Samstag, 30. April 2011

Behördenwillkür!

Behördenwillkür!!! Die Versammlungsbehörde hat eine 1.Mai-Demo verboten. Dabei wollte ich dort fast schon "Revolutionäre gucken" fahren.
Es handelt sich um eine Veranstaltung unter dem Motto "Evolutionäre 1. Mai-Demonstration 2011 - Gegen die Zensur von Bombenbauanleitungen - Für den großen Knall". (...) Zu den Gründen des Verbots machte die Polizei keine Angaben.
Also echt, das ist mal wieder voll undemokratisches Faschogebaren. Absolute Willkür halt. Nichtmal Angaben zu den Gründen für dieses Verbot der Meinungsfreiheit machen diese Kapitalistenbüttel. Fuck the system!


P.S. Die nächsten Tage ist hier garantiert nix los - ich guck mir mal ein PIIGS-Land vor Ort an. Bis die Tage ... Calimero

Mittwoch, 27. April 2011

Ausweichaktivitäten

Es gibt Tage, da gäbe es so viel zu schreiben. Die EU gibt immer wieder genug Anlässe um böse, hämisch, sarkastisch, oder einfach nur spitzfindig in die Tasten zu greifen. Man könnte Sarkozys Aussetzung des Schengen-Abkommens gegen die virtuell erwünschten Schengen-Grenzen im Internet setzen.
Man könnte sich auch wieder einmal heftig an den Kopf fassen, wenn EU-Kommissare meinen, dass sie alles zu unserem Besten regeln müssen. Hier zum Beispiel beim bekloppten Ansinnen südeuropäisches Wasser an nordeuropäischen Wasserhähnen einzusparen.

Man könnte auch mal positiv sein, und z.B. Wolfram Weimer danken, weil er wenigstens noch anspricht, dass der Euro-Stabilitätspakt nur ein Enteignungsprogramm zu Gunsten der europäischen Peripherie darstellt, und wir sozusagen sehenden Auges verkauft werden.
Kurzzeitig hatte ich auch erwogen, mal einen längeren Stromausfall gedankenspielerisch darzustellen, weil ich gerade eine schön detaillierte Präsentation zur derzeitigen Lage im Überlandnetz vorzuliegen habe (schon gruselig)...

Aber echt mal - sorry - wie oft hatten wir das schon? Die EU-Kommissare denken sich Öko-Schwachsinn aus? Never ending Story.
Verträge sollen gebrochen werden? Pfft - Bockwurst. Manchmal wünscht man es sich insgeheim sogar.
Das Internet soll zensiert werden? Ach, durch irgendeine Hintertür werden sie es schon irgendwann schaffen (werden sie denken).
Die Euro-Rettung ist sichtlich vergebenes Versenken von Steuergeld? Wen soll man denn sonst wählen? Man kann ja die Kanzlerin schlecht stürzen, und alles was sonst so droht ist ja nur noch schlimmer!
Naja, und Strom ist doch immer noch da ... allen Unkenrufen zum Trotz. Kann ja alles nicht so schlimm sein, oder? (doch, isses).

Es ist so ermüdend. Immer derselbe Kleister. Manchmal habe ich da einfach keinen Bock mehr drauf, mir ein neues (altes) Stöckchen zu suchen. Der Laden nervt einfach nur noch. :-(


Damit ich hier wenigstens irgendwas tue, habe ich meine Seitensammlung "Kraftwerksinnereien" mal um den Eintrag Umweltschutz erweitert.

Ansonsten: Zur Hölle mit den ganzen Idioten. Und ... nehmt eure Claqueure bitte gleich mit. Danke.

Samstag, 23. April 2011

Geld "fließt" tatsächlich

Da kann einem ja schwindelig werden! Auf der Seite usdebtclock.org gibt es diese und noch andere Schuldenticker, die die diversen finanziellen Global-Wasserfälle mal schön vor Augen führen können. Meine Herren!

via: Goldreporter.de

Freitag, 22. April 2011

Aufgemerkt ihr Sünder!

Nicht vergessen, heute ist Earth Day. Also haltet ein in eurem sündigen Tun, und huldigt wenigstens heute mal der allgütigen Mutter Gaia. Verstanden?

So, wer jetzt ein bissl Hilfe bei der reuigen Einkehr braucht, kann sich hier im Livestream  professionelle Hilfe holen. (Überblick dazu hier)

Wer mag, kann mich ja dann an dieser Stelle hier auf dem Laufenden halten. Ich musste leider die Audioübertragung abschalten, als mir die Möglichkeit nähergebracht werden sollte, dass ich mich von afrikanischen Eltern adoptieren lassen könnte.

War mir persönlich zu viel. Die armen Afrikaner! Weia...

Dienstag, 19. April 2011

Stinkbombe im (Rettungs)Zirkuszelt

Na, das wird ja lustig demnächst in unserer EUdSSR. Die Griechen haben sich mordsmäßig verschuldet und winden sich nun seit Monaten bei der Frage rum, wie sie da wieder raus kommen sollen. Die sozialistische Regierung in Athen tut sich so schon schwer, und andere Sozialisten erklären gleich, dass man weder zahlen kann, noch will.

Sowas freut die Finanzmärkte. Naja, bisher retten ja die angenommen noch zahlungsfähigeren EU-Staaten noch so ein wenig stümperhaft ein wenig von außen herum, was sie aber nicht unbedingt beliebter im von Staatspleite bedrohten Europa macht. Vor allem Deutschland tut sich dabei hervor, und zahlt nicht nur am meisten in den ganzen Rettungsschirm-Unsinn ein, sondern erfrecht sich auch noch, dafür ein wenig Eigenleistung zu verlangen. Auf dem Papier jedenfalls, also anfangs ... bevor Merkel und Schäuble (wie immer) einknicken.

Nuja, sei es wie es sei ... ich glaube sowieso nicht, dass das Pleite-Domino nach Griechenland, Irland und Portugal ein Ende haben wird. Auch wenn der Crah bisher noch mit Geldpflastern halbwegs aufgehalten werden konnte, wird es letztenendes doch knallen. Dafür dann mit größerer Fallhöhe und mehr Masse.

Wie lange das allerdings noch dauert, war bisher offen. Selbst als schon einige osteuropäische Länder ihren Unmut darüber geäußert hatten, dass sie für Pleiteländer mit höherem Lebensstandard nun in Haftung genommen werden sollen ist erstmal nichts passiert.

Jetzt hat aber ein kleines Volk von Nordmännern eine Stinkbombe in die Manege geworfen. Die Clowns, Gaukler und Dompteure gucken empört in Richtung Finnland, denn da schreit einer: "Euer Spiel gefällt mir nicht!"

Ach herrjeh ... die "Wahren Finnen"sind ausgebrochen und das kann Ärger bedeuten. Zumindest hier bei mir im Staatsfunk hyperventiliert man etwas. Das sind doch nicht die wahren Finnen! Nee, die wollen wir nicht. Aki Kaurismäki, Mika Häkkinnen ... ja die schon, die mögen wir. Aber übergewichtige, schwitzende Rechtspolitiker, die von ungebildeten jungen Männern gewählt werden, wie die Welt messerscharf analysierte? Zitat:
"Die fast 20 Prozent Wähler für die Wahren Finnen waren überwiegend Männer mit vergleichsweise schlechter Ausbildung. Die konnte der bebrillte, übergewichtige und oft sichtbar schwitzende Soini mit seinen Protestparolen gegen das akademische Establishment in Helsinki erfolgreich mobilisieren.
Er wirkte einfach viel farbiger als all die schlanken, akademisch wirkenden und um ausgewogene Mitte-Rhetorik bemühten Konkurrenten wie die liberale Ministerpräsidentin Mari Kiviniemi oder auch Katainen, der bisher Finanzminister war."
Tja, nun glaube ich irgendwie nicht, dass diese "Wahren Finnen" gewählt wurden, weil sie was gegen Sex vor der Ehe, zuviele Ausländer, oder die Homoehe haben. Für so rückwärtsgewandt halte ich die Finnen ja nun nicht.
Ich denke eher, dass allein ihre Anti-EUdSSR und Anti-Bail-out Haltung sie von diesen "schlanken, akademisch wirkenden und um ausgewogene Mitte-Rhetorik bemühten Konkurrenten" abgehoben hat. Die Finnen sind ja nicht dämlich, halten sie doch immerhin den europäischen PISA-Spitzenplatz (weltweit nur hinter China und Korea).

Sowas kann ein Establishment-Lautsprecher der bunten Republik  natürlich nicht verstehen. Hierzulande (PISA Rang 20) wählt der "gute Mensch" ja grün, oder rot, oder rot-grün ... oder gleich die Volksfront.
Und das obwohl schon schwarz-gelb derweil unter grüner Flagge segelt und gar nicht schnell genug nicht vorhandene Steuermilliarden in Europas Peripherie versenken kann.

Wovor hat das Establishment nun Angst? Vor der Machtergreifung finnischer Nationalkonservativer? Ach was. Davor, dass die Nordländer Portugal die "Hilfe" versagen könnten? Ich glaube nicht, macht Finnland doch nur ca 2% der Eurowirtschaft aus.

Nö, es geht um Symbolik. Ihr Veto-Recht bei den Bail-outs werden sie den Finnen schon zugestehen, vielmehr, sie werden es ihnen irgendwie abkaufen, irgendwelche Zugeständnisse machen.
Aber der Ball ist dann erstmal im Spiel, der erste Riss im Zirkuszelt. Was, wenn das Beispiel Schule macht?
Wenn noch irgendwo andere "ungebildete, junge Männer" die akademischen Politkiesel nicht mehr sehen wollen und einfach mal was anderes wählen? Wenn sich herausstellen sollte, dass die Finanzeskapaden der EURO-Bewahrer nun doch nicht "alternativlos" sein sollten? Wenn die politische Rettungsfront anfängt zu bröckeln (an den Märkten tut sie es ja eh schon)?

Nun ja, es wird spannend ... hoffe ich jedenfalls.

Montag, 18. April 2011

Bildungspolitische Zettelwirtschaft

Jetzt wollen die Berechtigten also die, der staatlichen "Weisheit" entsprungenen, Bildungsgutscheine nicht so recht annehmen. Dabei war doch alles so gut durchdacht.

Zunächst mal hat man realisiert, dass ein Großteil der deutschen Schülerschaft mittlerweile, international gesehen, dumm dasteht (PISA), und dass außerdem die ausbildenden Betriebe auch vermehrt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, bei dem was ihnen da aus den staatlichen Volksbildungsanstalten so vor die Füße gekippt wird. Ein eigenes Rezept um da Abhilfe zu schaffen hat man nicht gefunden (wie auch, bei dem schwerfälligen und zerfaserten Bildungsapparat). Aber man beobachtete, dass Eltern in privater Initiative Nachhilfeunterricht für ihre Sprösslinge organisierten, um da noch etwas zu retten.

Ja aber, das geht doch nicht! Bildung nur für Reiche? Wo bleibt da die soziale Gerechtigkeit, die Möglichkeit zur Teilhabe an unserem großartigen Staatswesen?

An dieser Stelle hätten sich unsere Politwerktätigen vielleicht erst einmal fragen sollen, wie es sein kann, dass ein staatlich organisierter Zwangsbildungsbetrieb, welcher offensichtlich in großen Teilen ineffizient ist, gerade die Leute, die den ganzen Laden durch ihre Steuern wiederum zwangsfinanzieren müssen, dazu zu bewegen scheint sich hier privatfinanziert Abhilfe schaffen zu müssen.

Nun fiele es den Bildungswerkstättlern aus dem Politbetrieb natürlich niemals ein, dass sie hier den grundsätzlichen Murks selbst verschuldet und zum jetzigen Zustand hin selbst verwaltet haben. Dass die eigentliche Ungerechtigkeit darin besteht, dass nicht einmal die Zwangszahler ein ordentliches Produkt bekommen, welches sie zu kaufen verpflichtet sind. Also verlegt man sich darauf, denjenigen, die keine finanziellen Möglichkeiten mehr haben da noch zusätzlich etwas zu tun, einen staatlichen Gutschein für private Zusatzbildung zukommen zu lassen.

Interessanterweise aber auch nur denen, die schon komplett auf staatliche Finanzierung ihres Lebensunterhaltes angewiesen sind. Die armen Schweine, die zwar noch knapp ihr Dasein eigenverantwortlich erwirtschaften, nicht transferleistungsabhängig sind, und denen nach all den Steuern und Abgaben (auch für das Schulwesen!) doch nicht mehr genug Geld für Privatunterricht übrigbleibt - die gehen leider leer aus. Kollateralschaden wohl.

Nun kennt Papa Staat natürlich seine Pappenheimer und weiß, dass ein einfacher Geldtransfer selbstverständlich nicht in die Bildung der Kinder, sondern in anderweitige Bespaßungen fließen würde. Also kommt man auf die Idee der zweckgebundenen Bildungsgutscheine.

Und jetzt? Jetzt will die Dinger anscheinend keiner haben. Na, das ist aber ärgerlich. Ärgerlich vor allem für diejenigen, die diese Scheine gern abrechnen wollen würden, und ärgerlich für die Politniks, die wieder einmal erfahren müssen, dass die menschliche Natur sich ihrem Wohlfahrtsdenken entzieht.

Was tun? Erstmal Werbung machen. Es kann ja nicht sein, dass vielleicht niemand diese Art staatlicher Wohltätigkeit brauchen kann. Es sollen also Aufkärungsplakate und Broschüren aufgelegt werden (wieder steuerfinanziert natürlich). Ich frage mich da ja, in wievielen Sprachen die nun aufgelegt werden müssen, und ob es nicht einfacher wäre gleich TV-Werbung zu schalten. Aber da wiederum - auf welchem Sender? Würde kostenlose Werbezeit beim eh schon zwangsfinanzierten Staatsfunk überhaupt die Zielgruppe erreichen?

Man könnte diese Coupons ja ganz einfach an die "Bedürftigen" verschicken, oder? Die Adressen und die Kinderzahl dürften ja amtsbekannt sein.
Aber wenn nun trotzdem nicht genug davon eingelöst werden? Ganz einfach weil sie zweckgebunden sind, und die Empfänger in diesem Verwendungszweck keinen Mehrwert für sich entdecken können? Oder wenn ihnen die dann doch teilweise vorhandene Eigenbeteiligung für die vorgeschriebene Verwendung einfach zu teuer erscheint?

Dann könnte man die Zettel ganz unkompliziert kostenlos ausgeben, keinen Namen draufdrucken und einfach warten, bis sich findige Nachhilfeanbieter aufmachen und diese gegen ein geringes Entgelt aufkaufen, um damit eventuell ihren angebotenen Privatunterricht auch für die Leute günstiger anbieten zu können, die bisher nicht vom Bildungsgutschein profitieren konnten.

Was immer auch passiert, irgendwie wird auch dieses "Geld vom Staat" seine Abnehmer finden. Ich glaube aber kaum, dass jetzt reihenweise "bildungsferne" Hartz IV Kinder in den Geigenunterricht strömen werden.

Naja, die Politik hat jedenfalls wieder einmal "gehandelt". Glückwunsch.

Nachtrag: Als weitergehenden Lesetipp empfehle ich unbedingt Politik als Cargo-Kult von Gorgasal.

Donnerstag, 14. April 2011

Berufe, die die Welt nicht braucht

Also ganz allgemein finde ich ja, dass die Berufsausbildung in Deutschland viel zu viel Zeit benötigt, nachdem sowieso schon eine sehr lange Schulbildungsphase absolviert werden musste. Die Älteren werden sich erinnern, dass auch mal acht Jahre Hauptschule mit anschließender Lehre genügten, um ein erfülltes Leben mit eigenem Einkommen und weiteren Aufstiegsmöglichkeiten führen zu können. Es gab/gibt sogar noch Firmenchefs, die ebendiesen Weg gegangen sind.

Dieser Weg scheint mir auch ein bewährter zu sein, denn in alten Märchen geht es z.B. auch noch so zu:
"Es war einmal vor langer Zeit, da lebte eine Frau mit ihrem Sohn in einer kleinen Hütte. Als der Sohn das fünfzehnte Jahr erreichte, sagte die Mutter: „Mein Sohn, Du bist nun in dem Alter, wo Du Dir einen Meister suchen musst, um etwas Anständiges zu erlernen. Ich gebe Dir hier ein Säckchen, in das ich alle Groschen tat, die ich entbehren konnte. Zieh in die Welt hinaus, und sieh zu, dass Du es zu etwas bringst, damit Du Dein Leben nicht in Armut fristen musst.“ Da verabschiedete sich der Junge von seiner Mutter, die ihn schweren Herzens in die weite Welt entließ. Und so schlug er den Weg in die nächste Stadt ein."
Ja nun, man könnte ja jetzt sagen, dass die damals mit 55 Lenzen wegen Entkräftung oder Krankheit meist schon früh ins Gras gebissen haben und wir es uns heutzutage leisten können, die Nur-Lernzeit entsprechend auszuweiten. Aber ... was lernen wir denn noch, nachdem wir übers fünfzehnte, sechzehnte Lebensjahr hinaus sind?

Die Grundlagen für eine Erweiterung des eigenen Wissenhorizonts sollten da doch mittlerweile gelegt sein, also ist der Rest doch Spezialisierung, oder? Lesen, schreiben, rechnen muss man können, ein grundlegendes Allgemeinwissen in Geschichte, Kunst und Naturwissenschaften sollte vermittelt worden sein, eine nützliche Fremdsprache wäre sehr schön - aber das war es doch im Großen und Ganzen schon. Damit kann man doch rein ins pralle Leben.

Nicht so hierzulande. Ohne Abi bist du erstmal nur ein halber Mensch. Das heißt, dass du dich bis zum neunzehnten Lebensjahr u.a. in Theatergruppen und Projektwochen rumdrückst, gefühlte zehn Jahre lang die Zeit von '33 - '45 reflektierst, Wochen der gesunden Ernährung über dich ergehen lässt, und bestimmt noch die eine oder andere Öko-Indoktrinationsveranstaltung absolvieren musst. Dann erst bist du hochschulreif.

Solltest du nicht so lange in der Schule bleiben wollen, kannst du danach ja immer noch eine Berufsausbildung machen. Aber, ganz ehrlich - für diese Ausbildungsplätze bewerben sich mittlerweile auch die neunzehnjährigen Abiturienten, und denen traut der Personalchef noch eher zu dass sie auch lesen und schreiben können. Das schmälert deine Chancen schonmal ganz schön.

In der Ausbildung verbringst du nun weitere drei bis viereinhalb Jahre. Du kannst z.B. Fachkraft für Systemgastronomie werden. Da bringt man dir in drei Jahren z.B. bei, wie du "einfache Speisen" (belegte Brötchen?), Heiß- und Aufgussgetränke zubereitest. Aber auch, wie du Marketingmaßnahmen planst, Preise kalkulierst und eine Personaleinsatzplanung hinbekommst.
Ein weites Feld, wie ich finde - aber geht das nicht auch mit "Learning by doing"?

Du kannst aber auch was Technisches machen, und z.B. Industriemechaniker werden. Da bist du nach zwei Jahren eigentlich fertig, aber dann kommt nochmal eine mindestens zweijährige Spezialisierung auf dich zu. Nach den nun geschafften vier Jahren musst du nur noch Glück haben, dass genau deine Spezialisierung auch gerade auf dem Markt gefragt ist.
Vom Mechatroniker würde ich hingegen abraten. War mal als tolle eierlegende Wollmilchsau erdacht, scheitert aber in der Praxis. Weil, wie mir oft zugetragen wurde, diese Mechatroniker nix richtig können, sondern nur von allem ein Bisschen. Mit denen kann man wohl nicht viel anfangen. Schade.

Tja, aber wenn du dein Abi geschafft hast und es nun keine Ausbildung sein soll, oder du ganz einfach nicht weißt, wozu du überhaupt Lust und Veranlagung hast ... dann studiere!

Und da gibt es mannigfaltige Möglichkeiten. Auf diesen ganzen Artikel hat mich ein gestern gehörtes Radiointerview mit einer Diplom-Puppenspielerin gebracht. Ich dachte nur, häh? Diplom-Puppenspieler? Das ist ja wie bei unserer bekanntesten Abbrecherin des Studiums der Theaterwissenschaften. Das sind doch Berufe, die die Welt nicht braucht, oder?

Das ist sogar noch beknackter als die zu Hunderten zur Floristin ausgebildeten dauerarbeitslosen Frauen, die nun auch dachten endlich einen bezahlten Beruf zu erlernen. Aber bei der Recherche entdeckte ich, dass es an Kunst- und Musikhochschulen noch jede Menge anderer "musischer" Studiengänge gibt, bei denen ich nicht immer direkt einen akademischen Grad vermutet hätte.

Ich habe da auch gleich erfahren, dass z.T. keine Studiengebüren dafür verlangt würden (z.B. Berlin/Puppenspieler), oder diese mit 400 €/Semester doch noch recht übersichtlich ausfallen. Da frage ich mich dann aber doch, wofür die ganze Zeit (so um die acht Semester)  und das ganze Geld (aus dem Landeshaushalt) dort investiert werden.
Um noch mehr Leute (jetzt mit Diplom ausgestattet), in den eh schon hochsubventionierten  Kulturbetrieb zu schleusen, auf dass sie mit Minigehältern ihr Restleben fristen? Die große Kohle machen doch eh die Stars des Genres, und bei denen ist es doch auch egal ob sie ein Diplom haben, oder?

Wofür, um alles in der Welt, braucht man diplomierte Volksmusiker? Warum gibt es eigentlich keine Diplom-Hütchenspieler? Wieso wiegt man erwachsene Menschen in dem Glauben, dass sie eine jahrelange Ausbildungszeit mit Abschluss brauchen um danach richtig Kaffee kochen, Blumensträuße binden, schauspielern, puppenspielen, oder (Gott bewahre) Volksmusik machen zu können?

Klar, "Kunst kommt von Können". Al Pacino und Bruce Willis hatten Schauspielunterricht, Johnny Cash als Kind Gittarren- und Gesangsstunden. Talent braucht auch Technik, keine Frage ... aber müssen staatliche Hochschulen unbedingt "Diplom-Spielleute" ausbilden? Könnten Diplom-Volksmusikerin Marianne und Diplom-Volksmusiker Michael eventuell mehr Fans begeistern, wenn sie mit einem staatlichen Abschluss für sich werben würden?

Tut mir leid, aber den Sinn dieses Zirkus vermag ich nicht zu erkennen.

Mittwoch, 13. April 2011

Brandanschläge und Brandanschläge

Kann sich noch jemand an die furchtbare Serie von Brandanschlägen auf Berliner Moscheen erinnern? Was war da in den Medien der Teufel los. Irgendwelche Flammennazis oder Sarrazin-Anhänger, vielleicht auch die Rechtsextremisten der Mitte oder einfach nur die Islamophoben von den bekannten Islamhasserseiten könnten es ja gewesen sein.
Man wusste es lange nicht, aber abscheulich war das Tun auf jeden Fall. Menschen- und Religionsfreiheitsverachtend war das, wie da mal irgendwas auf einer Eingangstreppe schmorte, wie mal eine Wand angerußt war, wie Papierstapel vor Kellerfenstern, oder Kanister mit einer brennbaren Flüssigkeit im Moscheehof rumfackelten.

Zum Glück war es dann doch keiner der Obengenannten, sondern nur ein irgendwie mental defizitärer Neuköllner. Danach hat man davon auch nicht mehr allzuviel gehört. Täter gefasst, Ende mit der Kokelei, war auch kein NPD-Mitglied ... Thema durch.

Nun gehts aber wieder los. Da wird nicht mehr nur an Außenwänden rumgezündelt, sondern da fliegen richtig Steine durch die Fenster und Mollies in die Bude. Und das nicht in die leere Hütte, sondern obwohl da Menschen drin sind. Auch kommt da nicht mehr nur Einer im Schutze der Nacht, sondern da greifen sechs, sieben Gestalten gleich koordiniert an. Sogar an den gesicherten Rückzug wird gedacht, indem man Krähenfüße auf der Straße verteilt um eine Autoverfolgung zu vereiteln.

Und das in der betreffenden Gegend schon zum dritten Mal in diesem Jahr! Von der ersten zweien hatte ich doch gar nichts gehört. War der Aufschrei so leise?

Na, zum Glück weiß man aber, dass es diesmal mit Sicherheit keine sarrazinlesenden Bösewichte waren. Auch wurde keine unterdrückte und diskriminierte religiöse "Minderheit" attackiert, sondern bloß "die Bullen". Sind ja auch irgendwie alles Uniformnazis oder sowas. Büttel des Kapitals jedenfalls, denn man erfährt aus dem Bekennerschreiben:
"von dieser wache werden die einsätze gefahren um den reibungslosen ablauf von kommerz und profitmaximierung im friedrichshainer kiez zu sichern."
sowie:
"Kreuzberg werde zur "polizeilichen besatzungszone" und zum "experimentierfeld für konzepte der aufstandsbekämpfung"
Also wenn das kein Grund ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Finden die "Bekenner" übrigens auch:

"Tatsächlich haben wir verdammt viele gute gründe mal so richtig auf den putz zu hauen. (...) wann und wo wir zuschlagen bestimmen wir."
Man stelle sich mal vor, irgendwelche Kapitalistenknechte würden Mollies in ein muslimisches Versammlungshaus werfen und in ihrem Selbstbezichtigungschreiben anführen, dass dort wo die Moscheen blühen, sich die Unterschichtenghettos zementieren würden, und man da deshalb keine "profitmaximierung" mehr erwirtschaften könne.

Na, das wäre aber starker Tobak. Da wäre aber die Polizei gefragt. Sofern sie da noch eine nicht abgebrannte Wache in der Nähe hätte.

Tja Jungs und Mädels von der Berliner Blaulichtabteilung, da kann euch euer Polizeipräsident Glietsch noch so oft die Regenbogenflagge hissen lassen - ihr seid sowieso immer auf der falschen Seite. Manchmal wirds da dann auch heiß.

Glück hatte übrigens der Wachenleiter. Erstmal hat er sich nicht verletzt als er aus dem Fenster sprang um die Täter zu verfolgen, und dann hatte er sich auch noch so weit im Griff, dass er nicht die Dienstwaffe zog, als er zwei der "autonomen Widerständler" gefasst hatte. So bekam er beim Widerstand gegen seine Staatsgewalt lediglich eine leichte Verletzung ab, sonst hätt's für ihn wohl eher eine ungewollte Versetzung gegeben.

Dienstag, 12. April 2011

Warum sind Dampfkraftwerke so träge?

Man glaubt es kaum, aber ich kriege tatsächlich Zuschauerpost. :-)

Sowas ist ja sehr erfreulich, und da antworte ich doch gerne wenn ich Zeit finde. Hier also die Frage des Lesers:
Wenn Du mal wieder Lust hast, uns Laien etwas über Kraftwerke beizubringen, dann würde mich interessieren, warum es so kompliziert ist und so lange dauert, eine konventionelles KW anzufahren. Gilt natürlich auch für's Abschalten...
Tja, so ein Verbrennungsmotor ist schneller in Betrieb, ne? Selbst ein riesengroßer Schiffsdiesel dürfte um Einiges flinker sein. Gasturbinen sind fixer, brauchen aber auch schon mindestens 5-10 Minuten bis zur Netzschaltung. Warum sind die großen Dampfpötte denn nun so schwerfällig?

Ganz simpel. Zwei Gründe sind maßgeblich. Der erste ist ganz einfach den spezifischen thermodynamischen Eigenschaften von Wasser geschuldet. Wie bei einem Kochtopf schon zu sehen, braucht es eine ganze Menge Energie und Zeit, um das darin befindliche Wasser zum Sieden zu bringen. Um es komplett zu verdampfen braucht es dann ja nochmal viel mehr Zeit. Das ist die eine Sache die uns bremst.

Der zweite Grund liegt in der Belastbarkeit des Materials und der Menge die davon an welcher Stelle verbaut wurde.
Jedes Metall ist ja nur in gewissen Grenzen belastbar. Das gilt für die mechanische Belastbarkeit genauso wie für die thermische. Man kann ein Metallstück z.B. biegen. Man kann es auch wieder zurückbiegen. Das Ganze auch mehrfach, aber irgendwann ist das metallische Kristallgefüge mal so geschwächt, dass das Werkstück reißt.
Genauso ist es mit Erwärmung und Abkühlung. Einmal Glühen und wieder abkühlen ist okay, mehrfach auch, aber zuviel davon bedeutet die Kristallstruktur so zu schwächen, dass das Material nachgibt.

Im Kraftwerk haben wir nun aber sowohl hohe mechanische Belastungen (sehr hohe Drücke), als auch thermische Belastungen gleichzeitig. Das führt normale Stähle schon an ihre Grenzen, also sind Spezialstähle notwendig. Aber auch diese "altern", wenn auch ihre Belastungsgrenzen weit höher liegen.
Fies sind dabei vor allem die Wechselbelastungen beim An- und Abfahren, weil das halt bedeutet von Zimmertemperatur und Normaldruck auf z.B. 400°C und 250 bar hochzuheizen, und wieder abzukühlen. Am Frischdampfaustritt/Turbineneintritt sind wir dann z.B. sogar bei 540°C.

Jetzt führen wir beide Zeithindernisse mal zusammen und nehmen uns den ganzen Komplex vor. Vor dem Kessel ist alles noch nicht so wild. Ich habe es hier beim Kesselspeisewasser schon mal ansatzweise beschrieben.
Im Verdampferbereich, der nun an der heißesten Stelle des Kessels, dem sogenannten Feuerraum (hier beschrieben) angeordnet ist, wächst die Belastung aber enorm an. Die Rohraußenwände bekommen die volle Flammentemperatur ab (ca 1000 - 1200°C), während im Rohrinneren das Wasser bei 370°C siedet. Dies aber nur mal als Beispiel, welchen Belastungen das Material da ausgesetzt sein kann.

Das Zeitproblem bekommen wir aber vor allem wegen der besonders dickwandigen Bauteile. Der ganze Wasser-Dampf-Kreislauf besteht ja nicht nur aus "dünnen" Einzelrohren, sondern eben auch aus großquerschnittigen Sammelrohren und den entsprechenden Absperrarmaturen, es gibt "Dampf-Sammler" und "-Verteiler" und eben auch die dicke Turbinenwelle aus Vollstahl und das eben auch sehr dicke Turbinengehäuse.

Da liegt die Crux. Je größer der Innendurchmesser eines zu durchströmenden Bauteils, desto stärker muss halt auch die Materialwanddicke sein. Große Innenfläche bei hohem Druck bedeutet halt eine immens größere Kraftwirkung aufs Material. Ne, is klar.
Viel Material bedeutet aber auch, dass die Durchwärmung deutlich länger braucht. Wie bei einer Coladose und einer gusseisernen Pfanne. Man kann in beide kochendes Wasser füllen, aber die Coladose lässt man wohl sehr viel schneller aus der Hand fallen, während man die Pfanne bestimmt lange auf der Hand stehen lassen könnte.
Das heißt nun, dass wir im dicken Stahl Thermospannungen bekommen, wenn die Innenseite schon sehr heiß wird (sich das Material also ausdehnt), aber außen noch alles kalt ist. Und das müssen wir unbedingt verhindern, denn sonst würde das Material noch schneller altern, oder vielleicht sogar ganz versagen. Peng!

Wir fahren dazu also alles anhand vorgegebener Transientenkurven langsam warm um solche Thermospannungen zu vermeiden. Die Leittechnik ist dabei sogar schon so intelligent, dass sie aus der Bauteilüberwachung den Alterungsprozess und Zustand des Materials mitberechnet und bei Temperatursteigerungen Grenzen setzt, die man manuell gar nicht mehr überfahren kann. Da sagt die Technik einfach "Stopp, warten!"

Dazu kommt jetzt noch etwas. Wir haben ja irgendwann an einer Stelle Dampf produziert, nicht wahr? Was würde nun passieren, wenn wir diesen Dampf einfach mal in eine kalte Rohrleitung strömen ließen? Er würde wieder kondensieren! Das ist auch völlig in Ordnung, solange wir es mit geringen Dampfmengen zu tun haben. Wir nutzen das ja auch aus, wenn wir die Rohrleitungen und Bauteile anwärmen. Dazu werden einfach Entwässerungsstutzen geöffnet, an denen das Kondensat wieder ablaufen kann. So erwärmen wir die Kiste halt Stück für Stück.

Aber würden wir z.B. die komplette Dampfmenge auf die kalte Turbine fahren, würden die vorn kondensierten Wassertröpfchen, vom durchschießenden Dampf mitgerissen, wie Geschosse auf den Turbinenschaufeln aufschlagen. Andersrum würde "kalter Dampf" in heißen Bauteilen wiederum Thermoschocks auslösen. Also alles schön langsam und geordnet!

(Nebenbei, in meinem ersten Ausbildungsjahr hatte ich mal fast die Hose voll, als ich meinen ersten "Wasserschlag" beim Öffnen einer Kesselentwässerung gehört habe. Es rumst echt gewaltig!)

Nuja, also alles dauert halt seine Zeit. Dazu kommen noch solche Spielchen wie eine mehrmalige Komplettdurchlüftung des Kessels vor dem Zünden, das Aufbauen eines künstlichen Vakuums im Maschinenkondensator, dies das jenes anwärmen und in Betrieb nehmen ... nuja. So in etwa vier bis sechs Stunden aus der kalten, zwei Stunden aus der heißen Reserve.

Abfahren geht dabei aber relativ schnell, wenn es sein muss. Nur beim langsamen "Kaltfahren" werden wieder peu a peu die Parameter eingesenkt um die Temperaturen gezielt herunter zu bekommen.

Wie ist das eigentlich mit der Netzfrequenz?

In einem wie immer sehr lesenswerten Beitrag in ef-online schreibt der hochgeschätzte Edgar L. Gärtner etwas über die Probleme von Stromnetzen bei schwankender Erzeugung, wie sie z.B. durch Windstromeinspeisung entstehen. Ihm ist dabei aber ein kleiner Fehler unterlaufen, den ich hier mal berichtigen möchte. Er schreibt:
Das europäische Verbundnetz der UCTE (Union for the Coordination of Transmission of Electricity) ist so ausgelegt, dass Frequenzschwankungen von mehr als 2,5 Hertz ausgeschlossen werden, um empfindliche und lebenswichtige Elektromotoren in Personenaufzügen, Klimaanlagen, Wasserpumpen und so weiter vor dem Durchbrennen zu schützen. Deshalb werden schon bei Frequenzänderungen von nur einem Hertz aus Sicherheitsgründen Lasten abgeworfen oder zusätzliche Kraftwerke hochgefahren, um die Frequenz zu stabilisieren.
Das ist so nun nicht richtig, was man einfach auch schon daraus herleiten kann, dass die 50 Hz Netzfrequenz und deren entsprechender Schutz ja schon bestand, bevor es überhaupt eine "empfindliche Elektronik" gab. Auch macht es wenig Sinn, einen Personenaufzug vor Orientierungsstörungen zu schützen, indem man ihm ganz den Saft abdreht.
Es ist richtig, dass moderne Aufzüge Schwierigkeiten bekommen, ihren genauen Stockwerk-Haltepunkt zu finden, wenn die Netzfrequenz nicht stimmt. Es ist auch richtig, dass drehzahlgeregelte Motoren frequenzabhängig sind, und dass Elektronik-Bauteile allgemein bei Netzschwankungen Problemchen bekommen könnten. Aber deshalb schaltet man keine Erzeuger oder Verbraucher aus Sicherheitsgründen ganz ab.

Das Problem ist hier sowohl in der Ursache, als auch in der möglichen Wirkung ein ganz banales mechanisches. Um das zu erklären, muss ich ein bissl weiter ausholen, aber kompliziert wirds nicht.

Ganz einfach geht es hier um den Schutz vor Zerstörung der Turbosätze (Turbine plus Generator) in den Erzeugerkraftwerken.
Die Netzfrequenz von (bei uns) 50 Hz resultiert ja aus der Drehbewegung der Generatorwelle mit den Rotorwicklungen im Generatorständer (dem Stator). Dort wird die Spannung induziert, die dann abgeleitet und ins Überlandnetz eingespeist wird. Bei einer Drehzahl von 3000 u/min entspricht dies 50 u/sec und das bedingt dann unsere Frequenz von 50 Hz (Schwingungen/sec). Das ist in fossilen Kraftwerken der Normalfall. In KKW ist die Drehzahl nur halb so hoch (1500 u/min), dafür hat der Generatorrotor aber doppelt soviele Polpaare und erzeugt bei jeder Umdrehung halt zwei Schwingungen und nicht nur eine.

So, warum soll am Ende nun immer eine Frequenz von 50 Hz rauskommen? In Japan haben sie z.B. 60 Hz, und im Bahnstromnetz wird auch schonmal mit 16,66 Hz gefahren. Wieder ganz einfach, man braucht einen Standard für alle Erzeuger die ins selbe Netz einspeisen, weil die Einspeisung synchron erfolgen muss. Alle Generatoren im selben Netz laufen deshalb mit exakt der gleichen Phasenlage, egal wie die nun räumlich verteilt sind. Der Grund hierfür ist, dass das große Netz jeden einzelnen kleinen Generator sozusagen "einnordet". Würde man einen Generator asynchron zuschalten, gäbe es einen Riesenruck, und das Netz würde ihn entweder sofort "hochziehen" oder abbremsen, bis er synchron zur Netzfrequenz läuft.

Gut, also die gleiche Frequenz und Phasenlage ist zwingend, aber das Netz könnte doch auch mit einer anderen Standardfrequenz schwingen. Wäre doch egal, oder?

Prinzipiell schon, wie ja Japan oder die Bahn beweisen. Es geht aber darum, eine sozusagen "gesunde" und passende Frequenz für alle Turbosätze als Standard zu definieren.
Der Grund hierfür liegt in den benötigten Dampfdurchsatzmengen und dem Eigenschwingverhalten der Turbinen. Wenn man möglichst viel Dampf in einer Turbine abbarbeiten möchte, muss dieser sie ja auch in einer entsprechenden Geschwindigkeit passieren. Man kann also eine Turbine kaum mit lediglich 100 u/min betreiben, denn da würde der schnelle Dampf ja auf ein quasi fast stehendes System treffen. Sie muss also schon hurtig rotieren.
Zu hohe Rotationsgeschwindigkeiten bedeuten aber auch, dass die letzten Turbinenschaufeln ganz am Ende (das sind die breitesten und längsten) einer zunehmend größeren Fliehkraftbelastung unterliegen. Die Schaufelspitzen können schon im Normalfall durchaus Schallgeschwindigkeit erreichen, wenn man dies noch erhöhen würde bräuchte man extrem stabiles Material, oder es würde das ganze Ding einfach auseinanderreißen.
Als das mal anfing mit der Standard-Drehzahl war an solch hochfeste Materialien gar nicht zu denken, da waren die 3000 u/min einfach ein gut zu erreichender Wert für alle handelsüblichen Dampfturbinen.

Okay, die 3000 u/min als Richtwert sind ja okay, aber warum darf diese Drehzahl denn nun nicht zu sehr sinken? Zu schnell ist ja klar, da zieht es die Schaufeln in die Länge, aber zu langsam? Und, wie kommt es überhaupt dazu?

Man muss sich vorstellen, dass die ganzen Stromverbraucher im Netz wie eine Bremse wirken, gegen die die Turbine permanent annarbeitet. Wenn jetzt große Verbraucher zugeschaltet werden, oder andere Erzeuger plötzlich ausfallen, dann wird diese Bremslast größer. Die Drehzahl geht sozusagen erstmal ein wenig in die Knie, und wird dann so schnell wie möglich durch zusätzliche Dampfzufuhr wieder auf die 3000 u/min gebracht. Da geht es aber nicht um Größenordnungen, sondern vielleicht um eine oder zwei Umdrehungen. Eine Betriebsstörung ist das nicht, da ist mehr notwendig. So z.B. der flächendeckende Ausfall von Windparks bei Starkwind. Da muss man sich vor Augen führen, dass die Dinger normalerweise bloss so ein bissl rumrotieren, aber bei kräftigerem Wind plötzlich so richtig zum Leben erwachen. Da wird richtig reingepowert, und die geregelten Erzeuger drosseln sich immer weiter ein, bzw müssen ganz vom Netz.
Wenn jetzt der Wind aber zu stark auffrischen sollte, dann gehen die Windmühlen ins Sicherheits-AUS. Das wird dann zum Problem, wenn sonst kaum noch Erzeugungskapazität da ist, die diesen Ausfall kompensieren kann.

Unser Netz ist bis 47,5 Hz (entspricht 2850 u/min) nach unten, und bis 51,5 Hz (entspricht 3090 u/min) nach oben abgesichert. Bei Überschreitungen dieser Grenzwerte muss heftig eingegriffen werden. Zwangs-Lastabwürfe von Verbrauchern wären z.B. die Folge, wenn die Frequenz zu stark sinkt.
Das passiert dann aber nicht, um irgendwelche Elektronik zu schützen, sondern um die Turbinendrehzahl nicht zu sehr absinken zu lassen.

Hier geht es nämlich um sogenannte "kritische Drehzahlen", die ebenso verhindert werden müssen wie Überdrehzahlen.
Jedes Bauteil hat ja eine bestimmte Eigenfrequenz, mit der es zu schwingen beginnt, wenn man es anregt. Das ist wie bei einer Glocke, einer Stimmgabel oder einer Klavierseite. Bei unserer Nenndrehzahl von 3000 u/min passiert da nix. Alle Turbinen werden so gebaut, dass sie in diesem Bereich ganz ruhig laufen.
Aber wehe, man kommt in den Frequenzbereich der Eigenschwingung irgendeiner Teilturbine oder Schaufelstufe. Dann entstehen Resonanzen, und die sowieso schon angeregte Eigenschwingung wird immer weiter verstärkt.
Vielleicht kann man sich das mit einem riesigen Stahlblech mal vorstellen. Das Ding muss so groß sein, dass seine Eigeschwingung genau 1 Hz beträgt. Und wir stehen jetzt mit einem Hammer daneben und hauen jede Sekunde genau einmal drauf, wenn die Ausschwingweite gerade maximal von uns weg ist. Dann verstärken wir somit diese Schwingung immer weiter, bis dann letztendlich das Material nachgibt.

Bei einer Turbine ist es ähnlich, nur würde da wohl nicht das Material an sich nachgeben, sondern sie würde erstmal irgendwo anecken, anschleifen, ihre Lager wegsprengen oder ähnliches. Das gäbe jedenfalls einen Riesenknall mit Totalschaden.

Wen interessieren da schon Personenaufzüge, die 20 cm zu spät halten?

Wichtiger Nachtrag: Im etwas kraftwerkspanischen Deutschland muss man heutzutage aufpassen, dass man ja alles richtig beschreibt, deshalb hier noch was zur Beruhigung:
Wenn die Netzfrequenz zu stark abfallen sollte, ist nicht zu befürchten dass da jetzt reihenweise die Turbinen in die Luft gehen. Die sind schon alle selbst vor Ort mehrfach abgesichert. Das Netzmanagement greift nur deshalb schon vorher ein, damit sich nicht noch mehr Erzeuger wegen eigener Sicherheitsabschaltungen vom Netz trennen müssen. Damit würde die "Bremslast" für die verbliebenen Kraftwerke, deren Drehzahlen noch nicht im kritischen Bereich sind, ja noch größer. So ist das gemeint.

Freitag, 8. April 2011

Der kleine Ärger (Nannystate)

Was geht mir dieser Schutzquatsch auf die Nerven!!!

Hab 'ne harmlose DVD-Box bei Amazon bestellt. Fernsehserie. Läuft auch in Deutschland. Die ersten Staffeln waren FSK16, die jetzige ist FSK18. Huch? Na, egal. Amazon will aber jetzt ein Häkchen haben, das bestätigt, dass ich über 18 bin. Hm.

Okay, ich hab da im Lauf der letzten Jahre einige tausend Euro per Kreditkarte gelatzt, aber wenn sie jetzt unbedingt ein Erwachsenenhäkchen wollen - bitte. Ordnung muss sein, und wenn die Vorschrift das verlangt bin ich ja nicht so.

Genauso wie bei der Elektronik-Discount-Verkäuferin letztens. "Ich müsste bitte mal ihren Ausweis sehen, das Spiel ist erst ab 18!"

Hey, sag ich zu dem Kassenschnuckelchen: Das ist aber nett, dass sie mich für so jung einschätzen. Und fühle mich gebauchpinselt. 20 Jahre jünger, nice!
Nein sagt sie, "das ist halt Vorschrift und wird auch überwacht." Grmpf!

Naja, der DHL-Fahrer hat es heute jedenfalls nicht geschafft, die richtige Klingel zu finden (es sind genau zwei Stück zur Auswahl, mit unterschiedlichen Namen!) und nun will ich mich beschweren und nach erneuter Anlieferung fragen.

Tjaaa ... wann sind sie denn persönlich da?
Öhm, kann nicht auch meine Frau?
NEIN! Nichtmal mit einer Vollmacht.
Was?
Da steht drauf, "eigenhändige Zustellung". So sind die Vorschriften.

Ey, verdammt nochmal - wenn mich eine niedliche Kassenfrau trotz meines gepflegten Dreitagebarts nach meinem Ausweis fragt - gut denn, Schwamm drüber. Aber wenn der Postzusteller mir ein harmloses Filmchen nichtmal mehr über vertraute Mittelspersonen zukommen lassen darf, dann reichts aber.

Ich habe doch keinen Granatwerfer bei Revolutionsbedarf24.de geordert! Und wenn ich meiner besseren Hälfte eine Vollmacht erteile für mich die S/M-Pornos entgegenzunehmen, ist das doch auch meine Sache, oder?

Idioten!

Samstag, 2. April 2011

Die deutscheste aller Parteien

"Welt Online hat die Kommentarfunktion dieses Artikels geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis."
Okay, das kennt man ja. Wahrscheinlich werden da mal wieder vier, sechs, zehn oder eine Gruppe "Jugendlicher" in irgendeinen "Streit" oder eine "Rangelei" mit Nichtgruppenangehörigen geraten sein. Bestimmt wieder wegen 'ner Zigarette, oder einem anderen sinnlosen Konsumobjekt. Vielleicht wurde auch provoziert, oder komisch geguckt. Naja, Alltag halt.

Aber hier geht es doch um was anderes, hier geht es um eine Erfolgsgeschichte, um eine - nein, um die - deutsche Erfolgspartei! Öhm, wieso muss denn da die Kommentarfunktion deaktiviert werden? Erfolgspartei heißt doch, dass da richtiggehende Massen an jubilierenden Wählern dahinterstehen, da muss man sich doch nicht verstecken - so als Grüne.

Hm, vielleicht liegts ja daran:
"Deshalb sind die Grünen in ihrer Hingabe, dem Aufgehen in der Mission, ihrem Sendungsbewusstsein gegenwärtig wahrscheinlich die deutscheste aller Parteien, (...)"
Ach du Schreck! Die Grünen? Das kann nicht stimmen. Das muss doch geflunkert sein. Vor allem, weil den obigen Halbsatz noch dieses irritierende Anhängsel ziert:
"(...) zumal sich diese Kombination mit einem tiefen Misstrauen gegen mächtige Zentralgewalten verbindet."
Moment mal. Also wenn irgendeine Partei in Deutschland (abgesehen von der Linken) für absolut mächtige Zentralgewalten und Dirigismus eintritt, dann doch wohl die usurpierten Überreste der ehemals Bürgerbewegten!
Dass sie eine Zentralgewalt ablehnen, deren Kontrolle ihnen nicht vollständig obliegt ist ja eine ganz andere Sache. Hätten aber sie, die Grünen, ein eigenes Staatswesen vollständig unter der Fuchtel - dann aber hau ruck, die Waschfrau! Da dürfte keine Lebensäußerung mehr ohne Zustimmung der Zentrale mehr getan werden.
Steuern rauf, Konsum lenken, Wirtschaft ökologisch planen, alles Individuelle durch Verbote, Gebote, Gebühren und Strafzahlungen abwürgen. Ein Bürokratenparadies im Dienste Gaias und ihrer Hohepriester.

Warum nun aber sind keine Kommentare erlaubt? Hat man Angst vor der grünen Anhängerschaft, die den WO-Kommentarbereich verwüsten könnte?
"NEIN! Wir sind nicht die deutscheste Partei! Das ist Verleumdung und Beleidigung! Deutsch sein ist eklig!"
Oder fürchtet man, dass völkische Kommentatoren nun endlich frei bekennen könnten:
"Jawohl, endlich besinnt sich wieder eine deutsche Partei darauf, dass der deutsche Bauer auf seiner Scholle das Land ernähren muss, und dass es eh zuviel Technikgläubigkeit gibt"?

Glaub' ich nicht. Spätestens bei der grünen Verherrlichung bongospielender Drittweltbewohner bekäme doch der germanische Gartenzwergfaschist einen Anfall. Und außerdem - die Grünen lassen auch nur einen Führer gelten, und der weilt meist in Ankara. Wieso sollen die nun gerade die deutscheste Partei darstellen?

Hier wird man fündig:
"Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun", sagte Richard Wagner (...)"
Na, aber da sind sie heiß dabei, die Grünen. Es geht "um die Sache", die gute Sache. Und wer der Sache nicht folgen will, muss halt zu "seinem Glück gezwungen werden". Was Glück dabei ist, bestimmen die Funktionäre und ihre Mitläufer.
Die Grünen sind nicht die Partei der Gartenzwerg- und Nationalhymnendeutschen. Schon gar nicht die Partei des Volks ohne Raum. Eher schon die des baldigen Raums ohne Volk. Und dagegen haben sie zum Beispiel  was. Deshalb wollen sie diesen Raum mit allerlei fremden Völkerschaften auffüllen, ohne vorher erstmal bei den Nachbarn nachzufragen. Einzelne Menschen zählen da nicht ... denn es geht ja um eine gute Sache, nicht wahr?

Könnte es sein, dass die Grünen die Partei des hässlichen Deutschen darstellt? Die des Neiders, des Oberlehrers, des Hausmeisters und Blockwartes? Kleinkariert, wenn jemand Gaia einen Grashalm krümmt, aber großzügig, wenn es darum geht, das Geld anderer Leute fürs eigene Wohlbefinden zu verschenken?
Ich denke, dass da was dran ist. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Wir sind die Guten, wir haben immer recht. Wo wir sind, ist vorne.

So gesehen ist die grüne Partei tatsächlich die deutscheste, und auch die hässlichste. Auch wenn der Verdacht nahe liegt, ich meine damit nicht das Personal, sondern die Agenda.
Bei den Linken weiß man wenigstens woran man ist. Die hatten schonmal ihr Menschengefängnis, und wenn sie jetzt einen auf sozial und öko machen, dann fallen da nur noch die wirklich Dummen drauf rein. Bunte Menschen wanderten da flugs in eine handfest betreute Besserungsanstalt, und der Sozialistenspielplatz diesseits der Elbe war nun wahrlich auch kein natürlich belüftetes Lurchi-Paradies.

Aber bei den Grünen ist der totalitäre Weltverbesserungsanspruch schön dick mit bunten Farben überkleistert. Sollte es doch mal eine schadhafte Stelle geben, wird flugs ein "Atomkraft, nein danke"-Sticker drübergepappt. Sonnenblumen gehen auch immer.

Wer erinnert sich noch an die zottelbärtigen Wollpulligestalten, die in den Achzigern anfingen bundesdeutsche Parlamente zu bevölkern? Ein bissl ranzig sahen die ja aus, aber naja, soll es doch ein wenig bunter werden - ein wenig alternativer.
So, und was ist nun draus geworden? Man sehe sich mal die Apparatschiks heutzutage an. Grüne Männer gibts ja eigentlich nur drei, oder? Heli-Hunzinger-Flugmeilen-Moscheerausklage-Cem, RAF-Anwalt-Revolutionswaffenhandel-Fahrrad-im-Auto-Transportierer-Ströbele, und natürlich Volker Beck (dem darf ich aus Diskriminierungsgründen keine weiteren Namen anhängen).
Frauen dagegen gibt es dort unglaublich viele. Die sind auch ständig im Fernsehen. Wenn man sich mal eine beliebige Staatsfunk-Talkshow oder "Expertenrunde" anguckt, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass die jüngste und hübscheste von der Linken kommt, während das verkniffendste und/oder verwittertste Exemplar des eigentlich schöneren Geschlechts sowohl den Aufdruck "Grüne", als auch "Quote" deutlich auf der Stirn zu tragen scheint.

Oberlehrer, Kathederprediger, Mahner und Wächter allesamt. Nur, wer wählt die? Wer grün wählt, muss sich das leisten können, sagt man. Stimmt zwar irgendwie - was die Medienschaffenden und Politikforschenden immer wieder zu der gewagten These animiert, dass Grün das neue Gelb oder Schwarz ist - aber eigentlich muss man konstatieren, dass man Grün nur dann wählen kann, wenn man direkt oder indirekt von der staatlichen Umverteilungs-Gießkanne ahängig ist, oder aber, wenn jeglicher angerichteter Schlamassel zuerst, oder vollumfänglich "die anderen" trifft.

Das ist fein, das mag der verbeamtete Michel, und die Medienmenschen finden das auch toll. Hmm, die Welt besser machen, großartig! Wenn die doch nur endlich mal könnten wie sie wollten! Dann, ja dann kann das hier alles wieder gut werden. Es ist doch eigentlich ganz einfach, die Rezepte sind doch bekannt. Worauf warten wir denn noch? Die Erde hat nur noch ein paar Jahre, wenn wir nicht sofort was tun. Wir, die Guten, die besseren Menschen. Wenn nicht wir, wer dann? Wir müssen nur alle an einem Strang ziehen!

Na? Klingelts, warum "die grüne" die deutscheste aller Parteien ist?
"Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun", sagte Richard Wagner (...)"

Daniel K. - eine deutsche Karriere

Das ist ja fein. Daniel Küblböck ist jetzt Millionär. Meinen Glückwunsch! Mit dem Plattenmillionär ist es zwar nichts geworden, aber wenn jemand sein einmal verdientes Geld klug investiert, dann klappts auch mit der Rendite. Finde ich ja gut, denn so fällt er wenigstens nicht der Wohlfahrt zur Last.

Aber ... Rendite? Isser jetzt ein Kapitalistenschwein geworden? Nein, natürlich nicht. Der sympathische Dieter Bohlen Zögling hat nicht in irgendwelche windigen Hedgefonds investiert um arme unschuldige EU-Staaten in den Bankrott zu treiben, und er ist auch kein Anteilseigner an börsenkapitalisierten Markenfirmen, die mit turnschuhherstellenden Sweatshop-Betreibern auf übelste Weise der Kinderarbeit Vorschub leisten.

Sowas machen Stars nicht. Das ist pfui-bäh! Da geht der verhinderte Barde doch lieber mit RTL ins Dschungelkamp und lässt uns an seiner Schabenaversion teilhaben. Nee, der gute Junge investiert vernünftig und mit Blick in die Zukunft. Trotzdem. Rendite, Millionär? Uargs! Kommt da nicht gleich der Neidreflex hoch?

Aber nicht doch. Er handelt ja nicht mit Waffen, Drogen oder ukrainischen Prostituierten. Da wäre auch das Risiko zu hoch. Aber einen Schnitt machen möchte man ja schon. Am besten natürlich mit einer guten Sache. Was läge da näher, als in eine Zukunftsbranche einzusteigen? Millionen macht man heute nicht mehr mit Platten und persönlichem Risiko des Scheiterns, sondern mit Ökostrom.

Das verdient Beifall und einen Appell an alle anderen "Kulturschaffenden". Tut es ihm nach! Am besten heute noch! Guckt, was euch euer Verlag, die GEMA, oder die VG Wort so in letzter Zeit überwiesen haben. Denkt daran, dass es morgen schon ein Ende haben könnte mit dem Geldzufluss. Wollt ihr auch in den Dschungel? Nee, oder? Das ist doch demütigend!
Also fasst euch ein Herz, stellt die Versuche ein, die Gunst eines unberechenbaren Publikums zu erobern. Ehrlich, die Konsum-Schwachmaten sind es doch nicht wert, oder?

Also, nutzt eure paar Wochen oder Monate, die euch die Medien und die doofe Masse zubilligen. Absolviert ein paar Auftritte bei irgendwelchen Solarpanel-Händlern und Dachklempner-Innungen. Lasst euch mit Politikgesichtern sehen und verpflichtet sie vor laufenden Kameras, sich für erneuerbare Energien einzusetzen. Ein toter Knut ist schließlich genug! Macht ihnen Dampf und werdet zum Solarzugpferd!

Keiner muss mehr eure Platten und Bücher kaufen, lasst sie doch einfach so an euch zahlen. Und das beste ist: Ihr braucht nichtmal tagsüber auf den Zähler gucken, naja, und nachts habt ihr sowieso frei.

Um die Zwangszahler braucht ihr euch auch keine Sorgen machen. Wenn sich jemand eure Tarife nicht mehr leisten kann, dann zahlt sie halt das Amt. Ganz einfach. Müssen die.

Also los jetzt ihr Sänger und Sängerinnen, Schauspieler und Schauspielerinnen, ihr Schriftsteller und Schriftstellerinnen, Redakteure und Redakteurinnen, ihr Moderatoren und Moderatorinnen - überdacht das Land mit Silizium!

Franz Alt sagt zwar, die Sonne schickt uns keine Rechnung - aber ihr, ihr könnt das. Wenn ihr nur wollt.

Freitag, 1. April 2011

Kein Nachruf, ein Aufruf

Mein letzter Beitrag hier in CR datiert vom 27.März, seitdem war Funkstille. Teils war das ungünstigen Arbeitszeiten geschuldet, aber zum weitaus größten Teil einem Verlust, den ich zu verdauen hatte, und an dem ich immernoch zu knabbern habe. Insider werden wissen welchen Verlust ich meine.

Diese Ankündigung hat mich getroffen wie ein Schlag, und mein nächster Artikel MUSSTE diesem Thema gewidmed sein! Aber wie da rangehen? Ein Nachruf, ein Aufruf, ein mach-weiter-wir-brauchen-dich? Nee, irgendwie doch nicht. Jeder Tag der nun ohne Artikel blieb, brachte aber neue Gedanken zum Thema hervor. An befreites Schreiben war nicht zu denken. Wie sollte ich auch einfach zur Tagesordnung zurückkehren? Einfach so einen Aspekt des täglichen Irrsinns herausgreifen und kommentieren, während da noch etwas unaufgearbeitet in meinem Hirn rotierte?

Nein, ich glaube dass ich nicht drumherum komme, mir diese Belastung von der Seele zu schreiben, bevor ich wieder in den "Normalmodus" zurückkehren kann. Wo dieser Artikel mich letztlich hinführen wird, weiß ich noch nicht. Bin selbst sehr gespannt.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass mich zum letzten Mal ein persönlicher Hero verlassen hat. Damals war es kein Blogger, sondern ein ganz profanes TV-Gesicht. Es war noch die Zeit der Videorekorder, und der einzige Grund, warum ich einen solchen brauchte, war Harald Schmidt mit seiner täglichen Late night Show auf Sat1.
Als Schichtarbeiter hat man ja keinen geregelten TV-Rhythmus. Man kann entweder einfach so die Glotze anmachen und gucken, was für einen Schrott einem die Fernsehgewaltigen denn zu welcher Einschaltzeit so zu bieten haben, oder aber man guckt selektiv.

Selektiv bedeutet aber Vorbereitung. Videorekorder programmieren, Bänder vorbereiten, den Sat-Receiver auf dem richtigen Programm eingeschaltet lassen, wenn man nicht zu Hause ist. Eventuell noch abklären, dass die Freundin zu der Zeit nicht etwas anderes sehen, oder aufnehmen möchte. Es war schon ein wenig aufwendig, aber der Lohn war eine tägliche Stunde Fernsehunterhaltung, wann immer ich es wollte. Mehr brauchte ich nicht, denn ich hatte ja Bücher und Zeitschriften, das Radio und ein bissl Internet mit ISDN-Anschluss (zu 1 ct/min).
Aber ein Leben ganz ohne HS hätte ich mir zu der Zeit nicht vorstellen können.

Schmidt hat sieben Jahre durchgehalten.

Ich bin eigentlich ein sehr kritischer Konsument, aber wenn ich von einer Sache überzeugt bin, dann bleibe ich treu dabei und verzeihe auch Schwächephasen. Nur wenn ich treu dabei bin, erwerbe ich mir damit auch ein Recht auf immerwährende Unterhaltung? Konstant erwartbare Befriedigung meines Bedürnisses nach Input?
Nein, man vergisst sehr schnell dass hinter der Mattscheibe oder dem Monitor jemand sitzt, der für uns nicht sichtbar weitaus mehr Anstrengungen in sein Produkt investiert, als man dem Konzentrat, welches dem Enduser präsentiert wird, ansieht.

Da brennt vielleicht jemand wie eine Kerze von zwei Seiten ab. Wofür? Für Geld? Sicherlich spornt es an, zwingt zur versprochenen Leistung. Aber selbst Schmidt hat seine gutbezahlte Show an den Nagel gehängt. Für Aufmerksamkeit? Natürlich. Wer was zu sagen hat, will auch gehört werden. Und Aufmerksamkeit ist eine sehr wirksame Droge.
Das ist es wohl, was Blogger (wenigstens ein bisschen) antreibt. Natürlich ist es auch befriedigend, wenn man sich seine früheren Artikel ansieht und damit immer noch zufrieden sein kann, aber die Aufmerksamkeit über den eigenen engsten Dunstkreis hinaus ist es, die einen zum Weitermachen verpflichtet.

Wenn nun ein Hobby-Blogger mit seinen Artikelchen keine Bücher verkaufen will, kein Interesse an weiterführender Medienpräsenz hat und kein Geld für sein Engagement bekommt ... wie lange rechtfertigt die Aufmerksamkeit der wohlgesonnenen Leser den Raubbau am eigenen Privatleben?

Kewil hat kurz vor Zettels Rückzug ins Unpolitische das Ende seiner Fakten und Fiktionen bekanntgegeben. Auch einer, der für seinen Blog brannte. Mir ist immer noch unbegreiflich, wie dieser geniale Polterer wider den polit-medialen Mainswamp seinen Output auf so konstant hohem Niveau halten konnte. Jeden Tag drei, oder vier Artikel zu veröffentlichen, und dabei auch den Zorn aufrecht erhalten, obwohl man nichts ändert. Auch ihn werde ich vermissen.

Kewil hat sechs Jahre durchgehalten.

Aber am meisten wird mir Zettel fehlen. Der politische Zettel natürlich, denn er selbst ist ja nicht weg. Auch hat er ein, wie ich finde, hervorragendes Autorenteam zusammengestellt, welches ihn in Zukunft vertreten wird. Nur, kann man Zettel wirklich ersetzen?

Ich kam zu ZR, nachdem ich schon eine Weile lesend in der politischen Blogosphäre unterwegs war. Bei den meisten Blogs die ich gut und interessant fand, stand auch Zettels Raum in der Blogroll. Strategisch geschickt platziert meist an alphabetisch letzter Stelle. Der Blick am Ende eines Artikels geht ja nach dem Abschluss-Satz irgendwie noch kurz suchend nach links und rechts. Und da stand dann halt immer Zettels Raum. Also lag es nahe, dort auch mal reinzuschnuppern. Und, ich wurde nicht enttäuscht.

Keine Ahnung, welchen Artikel  ich zuerst las, und wann das nun genau war - aber ich wurde zum täglichen Stammleser. Mein erster Beitrag im kleinen Zimmer erfolgte noch per E-Mail, zum Phänomen des DDR-Lochs, denn ich hatte ein wenig Hemmungen mich in diesem elaboriert parlierenden Mikrokosmos des Herrn Professors anzumelden. Irgendwann tat ich es aber doch, und habe bisher 1385 Beiträge unterschiedlicher Qualität dort hinterlassen. Auch das ein Verdienst Zettels, der niemals einen "Standesunterschied" spüren ließ, sondern immer interessiert an Äußerungen jedes seiner Kommentatoren war. Man musste nicht promoviert, oder wenigstens mit Abitur gesegnet sein - wer was zu sagen hatte und sich höflich benam, konnte sich getrost an Zettels Lagerfeuer niederlassen.

Und ein Lagerfeuer ist es, das kleine Zimmer. Kein Stammtisch und auch kein Klassenzimmer, obwohl ... zu lernen gab es eine Menge. Nicht nur Politisches, Wissenschaftliches, Kulturelles und Philosophisches, auch so manche Lateinerfloskel musste ich erst googeln, und einiges an meinem englischen Sprachverständnis hat sich in den vergangenen Jahren auch verbessert.
Was für mich wohl aber am Prägendsten war, ist der Stil des Diskurses. Dieses respektvolle und höfliche Miteinander ist ganz speziell zettelesk und hat sich, so glaube ich, doch auch in meine privaten Umgangsformen eingeschlichen.

Wenn ich das Forum als Lagerfeuer ansehe, so ist Zettels Raum eher als Leuchtturm zu bezeichnen. Lagerfeuer gibt es in unterschiedlicher Qualität ja viele. Man guckt mal vorbei, lässt sich auch mal nieder, geht weiter, oder kehrt wieder zurück. Aber ein Leuchtturm weist einem den Weg.

Das mag jetzt pathetisch klingen, aber ZR war und ist für mich auf jeden Fall ein Wegweiser. Ohne Zettel hätte es den Blogger Calimero nie gegeben. Und so auch niemals das Motto meiner kleinen Rumpelkammer (die ihren Namen durchaus auch der Anlehnung an Zettels Raum verdankt) - "Ein Raum für freie Rede und Gedanken, mittendrin im Irrenhaus".

Denn sowas brauchen wir. Wir, die wir uns nicht von den bezahlten "Intellektuellen" in Politik und Medien vertreten fühlen. Wir, die wir Irrsinn auch als das bezeichnen, was er ist.
Wir brauchen die Lagerfeuer, an denen wir uns niederlassen können, und wir brauchen die Leuchttürme an denen wir uns orientieren können.

Dass unsere Ideen und Gedanken, dass unsere Rationalität jemals im sich immer höher schraubenden Malstrom der medialen Selbstbefriedigung sogenannter "Intellektueller" ankommt, können wir vergessen. Dazu ist ihr gesamter Daseinszweck viel zu sehr mit der Erreichung vermeintlich "höherer Ziele" verbunden und von der profanen Ratio entkoppelt.

Wem kann man eher glauben und vertrauen? Dem Fachmann, dem Praktiker, dem, der selbst im Wettbewerb steht, oder den Labertaschen, die nur dem "Wettbewerb der (ideologischen) Ideen" frönen? Wir brauchen eine Gegenöffentlichkeit, und mag sie noch so klein sein. Und niemand anders als wir selbst können, und müssen eine solche schaffen und erhalten!

Man könnte verzweifeln angesichts der Tatsache, dass das System immer mehr Laberakademiker und Möchtergern-Weltgestalter hervorbringt, die mit einem staatlichen Jodeldiplom ausgestattet sich nun auch zu Wort melden, und an die Fleischtöpfe des subventionierten oder meinungsbildenden Intelektuellenzirkus heran wollen. Aber es gibt Hoffnung.

Die eine Hoffnung ist die, dass der zu verteilende Kuchen nicht beliebig vergrößerbar ist, und somit der Einstieg ins arrivierte Meinungskartell finanziell zunehmend unattraktiv für intelligente junge Menschen wird.
Die andere Hoffnung gründet sich aufs Internet.

Bisher ist die Masse der Medienkonsumenten vor allem auf die veröffentlichte Meinung angewiesen und sieht im Netz wohl meist zuerst den praktischen und den privaten Kommunikationsaspekt. Die jetzt nachwachsende Generation wird viel eher mal über einen Link zu einem dieser freiheitsliebenden Lagerfeuer stolpern, und vielleicht auch ihren eigenen Leuchtturm finden können.
Meine Hoffnung ruht also auf den jungen Facebookern und Forentouristen. Die sind nicht mehr so Multi-Kulti-selig wie die saturierten Altvorderen. Sie werden auch zunehmend nicht goutieren, wenn ihnen ihre Freiheit von den satten und dekadenten Eliten für ein vermeintlich höheres Ziel beschnitten wird.

Kann sein, dass ich mich da irre. Dass ich mir zu viele Hoffnungen mache. Aber aufgeben gibts nicht! Vielleicht kann jeder bloggende Fackelträger des Freiheitsgedankens nur eine bestimmte Zeit durchhalten. Vielleicht liegt die Zeitspanne die man maximal "mit Nachbrenner" unterwegs sein kann bei fünf bis sechs Jahren. Ich weiß das (noch) nicht.

(Der politische) Zettel hat fast fünf Jahre durchgehalten.

Aber eines weiß ich. Die richtungsweisenden Leuchttürme, die Fackelträger, die unverwechselbaren Persönlichkeiten, die die politische Blogosphäre mit ihrem Gesicht prägten - sie werden nicht vergessen werden.

Danke Zettel!

So, jetzt kann ich weitermachen.