschrieben, der eigene Generator keinen Strom erzeugt, muss man sich die Elektroenergie aus dem Überlandnetz holen (über einen sog. Fremdnetztrafo). Das ist der Normalfall bei jedem An- und Abfahren eines Blockes.

Wenn nun aber die Versorgung vom Überlandnetz zusammenbricht, ist kein planmäßig geordnetes Abfahren mehr möglich, da man nun auf die eigene Notstromversorgung angewiesen ist. Diese besteht aus zwei Komponenten. Da sind einmal Notstromaggregate (Diesel, oder Gasturbinen), die mehrfach redundant ausgelegt, auf jeden Fall das gefahrlose Abfahren in einen sicheren Zustand ermöglichen müssen. Damit können alle Hauptkomponenten sicher abgetourt werden.

Sollte diese Notstromversorgung auch noch zusammenbrechen, ist man auf Batterien angewiesen. Das ist sozusagen nur noch ein Lebenserhaltungssystem. Kommunikationanlagen, Leittechnik, Not-Ölpumpen mit Gleichstrommotoren, irgendwelche Notsysteme werden davon für ein paar Stunden gespeist. Damit gewinnt man Zeit, um die eigentliche Notstromversorgung (oder das Fremdnetz) wieder in Gang zu bekommen.

Im Fall Japan haben sich ja nun mehrere Kraftwerke in der selben Region gleichzeitig vom Netz getrennt, das heißt, dass das Netz mangels Erzeugerleistung zusammenbrechen musste. In Deutschland würde das genauso passieren, egal, ob konventionelle oder KKW sich in Massen abschalten.

Die Notstromaggregate waren nun in mehreren Fällen nicht in der Lage, die Wasserversorgung für ihre Kraftwerksblöcke aufrecht zu erhalten, da sie z.B. überspült waren, oder vielleicht erdbebeninduzierte mechanische Defekte auftraten. Das splittet nun schonmal die externen Hilfsmöglichkeiten.
Die Batterien sind, wie gesagt, nur für ein paar Stunden leistungsfähig. Sie sollten aber schonmal etwas Zeit gebracht haben, in der die Reaktoren abkühlen konnten. Aber alles was an Wärme noch übrig ist, muss irgendwo hin weg.

Ende erster Teil

Hier gehts weiter zum zweiten Teil.

Montag, 7. März 2011

Neues aus dem Kraftwerk (Jetzt auch geordnet!)

Der vorerst letzte Teil 5. "Gewässerkunde" ist gerade fertig geworden, und womit ich nun weitermachen soll, weiß ich gerade nicht so recht.

Hier erstmal die (lediglich) chronologisch geordneten Links zu den Vorgängerfolgen dieser Serie:

1. Die Ankündigung (Kraftwerkstechnik)
2. Der Prolog: "Wasser kochen"
3. "Feuer machen" (ein Vorwort)
4. "Feuer machen" 2.Teil

Fragen und Kritik nehme ich gern entgegen. Vielleicht würde mir das helfen, eine Themenpriorität zu erkennen.

Gedanklich in Planung sind Themen wie "Wirkungsgrad", "Umweltschutz", "Turbine", "interessante Komponenten", "elektrischer Eigenbedarf", "Un- und Schadensfälle", "Notfälle", "Drumherum", "Arten von Kraftwerken" ... usw.

Mittwoch, 2. März 2011

Ankündigung: Kraftwerkstechnik

Ich habe mich entschieden, doch ein wenig Calimero-Berufskompetenz hier einfließen zu lassen, und eröffne heute eine neue Sektion in der Rumpelkammer.

Es geht, worum sonst, um Kraftwerkstechnik. In den Medien kommen Kraftwerke ja dauernd vor (meist garniert mit Archivbildern von „rauchenden Schloten“), aber die wenigsten Mitmenschen haben überhaupt eine Ahnung, wie so ein Dingen von innen aussieht und funktioniert (Journalisten eingeschlossen).

Wie denn auch? In der DDR war es noch Bestandteil des, ich glaube, Heimatkundeunterrichts wenigstens das Grundprinzip von Dampfkraftwerken kennenzulernen. Wie das heute ist weiß ich nicht, aber ich schätze mal, dass unsere GEW-Lehrer Kraftwerke vor allem als Hort des Bösen anprangern. Dabei sind gerade sie es (ich meine natürlich die Kraftwerke), die diesen ganzen westlichen Zivilisationszirkus hier möglich machen. 

Ein bissl mehr Respekt würde ich mir da schon wünschen. Aber dazu gehört halt auch Aufklärung. Nun ist es leider so, dass die Leute die dauernd über Kraftwerke reden meist keine Ahnung haben, während die Leute die Ahnung haben sich eher nicht so sehr um ein möglicherweise vorhandenes Publikum scheren.
Fachliteratur gibt es genug, aber wer liest die schon außer den Insidern? Und nach außen hin lassen sich die Techniker liebend gern von Öffentlichkeitsarbeitern vertreten, die dann aber auch meist nur simple Übersichten mit schönen Worten garnieren. 

Was fehlt, ist so eine Art „Sendung mit der Maus“  in Schriftform. Eine Trivialdarstellung, angesiedelt zwischen Kraftwerkersprech und PR-Präsentationen. Nun weiß ich nicht, wieviele Leute sowas überhaupt interessieren sollte, aber ich schreibe das vor allem für mich auf. Wenn unter fremden Leuten irgendwann mein Beruf zur Sprache kommt, dann ist eigentlich immer ein großes Interesse da. „Sag doch mal, wie is denn das eigentlich im Kraftwerk so genau?“ Und ich muss zugeben, dass ich da regelmäßig ins Schwimmen gerate. 

Nicht weil ich nicht wüsste was es zu erzählen gäbe, aber ich könnte vom Hundertsten ins Tausendste geraten, während mein Gesprächspartner eigentlich nur ein wenig Stoff in sein persönliches Wissensvakuum bringen möchte. Daher ist es auch für mich schön, so eine Art Erzählskelett in der Hinterhand zu haben.

Wie ich die Sache richtig angehe weiß ich noch nicht. Ein bissl wird alles sicherlich an Kindersendungen erinnern, aber ich will ja etwas plastisch darstellen, ohne in Fachsprache zu verfallen und Berechnungen einfließen lassen zu müssen. Es kann also etwas unscharf werden, garantiert keine Doktorarbeit, aber ich will was zusammenbasteln, um evtl. mal meinen Kindern meinen Job erklären zu können.

Zu meiner Person: Ich habe den Job einmal gelernt und auch einen entsprechenden Facharbeiterbrief. Nach der Wende guckte die IHK ganz scheu, weil es den „Kraftwerker/WK-Maschinisten“  als Ausbildungsberuf in (West-) Deutschland nicht gab. Da wurde dann halt „anerkannt“ und „gleichgestellt“. Ich habe aber die Möglichkeit ergriffen, meinen Job als „Zusatzqualifikation“ nochmals zu erlernen und prüfen zu lassen (wieder  ca drei Jahre) und habe somit auch ein gültiges IHK-Zeugnis als „geprüfter Kraftwerker“. Mittlerweile bin ich sogar „geprüfter Kraftwerksmeister“ und ein wenig über zwanzig Jahre in Kraftwerken unterwegs. Einen Haufen Fachliteratur habe ich hinter mir zu stehen und einiges an Erfahrung bringe ich hier auch mit rein. Mal gucken, ob ich meine Texte ansprechend gestalten kann. 

Es wäre schön, wenn mehr Leute wüssten, wo ihr Strom herkommt. Ich versuche mich mal.