Dienstag, 1. November 2011

Frag doch mal das Volk

Ich hau mich weg! Was hat der listenreiche Grieche sich denn dabei gedacht?
In einer Sitzung seiner sozialistischen Regierungsfraktion kündigte der Regierungschef am Montagabend völlig überraschend an, dass er die EU-Gipfelbeschlüsse, denen er selbst erst vor fünf  Tagen zugestimmt hat, nun zur Volksabstimmung stellen will. 
Da sitzen die Euroland-Machthaber zum x-undzwanzigsten Male auf einem Gipfel herum, um sich nun endlich die wirklich wahre Eurorettung auszuschwitzen, und dann lässt Papa urplötzlich so einen Korken raus?

Holla! War es, wie der erste Kommentator des Artikels vermutete, so, dass Giorgious auch ein paar CDS gekauft hat und nun um seine wohlverdiente Pleite gebracht wurde?
Oder überkam ihn die Angst, weil er am Samstag angeblich selbst fast attackiert wurde? Panik vor einem "griechischen Frühling" mit abschließendem (Foto-)Shooting vorm Erdloch?

Völlig egal, aber ich könnte mir vorstellen, dass nach diesen News so etliche Regenten mal ganz herzhaft in ihre Schreibtischkante gebissen haben. Beim Zeus! Der spinnt doch, der Grieche!

Wie geht es nun weiter? Ist der Euro nun doch noch nicht gerettet? Oder wird jetzt die endgültige Mutter aller Eurorettungen fällig? Können wir uns noch auf weitere Gipfel freuen bis die Hellenen abgestimmt haben, oder wird denen das vom Zentralkommissariat verboten? Was sagt die EZB und der IWF dazu?

Ignoriert man auf europäischer Ebene diesen Volksdingens-Quatsch einfach? Oder vielleicht doch solange abstimmen lassen, bis das Ergebnis passt? Darin hat man ja Übung, und vielleicht ginge da auch was mit UN-Beobachtern oder so...

Wie wäre es mit Bestechung finanziellem Entgegenkommen? Oder dem Aufbau einer griechischen Solarindustrie, in der alle lebenden und mal gelebt habenden Griechen für die nächsten 99 Jahre eine Festanstellung ohne Anwesenheitspflicht bekommen?
Schön wäre auch eine Quote für die Zumischung von 20% griechischem Olivenöl in europäischen Dieselkraftstoff. Wenn die Quote nicht erfüllt wird, müssen halt die Mineralölkonzerne (haha) Strafen zahlen.

Also hey, ich dachte ja, dass dieser EFSF mit oder ohne einarmigen Hebel stirbt, weil die Iren nun auch an den Trog wollen, oder weil die Chinesen da nicht mitmachen wollen. Vielleicht auch, weil die "Rettung" Italien anscheinend nichts bringt, aber dass Papa Greek nach unendlich vielen Gipfeleien mal auf die Idee kommt sein Volk zu befragen, was es ihm eigentlich mit diesem ganzen Nazikarneval und dem Deutschlandfahne verbrennen sagen will ... darauf wäre ich nicht gekommen.

Es bleibt spannend.

Kommentare:

  1. Tja, das ist ja nu mal 'n Ding! Wenn also die Griechen (wann wohl?) mit "nein" stimmen, also sich garnicht retten lassen wollen, was dann?

    Dann bleibt ja nur der Austritt aus dem Euro und der Staatsbankrott. Und diesen Bankrott dürfen wir dann mit ganz vielen Drachmen bezahlen. Wie auch immer, wir werden es bezahlen.

    Es könnte aber auch sein, daß man sich bei der EU plötzlich an den Wortlaut der Lissabon-Verträge erinnert. Nur in diesem Falle zahlen die Griechen ihren Bankrott selbst.

    Man kann also auf die Entdeckung der Vertragstexte - und die Berufung darauf - gespannt sein.

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  2. Ich bezweifel stark das es zu einer Volksabstimmung kommen wird. imho ist diese "Drohung" nichts anderes als ein neues Geschachere um mehr Schulden erlassen zu bekommen. Frei nach der Devise "Seht her, das Griechische Volk kann diese Last nicht tragen, ihr müßt uns noch mehr Schulden erlassen", damit wir zustimmen können."

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  3. "Ich bezweifel stark..."

    Nach der mentalen Verfassung der Griechen zu urteilen, wäre es Öl ins Feuer zu gießen, nähme man die angekündigte Volksabstimmung zurück.

    Die Alternative wäre: ALLE Schulden zu streichen und den Staat in seiner Desorganisation und traditionellen Unfähigkeit von neuem weiterwurschteln zu lassen. Dann ist nur eines wirklich verläßlich: In spätestens 10 Jahren ist alles wieder wie 2011.

    Und genau an diesem Beispiel wird sich die gesamte Süd-Euro-Zone orientieren. Das ist nur allzu menschlich und nicht zu verhindern. Um es zu verhindern, geht kein Weg an der Errichtung einer massiven EU-Diktatur vorbei. Und genau daran arbeiten mit Bienenfleiß alle Regierungen der gesamten EUDSSR mitsamt dem ulkigen Scheinparlament in Brüssel/Straßburg...

    Falls noch jemand mit großen runden Augen fragen sollte, wie es denn 1933 "dazu kommen konnte": Einfach die Gegenwart beobachten, dann puzeln einem die Antworten in Fülle entgegen.

    Beim Geld hört alle Freundschaft auf. War immer und überall so. Nichts hat Europa nach 1945 so gespalten, wie der Euro. Aus solchen Samenkörnern sprießen seit Menschengedenken Kriege. Die Griechen sprechen wieder von Besatzungsmacht und verbrennen deutsche Fahnen. Und die Deutschen halten willig den Arsch hin, um neue Tritte masochistisch hechelnd (von allen) zu erwarten.

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  4. Zum ganzen Komplex 'Was reitet Papandreu?' und 'Wie werden die europäischen Schirmständer darauf reagieren?' empfehle ich den letzten Artikel vom Smart Investor bei Rott&Meyer:

    wag the dog

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  5. Glaubt jemand an eine (irgendwie echt total) ungewollte Fehlentwicklung? Hat Bernanke etwa nicht gesagt, daß der Euro zwar kommen, aber keinen Bestand haben wird?
    War ich doch neulich im Wallstreet-Hotel Berlin Mitte, und was liegen für Käsblättchen auf dem Tresen aus? Der Tagesspeichel und die TAZ. Es scheint, als ob Marx und Rothschild sich gar nicht so spinnefeind sind, wie man für gewöhnlich wähnt.

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