Dienstag, 21. Juni 2011

Hotelanlagen

Jetzt liege ich hier in unserem Zimmer rum und habe doch mal Zeit zum Bloggen. Warum? Ich könnte mich ja auch draußen hinsetzen und die Sonne genießen.
Ha, vonwegen! Das thyrrenische Meer hat seit gestern Rüpeltage, und die Lifeguards verbieten den Sprung in die aufgewühlten Fluten. Da liegen zwischen all dem Sand halt auch ein paar größere Brocken in ein bis zwei Metern Tiefe, und wer möchte schon irgendwelche sonnencremeglitschigen Urlauber aus den Wellen bergen, wenn die unsanft mit solchen Klamotten kollidiert sind?
Nuja, dementsprechend ist natürlich auch der Poolbereich komplett besetzt. Mist. Wären wir mal früher aufgestanden ... aber, hey, es ist doch Urlaub!

Genau, es ist Urlaub, und da kann ich ja auch ein bissl Reisetagebuch führen. Heute jedenfalls.

Es gab mal zwei Dinge die für mich früher nie in Betracht gekommen wären - urlaubstechnisch. All inclusive und Hotelanlagen mit Privatstrand.
Heute bin ich da anderer Meinung. Bin wohl auch älter geworden, oder habe einfach schon genug anderes erlebt. All inclusive war für mich immer der Inbegriff des Fress- und Sauftourismus. Losgelassene, laute Teutonentrupps (wahlweise auch Briten oder Russen), die bis Mittag im Bett bleiben um sich dann am Pool für den Abend warmzutrinken, während rund um die Uhr gefuttert wird. Uargs!

Ist aber nicht so. Das rund um die Uhr zur Verfügung stehende Angebot macht die Leute irgendwie entspannter. Da konzentriert sich nix auf die drei Stunden Frühstück oder Dinner, so dass ausgehungerte TUI-Hyänen sich über das Buffet werfen müssten. Angenehm, Pluspunkt.
Getränketechnisch ist es sowieso relaxter, wenn man nicht für jedes Glas Cola bezahlen muss, oder um dem zu entgehen, flaschenweise Supermarktware im Zimmer bunkert. Nächster Pluspunkt.

Aber nun - Hotelanlagen. Der betongewordene Horror. Touri-Knäste, aus denen sich der einmal eingezogene  Feriengast nicht mehr rausbewegen muss. Poollandschaft, Restaurants, Tennisplatz, Bars und Kaufmichläden ... alles da. Und damit es nicht langweilig wird, erschrecken auch ab und an irgendwelche Animateure die hochroten, käseweißen, oder braunglänzenden Liegestuhlmaden mit dem einstudierten Hoteltanz der Saison.

Caramba, Karacho, olè!

Ja, nein. Es muss ja kein Bunker sein. Hier zumindest haben sie es sehr schön hinbekommen. Wirklich. Die kleinen Hüttchen und niedrigen Bauten inmitten eines grünpalmigen, ruhigen Geckoreservats machen echt Freude. Gegen den hoteleigenen Strand habe ich auch nichts mehr, nachdem mich früher dauernd irgendwelche fliegenden Händler aus meiner Ruhe meinten reißen zu müssen. (Meine Ex hat mal aus lauter Verzweiflung irgend so einem Strand-Bauchhändler ein Schälchen Weintrauben für später umgerechnet 25 DM "abgekauft")
Naja, und um meinen Kindle brauche ich mir auch keine Sorgen machen, wenn ich dann mal wieder ins Wasser darf...

Tja, und die Animateure ... hm, man muss es nicht mögen. Man muss aber auch nicht mitmachen. Und da hier allem Anschein nach vor allem temperamentlose Deutsche rumlungern, haben sich die Hotel-Spaßmacher sicherheitshalber wohl mehr auf auto-animation verlegt.
Aber sollen sie. Wie oft habe ich in schnuckeligen kleinen Hotels gewohnt, die abends, laut Prospekt, in ihre gemütliche Pianobar einluden, wo wir dann allerdings allein mit dem Piano und dem Barmann/Rezeptionisten waren. So treibt es die Hotelinsassen nach dem Dinner halt gemeinsam an die weitgehend kostenlose Bar zu den Animateuren und klavizimbelnden Frank Sinatra Gedächtnisinterpreten. Ist doch nett!
Wenn ich will, kann ich ja trotzdem in der mittelalterlichen Stadt flanieren und bei dortigen Gastronomen einkehren. Also bisher habe ich nur Pluspunkte auf der Liste.

Wenn da nicht die Bändchen wären. Also mir ist es ja eigentlich egal, aber ich habe noch die gutmenschliche  Kritik von Bekannten in den Ohren, dass man damit ja irgendwie beringt wäre wie eine Brieftaube, und das ganze dann doch eine Art Stigmatisierung bedeutete. Armbändchen gleich "all inclusive" gleich unselbständiger Frachtguttourist. Menschenmaterial mit am Arm zu tragender Ohrmarke, für alle erkennbar - uiuiui!

Nö, also ich sehe es sportlich. Wie eine Art billigen Modeschmuck, oder das Vereinsabzeichen als Kettenanhänger. Und ... es lädt zum Sinnieren ein.

Ich bin ja ein Weißband-Urlauber wie die meisten. Mittelschicht sozusagen. Dann gibt es noch die Goldbändchenträger, die "Reichen", die (nach Voranmeldung) kostenlos im a la cartè Restaurant dinnieren dürfen und wohl alle Cocktails inclusive haben. Hm, brauche ich nicht.
Kinder haben rote Bändchen. Da bedauere ich einen offensichtlich über 2 Meter großen Jungmann, der noch mit dem roten Kindchenstigma rumlaufen muss. Der Ärmste macht doch hier keinen Stich bei den Mädels! Die wollen doch einen, der ihnen auch mal ne Whisky-Cola holen kann! Ungerechte Welt.

Ja und dann sah ich heute ein Pärchen mit grünen Armbändern. Was sind wohl das für welche? Öko-Touris?
Werden bei denen die Handtücher nur alle vierzehn Tage gewechselt? Die Bude nicht gewischt, sondern nur gefegt? Klimaanlage, wenn überhaupt vorhanden, dann zentral gesteuert? Kein Kühlschrank, und Strom nur stundenweise?

Fragen über Fragen.

Naja, das soll es für heute gewesen sein. Morgen gehts erstmal rüber nach Sizilien, und heute, so hoffe ich doch, auch nochmal in irgend ein Gewässer.

Herzliche Grüße an alle Daheimgebliebenen ... Calimero

Kommentare:

  1. Sehr entspannter Artikel! Auf Sizilien auf keinen Fall Taormina verpassen.
    Schönen Urlaub

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  2. Ja danke! Meist schreibe ich hier ja über Ärgerliches oder Absurdes, aber warum nicht auch einfach mal einen entspannten Urlaubstext bringen?

    Ist doch schön, und für hoffentlich viele steigert es vielleicht auch die Vorfreude auf den eigenen Sommerurlaub.

    Und wegen ihrem Kommentar freue ich mich umso mehr auf Taormina morgen! Danke!

    Beste Grüße, Calimero

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  3. Lieber Calimero,

    es gibt sie also noch, die kleinen Freuden des Lebens! Wenn man ständig in den entsprechenden Blogs schmökert wird man irgendwann verbiestert und mutlos, so nette Geschichten wie die Ihre heitern auf und versöhnen ein wenig mit der Welt.

    Mit Frau und Tochter fliege ich am 30. Juni an Floridas Westküste, 4 Wochen in einem Haus mit Pool und allem Schnickschnack und dazu einen 6-Zylinder-SUV unterm Hintern! Völlig ungebunden, mitten unter freundlichen, unkomplizierten Eingeborenen, weit weg von German Angst!

    Herz, was willst Du mehr!

    In diesem Sinne schönen Urlaub, lieber Calimero

    Gruß Götz

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