Montag, 8. August 2011

Wiedermal gerettet

Hach, es ist so herrlich. Die EZB will nun auch spanische und italienische Staatsanleihen aufkaufen um "die Märkte" zu beruhigen.

Also erstmal stellt sich mir als ökonomischem Amateur die Frage, ob man mittlerweile keine eigene Knete mehr braucht um irgendwas zu kaufen.
Ja klar geht das auch mit Kredit ... aber wer borgt denn der EZB dafür was? Ach, keiner? Die kann die Kohle selbst drucken? Meine Fresse, also wenn unsereins ein paar tausend Tonnen Baumwollpapier zur Bundesdruckerei schaffte, dann könnten wir auch die Anleihen von Italien, Spanien, Griechenland etc kaufen?

Nee, geht nicht? Wieso?

Weil man unsereinem nicht vertrauen könnte und wir damit zu Falschgeld-in-Umlauf-Bringern würden?
Ach, das ist ja blöd. Schade, dass nur die EZB als Notenbank der Eurozone so ein tolles Vertrauen genießt. Die können das natürlich, denn "die Märkte" wissen ja, dass die Währungshüter penibel darauf achten, dass kein Falschgeld im Umlauf gerät. Nee, so eine Währung braucht ja Vertrauen - da kann ja nicht jeder irgendwie "frisches" Geld verteilen wie es ihm grad passt. Sonst ist so ein Geld ja schließlich nix wert, dafür verkauft einem ja keiner mehr was. Wäre ja schrecklich!

Okay, aber wenn die EZB so eine vertrauenswürdige Währungshüterin ist, dass sie jeden Schrott mit selbstgebasteltem Luftgeld aufkaufen kann ... warum zum Geier kaufen die nicht die gesamten Schuldscheine aller Euroländer? Ich meine, hier in der Bunten Republik hat man ja auch diverse angegammelte Wechsel im Keller rumliegen für deren Umrubelung jedes Jahr mehr Zinsen notwendig sind. Das ist doch bescheuert!

Warum soll ich für den ganzen Scheiß ohne Ende Steuern ablatzen, wenn die EZB den Mist den versammelten Gläubigern auch einfach abkaufen kann?

Mein Gott, soll sie die Schuldscheine doch haben. Soll sie sie im Keller verbunkern, die EZB. Am besten alle. All over the world ... Kellerluke auf, und rein den Kram. Jeder Verkäufer kriegt seine Außenstände in voll geilen Euros ausgezahlt, und dann kann er damit mal richtig shoppen gehen. Was kostet die Welt?

Ey, das wäre doch paradiesisch! Die Gläubiger wären auf einen Schlag ihre Sorgen los und schwämmen im Geld. Auf der anderen Seite wären alle plötzlich schuldenfrei und damit auch ihre lästigen Zinsverpflichtungen los.
Na ja, nicht so richtig schuldenfrei. Also bei der EZB hätte man dann natürlich so ein paar Fantastilliarden auf'm Deckel, aber was soll die schon tun?

Wenn du nicht pünktlich zahlst, dann ... dann ... ähm, ... dann schließen wir dich aus dem Euro aus! Öhm ... mal überlegen. Können wir nicht weiter drin bleiben, damit der Euro stark bleibt? Was soll denn das für eine Europa-Währung sein, wenn da wichtige Euroländer ausgeschlossen würde?
Also ... wir würden dann auch versprechen zu sparen. Ab 2020 geht es dann voll los mit Schuldentilgung und Haushaltskonsolidierung und dem ganzen Kram - Indianerehrenwort!

Und wenn du weiter rumzickst, du EZB, dann gehen wir auch einfach so. Alleine! Wirst schon sehen, was du davon hast! Eine Zentralbank ohne Währungsraum ... pah! Das willste nicht wirklich, oder? Also halt einfach die Klappe und vertrau mal schön auf'n Chef. Vaddi macht dat schon.

Ich verstehe echt nicht mehr, wieso die Politkasper da dauernd rumtelefonieren und von einem Gipfel zum anderen jetten. Es ist doch so dermaßen einfach, und Trichet ist doch nun auch echt weichgekocht - also ran an die Buletten! Soll die EZB doch gleich die ganze Welt beruhigen. Nicht kleckern, klotzen!

Und jetzt ehrlich: Ich begreife den ganzen Zirkus echt nicht mehr. Das Ignorieren der Sterblichkeit schützt nicht vorm Tode. Auch Rituale nicht.

Kommentare:

  1. Lieber Calimero,

    langsam fällt einem zu diesem Wahnsinn nichts mehr ein. Ich bewundere Sie, daß Sie es noch schaffen, der Sache mit Sarkasmus zu begegnen - ich habe das Gefühl, da schon weiter zu sein. :/

    Ich kann nur jedem raten, sich "Wohlstand für alle" von Ludwig Erhard durchzulesen: http://www.ludwig-erhard-stiftung.de/index.php?seite=13&act=sonstige (frei herunterzuladen) Da stand schon damals alles drin inkl. Warnungen vor dem Irrweg, auf dem sich die Politik heute befindet.

    Nachdem die jahrzehntelange Verschuldungspolitik, vor der immer wieder gewarnt wurde, nun gewaltsam an ein Ende kommt, weil langsam aber sicher alle bis Oberkante Unterlippe voll sind, da unsere Politiker es nicht fertigbringen, auch nur ein einziges Mal mit ihrem Budget hinzukommen, wird nun was gemacht? Erfolgt eine ehrliche Bestandsaufnahme? Nein. Wird erkannt, daß es so nicht weitergehen kann? Nein. Was dann? Es werden Ausflüchte gesucht, indem "Spekulanten" etc. die Schuld in die Schuhe geschoben wird. Werden nun endlich dringend notwendige Strukturreformen durchgeführt? Fehlanzeige. Wird es überhaupt versucht? Auch nicht. Wird auch nur daran gedacht, den ganzen Wasserkopf an Unsinn (ich spare mir hier mal die übliche lange Liste mit Beispielen), den der Staat aufgebaut hat, zurückzustutzen? Lieber nicht, denn das könnte ja zum Verlust sinnloser, aber flauschiger Versorgungsposten führen. Bürokratieabbau, Steuerreform? Reine Wahlkampfthemen. Haushaltskonsolidierung? Ganz wichtig, fangen wir bald mit an, nur jetzt gerade paßt es nicht. Wenn das mit der Verschuldung nun nicht mehr weitergehen kann, was nun? Vernunft kehrt ja auch weiterhin nicht ein, wie wir als Zeitzeugen leider bitter feststellen müssen. Was wird stattdessen gemacht? Wenn einem keiner mehr Geld gibt, werden eben alle Regeln über Bord geworfen und man druckt sich frisches. Im Klartext: Die Politik steuert uns weiter ungebremst auf den Abgrund zu, nur das Tempo wurde nochmals beträchtlich erhöht.

    Ich bin nicht in der DDR großgeworden, sondern in Westdeutschland. Und daher bin ich immer davon ausgegangen, von irgendwelchen irrwitzigen Experimenten größenwahnsinniger Politiker verschont zu werden. Das stellt sich leider langsam aber sicher als Irrtum raus ...


    Zwei Zitate, die mir in den Sinn kommen zum Bruch aller relevanten Regeln zu Verschuldung, Währungssicherung usw.:

    - "Nach Millionen kommen Milliarden, nach Milliarden kommen Billionen und nach Billionen kommt 1923." (Unbekannter Autor)

    - In Anlehnung dessen, daß diese katastrophale Entwicklung unter ausdrücklicher Zustimmung und aktiver Beteiligung unserer Regierung erfolgt sowie auch von der Opposition gewünscht wird: "Und so geht die Freiheit zugrunde - mit donnerndem Applaus." (Senatorin Padmé Amidala in Episode III)


    Rette sich, wer kann! Und bei der nächsten Wahl genau überlegen, ob man dem durchdrehenden Einheitsbrei im Bundestag noch einmal seine Stimme gibt ...

    MfG

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  2. Tja, niemand möchte derjenige sein, bei dem das Spiel aus ist, das über Jahrzehnte so schön funktioniert hat (Ich natürlich auch nicht). Deshalb wird das schlaffe Gummiboot mit immer neuen Hilfskonstruktionen gerademal so über Wasser gehalten - nur noch bis zur nächsten Legislaturperiode! Koste es, was es wolle!
    Tut es auch.

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  3. Ich bin im Krisenrausch. Es ist so schön, endlich mal wieder vom Ende der Welt träumen zu dürfen.

    http://www.politplatschquatsch.com/2011/08/immer-wieder-gern-das-ende-der-welt.html

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